Medinawurm

Dracunculus medinensis
Dracunculus medinensis Der Wurm ist als weißes fadenähnliches Gebilde zu erkennen. Abgebildet ist die Entfernung mittels Streichholz.

Dracunculus medinensis Der Wurm ist als weißes fadenähnliches Gebilde zu erkennen. Abgebildet ist die Entfernung mittels Streichholz.

Systematik
Unterklasse: Chromadorea (Chromadorea)
Ordnung: Spirurida
Unterordnung: Camallanina
Überfamilie: Dracunculoidea
Gattung: Dracunculus
Art: Dracunculus medinensis
Wissenschaftlicher Name
Dracunculus medinensis
Linnaeus, 1758

Der Medinawurm (Dracunculus medinensis) oder Guineawurm ist ein parasitisch vorkommender Fadenwurm und ist der Erreger der Dracontiasis. Als für die Entwicklung notwendige Zwischenwirte wirken Ruderfußkrebse, meist der Gattung Cyclops. Er kommt beim Menschen und anderen Säugetieren vor, neben dem infizierten Menschen wird allerdings nur dem Hund eine begrenzte epidemiologische Bedeutung beigemessen (Dönges 1988).

Verbreitung

Der Medinawurm war früher in den Feuchtgebieten Afrikas und von Ägypten über Pakistan bis Indien verbreitet. 1996 gab es 3,5 Millionen Infizierte. 2011 ist der Parasit hauptsächlich auf den Südsudan zurückgedrängt, über einzelne Vorkommen (3 %) wird aus Äthiopien, Mali und Tschad berichtet. Während 2011 noch 1060 Fälle gemeldet wurden, gab es bis Mitte 2012 nur noch fünf gemeldete Fälle.

Merkmale

Es herrscht ein starker Geschlechtsdimorphismus vor. Das Weibchen wird bei 1,5 mm Dicke bis zu 120 cm lang, das Männchen nur 3 cm.

Vermehrungszyklus

Lebenszyklus von Dracunculus medinensis

Der Mensch nimmt von Wurmlarven befallene, winzige Krebse der Gattung Cyclops mit dem Trinkwasser auf. Die Larven werden dann im Magen freigesetzt, von dort aus gelangen sie in den Dünndarm und durchdringen die Schleimhaut. Im Retroperitonealraum vollenden sie ihre Entwicklung und paaren sich. Das Männchen stirbt anschließend und wird eingekapselt. Das befruchtete Weibchen wächst weiter, kann bis über einen Meter lang werden und wandert durch das Gewebe zu den Extremitäten, meist zu den Unterschenkeln oder Füßen. Dort siedelt es sich im Bindegewebe der Unterhaut an.

Das Kopfende des Wurms verursacht durch Abscheidungen ein taubeneigroßes Geschwür. Kommt dieses mit Wasser in Berührung, platzt die dünne Haut im Zentrum auf. Gleichzeitig reißt die Haut des dicht darunterliegenden Wurms und dessen Uterus, der Tausende von Larven ins Wasser entlässt. Anschließend zieht sich der Uterus wieder ins Geschwür zurück und bei erneuter Wasserbenetzung wiederholt sich der Vorgang. Nach zwei bis drei Wochen stirbt der weibliche Wurm.

Die Larven werden im Wasser von Krebsen gefressen und bohren sich durch deren Darmwand in die Leibeshöhle, um sich dort weiter zu entwickeln. Damit schließt sich der Vermehrungszyklus.

Vorbeugung und Bekämpfung

Die Krebse, die Medinawürmer in sich tragen, gelangen mit unaufbereitetem Trinkwasser in den Menschen, wo der Medinawurm die Dracontiasis verursacht. Um die Krebse aus dem Trinkwasser zu entfernen, kann z. B. ein fein gewebtes Stück Nylon als Filter benutzt werden. Seit 1986 verteilen Hilfsorganisationen wie das Carter Center solche Filtertücher in den Dörfern.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Wasser abzukochen oder die wurmtragenden Krebse mit Insektiziden abzutöten. [1] Wasser kann mit einem zugelassenen Larvizid wie zum Beispiel Abate, das Ruderfußkrebse tötet, behandelt werden, ohne die Menschen oder andere Tiere einem hohen Risiko auszusetzen.[2]

