Menschenaffen kommunizieren kooperativ

Neues aus der Forschung

Meldung vom 25.05.2016

Menschliche Sprache ist ein kooperatives Zusammenspiel und beinhaltet schnelle Rollenwechsel. Diese Art der kooperativen Kommunikation könnte als Teil genereller kooperativer Fähigkeiten entstanden sein, die für den Menschen einzigartig sind.


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Schimpansenmutter mit ihrem Jungen. Die Tiere verbringen viel Zeit mit ausgedehnten Verhandlungen.
Foto: Marlen Fröhlich
Marlen Fröhlich, Paul Kuchenbuch, Gudrun Müller, Barbara Fruth, Takeshi Furuichi, Roman M. Wittig, Simone Pika. 2016. Unpeeling the layers of language: Bonobos and chimpanzees engage in cooperative turn-taking sequences.Scientific Reports; 23 May, 2016
DOI: 10.1038/srep25887

In einer artübergreifenden Studie an Bonobos und Schimpansen im Freiland haben Forscher der Humboldt Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen jetzt jedoch gezeigt, dass die gestische Kommunikation von Menschenaffen ähnliche kooperative Grundelemente und Rollenwechsel aufweist wie unsere menschliche Sprache. Trotzdem unterscheiden sich Bonobos und Schimpansen gravierend in ihren Kommunikationsstilen voneinander.

Menschliche Sprache ist ein hoch kooperatives Unterfangen, welches schnelle Rollenwechsel beinhaltet. Eine Hypothese besagt, dass sich kooperative Kommunikation als Teil genereller kooperativer Fähigkeiten entwickelte, die für den Menschen einzigartig sind. Der erste Schritt auf dem Weg zur Sprache beginnt bereits vor der Verwendung erster Wörter, wenn Kleinkinder anfangen, Gesten zu verwenden, um mit ihrem Gegenüber zu kommunizieren. Folglich wurde lange angenommen, dass sich gesprochene Sprache stammesgeschichtlich aus Gestik und nicht aus Lauten oder einer Kombination aus Gestik und Lauten entwickelte.

Die Max-Planck-Forscher haben nun herausgefunden, dass die gestische Kommunikation unserer nächsten lebenden Verwandten, der Menschenaffen, ähnliche kooperative Grundelemente und Rollenwechsel aufweist wie die menschliche Sprache. Das Forscherteam um Marlen Fröhlich und Simone Pika der Humboldt-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen hat zusammen mit Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Ludwig-Maximilians-Universität in München und der Kyoto Universität in Japan erstmalig die kommunikativen Interaktionen von Bonobos und Schimpansen in vier verschiedenen Populationen und Feldstationen miteinander verglichen. Zwei Jahre lang beobachteten sie Bonobos im Salonga-Nationalpark und Luo Scientific Reserve in der Demokratischen Republik Kongo und Schimpansen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste und Kibale-Nationalpark in Uganda.

Die Auswertung förderte zwei erstaunliche Erkenntnisse zu Tage: Zum einen ist die Kommunikation von Menschenaffen zwischen Mutter-Kind-Paaren der des Menschen ähnlicher als bisher angenommen, zum anderen unterscheiden sich Bonobos und Schimpansen gravierend in ihren Kommunikationsstilen: “Für Bonobos spielt das Blickverhalten eine größere Rolle, und sie reagieren auf Signale schneller als Schimpansen“, sagt Marlen Fröhlich, Erstautorin der Studie. Schimpansen verwenden dagegen klarer unterscheidbarere Kommunikationselemente und verbringen mehr Zeit mit ausgedehnten Verhandlungen.

Die Kommunikation von Bonobos scheint der des Menschen mehr zu ähneln als die Kommunikation von Schimpansen. “Kommunikative Interaktionen von Menschenaffen weisen folglich viele der Grundelemente auf, die auch menschliche Konversation charakterisieren und lassen den Schluss zu, dass sich kooperative Kommunikation entwickelte, um gemeinsame Aktionen effizienter zu koordinieren“, fasst Simone Pika, Leiterin der Studie, zusammen.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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