Gackelkuckuck

Gackelkuckuck
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Kuckucksvögel (Cuculiformes)
Familie: Kuckucke (Cuculidae)
Gattung: Cuculus
Art: Gackelkuckuck
Wissenschaftlicher Name
Cuculus poliocephalus
Latham, 1790

Der Gackelkuckuck (Cuculus poliocephalus), auch als Kleiner Kuckuck oder Rötelkuckuck bezeichnet, gehört zur Ordnung der Kuckucksvögel (Cuculiformes) und zur Familie der Kuckucke (Cuculidae), einer auf der ganzen Welt verbreiteten Vogelfamilie, deren bekanntestes Merkmal der Brutparasitismus ist.

Aussehen

Der Gackelkuckuck ist etwa 28 Zentimeter lang. Der Kopf und der Rücken sind grau, die Flügel und der Schwanz sind schwarzbraun. Die Brust und der Bauch sind weiß mit schwarzen Querstreifen. Diese sind jedoch feiner als beim europäischen Kuckuck. Der Gackelkuckuck hat einen gelben Augenring.

Verhalten

Ruf des Männchens

Der Gackelkuckuck ernährt sich hauptsächlich von Insekten, vor allem von Schmetterlingsraupen. Er ist ein Brutparasit, der seine Eier in die Nester anderer Singvögel, zum Beispiel der Nachtigall legt. Seinen Nachwuchs zieht er deswegen nicht selber auf. Der Ruf des Männchens ist schrill und durchdringend und ist dem Klangbild nach zu vergleichen mit der Silbenfolge kyo, kyo, kyo-kyo-kyo-kyo-kyo. Der Gackelkuckuck ist bereits am frühen Morgen zu hören, singt aber auch in der Nacht.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Gackelkuckucks erstreckt sich vom Osten Afrikas über Madagaskar bis hin nach Indien und Südchina.

Im Mai erreichen einige Individuen, deren Überwinterungsgebiete in Indien und im südostasiatischen Raum liegen, auch Nordchina, die Koreanische Halbinsel und Japan. Diese späte Rückkehr ist eine Anpassung an die Brutzeit der Vögel, in deren Nester der Gackelguckuck seine Eier legt. Zudem ist seine bevorzugte Nahrung in den nördlichen Gebieten erst zu dieser Zeit ausreichend vorhanden.

Der Gackelkuckuck ist eine heimische Art in folgenden Ländern Afrikas: Demokratische Republik Kongo, Kenia, Malawi, Südafrika, Tansania, Sambia, Simbabwe und folgenden Ländern Asiens: Bhutan, China, Indien, Japan, Korea (beide Staaten), Myanmar, Nepal, Pakistan, Russland, Sri Lanka, Vietnam.

Ein Ausnahmegast ist er im afrikanischen Somalia und in den folgenden asiatischen Ländern: Bangladesch, Hongkong, Laos, Seychellen und Thailand.

Japanische Kultur

In Japan wird der Gackelkuckuck Hototogisu (不如帰) genannt. Anders als in Europa, wo der Vogel nicht vorkommt, spielt er in Japan und auch in China seit dem Altertum eine Rolle als literarisches Motiv und ist im Laufe der Zeit mit mehreren Namen und Schreibweisen bedacht worden.

Der Gackelkuckuck findet sich in Japan als Sommervogel überall nördlich von Kyūshū. Nur auf Kyūshū selbst und auf Hokkaidō, der nördlichsten der japanischen Hauptinseln, ist er selten.

Der Name Hototogisu selbst rührt, ebenso wie das deutsche Wort Kuckuck, von des Männchens Lockruf her, der für japanische Ohren manchmal wie ho-to to-gi-su klingt: Auch in Japan ruft der Kuckuck seinen eigenen Namen.

Klassische Literatur

Wegen seines oft „leidenschaftlich“ genannten Gesangs ist der Gackelkuckuck heute wie in früherer Zeit Gegenstand zahlreicher Waka, traditioneller japanischer Gedichte. Schon im Man'yōshū, der ersten großen japanischen Gedichtsammlung, wird dies deutlich. Oft tritt er in Gedichten gemeinsam mit dem Gefüllten Sternenstrauch (Deutzia scabra, jap. 卯の花, u no hana) oder der wilden Mandarine (Citrus tachibana, jap. , tachibana) auf, die zu derselben Zeit zu blühen beginnen, zu der auch der Ruf des Gackelkuckucks zum ersten Mal erschallt.

Auch als in der Nacht singender Vogel wird er geschätzt. Der erste Ruf des Gackelkuckucks in einem Jahr wird shinobine (忍び音, dt. etwa „leiser Ton“), was andeutet, dass die ersten Rufe noch zaghaft und leise sind. Im sogenannten Kopfkissenbuch findet sich die Beschreibung nächtlichen Wachbleibens mit der Absicht, den Gesang des Gackelkuckucks noch vor allen anderen zu hören.

Seit der Heian-Zeit wurde der Gackelkuckuck oftmals mit denselben Schriftzeichen wie der gewöhnliche Kuckuck (nämlich 郭公) geschrieben, was möglicherweise durch die Ähnlichkeit der Vögel verschuldet wurde. Auch Matsuo Bashō, ein berühmter japanischer Haiku-Dichter der frühen Edo-Zeit, verwendete diese Zeichen.

Sagen und Volksglaube

Viele den Gackelkuckuck betreffende japanische Sagen gehen auf die klassische chinesische Literatur zurück. Insbesondere finden die Schreibweisen 杜宇, 蜀魂, 不如帰 für Hototogisu ihren Ursprung in einer chinesischen Legende, derzufolge der Kaiser Dǜyǔ (杜宇) des chinesischen Reiches Shu (蜀國) sich in die Frau eines Gefolgsmannes verliebt, dem Thron entsagt und das Land verlassen haben, dann aber in der Fremde gestorben sein soll. Seine Seele soll sich in einen Gackelkuckuck verwandelt und im Gedenken an die Heimat den Ruf bùrú guī (不如歸, jap. Lesung: kaeru ni shikazu) ausgesandt haben, den er noch heute hören lässt.

Seit der Edo-Zeit kam zudem in Japan zudem der Aberglaube auf, es sei ein böses Vorzeichen, den Ruf des Gackelkuckucks während des Aufenthalts auf dem Abort zu hören. Die Quelle hierfür ist ebenfalls chinesischen Ursprungs. Es handelt sich um die Geschichtensammlungen Yǒuyáng zázǔ (酉陽雑俎) und Tàipíng guǎngjì (太平廣記).

Moderne Literatur

1897 gründete Masaoka Shiki die Haiku-Zeitschrift Hototogisu (Gackelkuckuck). Shiki verglich sich auch selbst mit diesem Tier. Von Tokutomi Roka stammt ein Roman mit dem Titel Hototogisu.

Literatur

  • Kanouchi, Takuya u. a.: Nihon no yachō. Yama to Keikokusha, Tōkyō 1998, ISBN 4-635-07007-7.
  • Maki, Hirozō u. a.: Nihon no yachō 590. Heibonsha, Tōkyō 2000, ISBN 4-582-54230-1.
  • Katō Tōru: Kairiki ranshin. Chūōkōronshinsha, Tōkyō 2007, ISBN 978-4-12-003857-0.

Weblinks

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