Medinawurm und Mensch

Als Parasit des Menschen ist der Medinawurm seit dem Altertum bekannt. Die traditionelle Art der Entfernung des weiblichen Wurms geschah und geschieht in den Endemiegebieten auch heute noch mit einem Holzstäbchen. Damit wickelt man das Vorderende, das aus dem Geschwür herausbricht, jeden Tag ein Stück heraus, maximal 10 cm pro Tag, um ein Durchreißen des Wurms zu verhindern. Diese Art der Entfernung dauert einige Tage, manchmal aber auch viele Wochen. Misslingt diese klassische Entfernungsmethode, weil der Wurm durchreißt, so muss der in der Wunde verbliebene Teil des Endoparasiten operativ entfernt werden, um eventuelle Nachfolgeinfektionen zu verhindern.

Eine Hypothese deutet das klassische medizinische Symbol des Äskulapstabes als einen auf ein Holz aufgewickelten Medinawurm.[3] Jedoch wurde diese Hypothese bereits mehrfach seit 1959 widerlegt. [4] [5]

Nach Bekämpfungsmaßnahmen, insbesondere einer Präventionskampagne des Carter Centers in Atlanta, Georgia, konnte innerhalb der letzten 20 Jahre die Anzahl der Neuinfektionen von jährlich 3,5 Millionen Fällen auf 25.217 Infizierte im Jahr 2006 reduziert und die Verbreitung auf wenige Gebiete Afrikas, hauptsächlich Sudan und Ghana, beschränkt werden[6]. Ende 2009 hat die WHO noch in Äthiopien, Ghana, Mali und Sudan neue Infektionen festgestellt. Im Sudan kamen die Infektionen ausschließlich im Süden, dem heutigen Südsudan, vor. Der Sudan in seinen jetzigen Grenzen wurde daher 2011 für Medinawurm-frei erklärt[7], ebenso wie Ghana[8].

Der Befall mit dem Medinawurm könnte nach den Pocken und der Rinderpest die dritte Krankheit werden, die vollständig ausgerottet worden ist.[9] Im Jahr 2011 hat sich die Verbreitung auf nur noch 1056 Fälle weltweit reduziert, in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 wurden noch 391 Fälle gemeldet, von denen 99 % im Südsudan aufgetreten sind.[10] Der Südsudan plant bis 2013, dass keine Neuinfektionen mehr auftreten.[11]

Sonstiges

Karl May beschrieb in seinem Roman Die Sklavenkarawane einen Krankheitsfall, bei dem ein „Abaka-Neger“ das Medinawurm-Geschwür im Gesicht hatte. Auch die Entfernung mit einem Hölzchen wurde dort beschrieben.

Einzelnachweise

  1. G. D. Schmidt & L S. Roberts: Larry S. Roberts & John Janovy, Jr. (Hrsg.): Foundations of Parasitology, 8th, S. 480–484, McGraw-Hill 2009, ISBN 978-0-07-128458-5
  2. ABATE. BASF Agricultural Products (2006). Abgerufen am 2. Dezember 2009.
  3. Richard Lucius, Brigitte Loos-Frank: Biologie von Parasiten. Springer Verlag, 2007, ISBN 978-3540377078, S. 135.
  4. https://www.thieme.de/viamedici/medizin/wissenswertes/aeskulapstab.html
  5. "http://www.aerzteblatt.de/archiv/54669
  6. Michele Barry: The Tail End of Guinea Worm — Global Eradication without a Drug or a Vaccine. In: The New England Journal of Medicine. Vol. 356, Nr. 25, 2007, ISSN 1533-4406, S. 2561-2564 (Artikel auf nejm.org).
  7. Donald G. Mc Neil: Epidemiology: In Losing Its Southern States to Secession, Sudan Also Sheds Its Guinea Worm Cases. In: The New York Times. 18. Juli 2011.
  8. Carter Center, 28. Juli 2011: Former U.S. President Jimmy Carter Congratulates People of Ghana for Halting Guinea Worm Disease Transmission.
  9. WHO certifies seven more countries as free of guinea-worm disease. The World Health Organization. Abgerufen am 28. März 2010.
  10. GUINEA WORM WRAP-UP #213 Centers for Disease Control and Prevention (CDC) 16. Juli 2012
  11. South Sudan to scale up interventions to interrupt dracunculiasis transmission by 2013 WHO 23. Mai 2012

Weblinks

 Commons: Dracunculus medinensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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