Weißwasserfluss

Scharfe Trennlinie beim Zusammenfluss des Rio Negro (links, Schwarzwasserfluss) mit dem Rio Solimões (Weißwasserfluss), wie der Amazonas im oberen Abschnitt auch genannt wird.

Weißwasserflüsse gehören neben Schwarz- und Klarwasserflüssen zu den drei in den Tropen dominierenden Flusstypen. Weißwasserflüsse sind aufgrund des hohen Gehalts an mineralischen Schwebstoffen vergleichsweise hell, ihr Wasser erscheint schmutzig-lehmfarben. Die eigentlich hellbraune Färbung scheint nur bei Schrägansicht weiß.

Weißwasserflüsse entspringen in rezent geologisch aktiven Gebieten und führen daher eine große Menge erodiertes Material mit sich. Die Trübstoffe sind oft reich an Eisen und Aluminium, auch sind Weißwasserflüsse reich an Elektrolyten und Nährstoffen. Trotz des hohen Nährstoffgehalts ist die Primärproduktion gering, da es durch den hohen Schwebstoffanteil zur Lichtlimitierung kommt. In Weißwasserflüssen treten vermehrt Pleustonpflanzen auf, auch sind sie sehr molluskenreich.[1]

Der pH-Wert ist annähernd neutral oder leicht im sauren Bereich. Die Leitfähigkeit ist aufgrund des hohen Mineralgehalts recht hoch. Die Sichtweite beträgt nur 10 bis 50 Zentimeter. Aufgrund der nährstoffreichen Sedimente bieten Weißwasserflüsse einer vielfältigen Flora und Fauna sehr gute Lebensbedingungen und sind damit lebensfreundlicher als Schwarzwasserflüsse und auch Klarwasserflüsse. Durch das pH-neutrale Wasser halten sich auch weit mehr Insekten an Weißwasserflüssen auf als an den Flüssen anderen Typs.

Die bekanntesten Weißwasserflüsse sind in Südamerika der obere Amazonas (Rio Solimões), der Rio Madeira, der Rio Branco sowie der Río de la Plata, der auch „Silberfluss“ genannt wird. Der Blaue Nil in Afrika zählt auch zu den Weißwasserflüssen.[1] Gelegentlich wird der Begriff weiter gefasst und nicht nur auf tropische Fließgewässer bezogen und beispielsweise die Donau abschnittsweise als Weißwasserfluss bezeichnet.[2]

Literatur

  • Wilfried Schönborn: Lehrbuch der Limnologie. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2003, ISBN 3-510-65204-5

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 W. Schönborn: Lehrbuch der Limnologie. Seite 368ff, siehe Literatur
  2. Gregor Dietrich: Aquaristik-Grundkurs

Weblinks


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