Flughunde forsten afrikanische Wälder auf

Neues aus der Forschung

Meldung vom 02.04.2019

Mit den durch die Fledertiere verbreiteten Samen könnten jedes Jahr 800 Hektar neuer Wald entstehen.


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Palmenflughunde lieben Früchte über alles, zum Beispiel Dattelpalmen und Mangos – oder wie in diesem Fall Zuckerpflaumen, die Früchte von Uapaca kirkiana.
Mariëlle L. van Toor, M. Teague O'Mara, Michael Abedi-Lartey, Martin Wikelski, Jakob Fahr, Dina K.N. Dechmann
Linking colony size with quantitative estimates of ecosystem services of African fruit bats
Current Biology
DOI: 10.1016/j.cub.2019.02.033


Intakte Ökosysteme erfreuen nicht nur Naturliebhaber, sie nutzen Menschen auch finanziell. Wie viel Geld sie jedoch tatsächlich einbringen, ist im Einzelfall schwer zu beziffern. Nun haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell zusammen mit Kollegen aus Schweden und Ghana erstmals den ökologischen und finanziellen Nutzen von Palmenflughunden in Afrika berechnet. Diese Fledermausart fliegt jede Nacht lange Strecken zu ihren Futterplätzen und verbreitet dabei die Samen der verzehrten Früchte. Den Forschern zufolge verbreitet eine Kolonie von 150.000 Tieren in einer einzigen Nacht über 300.000 Samen. Damit könnten pro Jahr allein in Ghana 800 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden – und das von einer einzigen Kolonie. Von einem besseren Schutz der vor allem durch Jagd bedrohten Tiere würden also sowohl Wälder als auch Menschen profitieren.

Palmenflughunde (Eidolon helvum) besitzen eine Flügelspannweite von bis zu 80 Zentimetern und ernähren sich von Nektar und Früchten. Tagsüber hängen die Fledertiere kopfüber in den Kronen alter Bäume und schlafen. Bei Sonnenuntergang werden sie aktiv und begeben sich auf Futtersuche. Wenn die Tiere in Kolonien leben und die Konkurrenz um Futter groß ist, fliegen sie bis zu 88 Kilometer weit zu geeigneten Futterbäumen und kehren erst am nächsten Morgen wieder an ihre Schlafplätze zurück. Unterwegs verteilen sie die Samen der gefressenen Früchte über große Gebiete mit ihren Ausscheidungen.


 
Die Kolonien der Palmenflughunde können aus mehreren hunderttausend Individuen bestehen. Wenn die Tiere am Abend zu ihren Fressplätzen aufbrechen, verdunkeln sie förmlich den Himmel.

Auf diese Weise tragen die Flughunde zur Artenvielfalt der Wälder und deren genetische Diversität bei, denn gesunde Wälder können nur gedeihen, wenn Früchte-fressende Tiere wie Flughunde die Samen der Bäume über größere Entfernungen hinweg verbreiten. Dank des weiträumigen Transports durch die Fledertiere können junge Bäume in einer Umgebung ohne direkte Konkurrenz durch Artgenossen und auf sie spezialisierte Pflanzenfresser keimen und aufwachsen. Dadurch können selbst in gerodeten Gebieten neue Wälder entstehen.

Flughunde sind Langstreckenflieger

Dina Dechmann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell erforscht mit ihren Kollegen seit Jahren den in Afrika lebenden Palmenflughund. „Die meisten Früchte fressenden Tierarten verlassen die schützenden Baumkronen ihres Waldes nicht und verteilen deshalb Samen nur in einem kleinen Umkreis“, erzählt Dechmann. Der Palmenflughund dagegen überfliegt bei seiner nächtlichen Futtersuche Waldgrenzen, fliegt über offene Landschaften und kann die Samen der gefressenen Früchte bis zu 75 Kilometer weit verbreiten. Außerdem frisst er viele verschiedene Arten von Früchten und lebt in Kolonien von tausenden bis Millionen von Individuen.

Die Forscher haben die Bewegungen der Palmenflughunde mit GPS-Sendern verfolgt und die nächtlichen Flugrouten aufgezeichnet. In Fütterungsexperimenten haben sie außerdem die Dauer gemessen, bis Samen nach der Verdauung verbreitet werden. Demnach scheiden die Tiere einen Teil der Samen erst relativ spät aus und begünstigen so deren Verbreitung über weite Strecken.



Hoher Nutzen für den Menschen

Mithilfe der Daten über Flugbewegung und Ausscheidungszeit der Samen konnten die Forscher das Potential einer ganzen Kolonie berechnen, Samen über lange Strecken zu verteilen und in gerodete Gebiete zu transportieren. Auf diese Weise haben sie herausgefunden, dass eine Kolonie von 150.000 Palmenflughunden in einer einzigen Nacht über 300.000 Samen verteilen kann.

„Die Palmenflughunde verbreiten unter anderem schnell wachsende Bäume, die als Pionierarten die richtige Umgebung für das Ansiedeln und Wachsen weiterer Baumarten schaffen“, erklärt Dechmann. Dadurch könnten pro Jahr allein in Ghana 800 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden. Der Gewinn, der dabei für die Bevölkerung durch essbare Früchte, erhöhte Bodenfruchtbarkeit und Holz entsteht, liegt rechnerisch bei über 700.000 Euro. Da die Palmenflughunde durch ganz Afrika migrieren, profitieren viele Gemeinden von ihren Dienstleistungen.

Wenn tausende Flughunde zu ihren nächtlichen Flügen aufbrechen, verdunkelt sich der Himmel. Für die Forscher um Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell ist der Anblick dieser Schwärme immer wieder ein ergreifendes Erlebnis.
Die Wissenschaftler wollen mehr über das Leben und die Flugrouten des afrikanischen Palmenflughunds (Eidolon helvum) herausfinden. Dazu rüsten sie die Tiere mit Sendern aus, um sie verfolgen zu können. Das Satelliten-gestützte Ortungssystem Icarus soll den Forschern bei der Erkundung von Tierwanderungen helfen.

Bedrohung durch Jagd und Verlust von Lebensraum

Die Zahl der in Afrika lebenden Palmenflughunde geht jedoch immer weiter zurück. Die Tiere werden in großer Zahl gejagt und auf Märkten zum Essen angeboten. Aber auch die Abholzung großer Bäume, die die Tiere als Schlafplätze brauchen, bedroht die Bestände. „Das ist ein unglaublicher Verlust, denn die Palmenflughunde helfen mit beim Erhalt der Wälder in Afrika. Die Bevölkerung muss deshalb dringend über die Bedeutung der Palmenflughunde informiert werden“, sagt Dechmann. Mit gutem Beispiel voran geht dabei ein lokaler König in Kibi, einer Stadt im Süden Ghanas: Die Kolonie Palmenflughunde, die in seinem Garten lebt, hat er unter seinen persönlichen Schutz gestellt.

800 hectares of new forest per year could grow from the seeds disseminated by the bats




Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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