Flohkrebse

Flohkrebse
Flohkrebs aus dem Meeresplankton

Flohkrebs aus dem Meeresplankton

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Krebstiere (Crustacea)
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Unterklasse: Eumalacostraca
Überordnung: Ranzenkrebse (Peracarida)
Ordnung: Flohkrebse
Wissenschaftlicher Name
Amphipoda
Latreille, 1816

Die Flohkrebse (Amphipoda) sind eine Ordnung der Krebstiere, die zur Klasse der Höheren Krebse (Malacostraca) gehört. Die Ordnung ist in vier Unterordnungen unterteilt.

Körperbau

Idealisierter Bauplan der Amphipoden

Der Körper der Flohkrebse ist im Gegensatz zu den nahe verwandten Asseln (Isopoda) seitlich abgeplattet. Er ist in drei Körperabschnitte, die Tagmata gegliedert. Das erste Tagma stellt der Cephalothorax dar, das Kopf-Brust-Stück, welches eine Verschmelzung des Kopfes (Caput, Cephalon) mit dem ersten Thorakalsegment (1. Thoracomer) darstellt. Das zweite Tagma wird Paereon oder auch Mesosoma genannt und besteht aus weiteren sieben Thoracomeren, an ihnen sitzen die sieben Brustbeinpaare (Thorakopoden, Peraeopoden), wovon die fünf hinteren Paare als Laufbeine ausgebildet sind. Die beiden vorderen Peraeopoden sind als Greifwerkzeuge (Gnathopoden) ausgebildet. Der letzte Körperabschnitt ist das aus sechs Segmenten bestehende Pleon; die an ihm sitzenden Beine dienen als Schwimmbeine (Pleopoden).

Der Name „Amphipoda“ geht auf die gegensätzliche Stellung der Brustbeine (Peraepoden) zurück, von denen die vorderen vier Paar nach vorne und die hinteren drei Paar nach hinten abgewinkelt sind.

Die Kiemen sind bei Krebstieren Teile der Extremitäten: Krebse besitzen sogenannte Spaltfüße, von denen (arg vereinfacht ausgedrückt) der innere Ast (Endopodit) z. B. als Laufbein fungieren kann, Teile des äußeren (Exopodit) z. B. als Atmungsorgan (Kieme) dienen kann. Bei Flohkrebsen sind die Kiemen nach innen verlagert und ragen in einen „Kanal“, der von den Lauf- und Schwimmbeinen gebildet wird. Durch deren Bewegung findet ein ständiger Wasserstrom von vorne nach hinten an der Innenseite der Beinpaare entlang statt und versorgt die Kiemen mit frischem Wasser.

Flohkrebse weisen in der Regel Körpergrößen von einigen Millimetern bis zu wenigen (meist unter zwei) Zentimetern auf. Eine Ausnahme stellen die beiden Tiefseearten Alicella gigantea und Thaumatops loveni dar, die bis zu 14 Zentimeter lang werden können. Im 10 Kilometer tiefen Kermadecgraben vor der Küste Neuseelands wurden bei einer Forschungsexpedition 2012 auch bis zu 28 Zentimeter lange Exemplare gefunden.[1]

Anzahl der Arten und ihre Verbreitung

Es sind derzeit über 6000 Arten beschrieben, das entspricht nur etwa 20 Prozent von 30.000 bis 40.000 weltweit vermuteten Arten. Von modernen Forschungsschiffen aus kann nun auch der Meeresgrund in arktischen und antarktischen Gewässern und in der Tiefsee untersucht werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Amphipoden in allen diesen Lebensräumen nicht nur durch eine große Artenvielfalt, sondern meist auch durch eine große Individuenanzahl gekennzeichnet sind. Sie bilden daher ein wichtiges Glied der Nahrungskette.

Die meisten Süßwasserarten gehören zur Unterordnung der Gammaridea, darunter der in Deutschland heimische Bachflohkrebs (Gammarus pulex) oder der kürzlich aus dem Donaudelta eingewanderte Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus). Bekannt ist der Artenschwarm des Baikalsees: ungefähr 300 nah verwandte Gammariden, die dort sämtliche Lebensräume besiedeln.

Die meisten Flohkrebse leben im Meer, z. B. Hyperia macrocephala (aus der Unterordnung der Hyperiidea) im Plankton oder Jassa falcata (aus der Unterordnung der Gammaridea) an Schiffsrümpfen. Ihre Verbreitung ist weltweit, sie kommen in den arktischen und antarktischen Gewässern ebenso artenreich vor wie am Äquator. Auch aus der Tiefsee werden immer wieder Entdeckungen neuer Arten der Flohkrebse bekannt. Einige, vor allem tropische Flohkrebse leben in feuchtem Falllaub. Terrestrisch lebende Flohkrebse werden als „Sandflöhe“ bezeichnet. In Florida kommen die Arten Talitrus specificus und Talitroides allaudi vor. Auch Talitrus sylvaticus (dieser erreicht eine Länge von 8 mm) ist eine in den USA weit verbreitete Art.

Flohkrebs aus dem Baikalsee

Gammaracanthuskytodermogammarus loricatobaicalensis ist der bislang längste vorgeschlagene Name für ein Lebewesen. Er wurde im Jahr 1927 durch B. Dybowski an einen kleinen Flohkrebs aus dem Baikalsee vergeben, jedoch nach dem International Code of Zoological Nomenclature für ungültig erklärt.

Flohkrebse sind fossil aus 40 Millionen Jahre altem Bernstein bekannt. Die phylogenetisch ursprünglichsten Formen leben im Pazifischen Ozean, die am meisten abgeleiteten in der Karibik.

Unterordnungen

Strandfloh (Talitrus saltator)

Weblinks

 Commons: Flohkrebse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Die Ordnung der Flohkrebse. In: Fauna Europaea Database. European Commission under the Fifth Framework Programme, abgerufen am 27. Februar 2010 (englisch).

Einzelnachweise

  1. Spiegel Online: Biologen fangen Riesen-Krebs vor Neuseeland. Abgerufen am 4. Februar 2012.

Ähnliche Artikel wie "Flohkrebse"

23.12.2020
Meeresbiologie
Zahlreiche Flohkrebse in den Korallenriffen südöstlich von Island entdeckt
Das Naturhistorische Museum Wien und das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg untersuchen gemeinsam Kaltwasserriffe südlich von Island und fanden unzählige kaum erforschte Flohkrebse, Amphipoda.
10.09.2018
Zoologie | Ethologie
Entführung in antarktischer Tierwelt
Flohkrebse nehmen Flügelschnecken Huckepack und schützen sich vor Räubern

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

20.01.2021
Genetik | Evolution
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen.
20.01.2021
Zoologie | Ethologie
Weniger gestresst: Hochrangige Hyänenmännchen haben bei Weibchen beste Chancen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) haben herausgefunden, dass die Interaktion mit anderen Männchen für rangniedrige Tüpfelhyänenmännchen "stressiger" ist als für hochrangige.
18.01.2021
Zytologie | Entwicklungsbiologie
Die ersten Löwen-Embryonen aus eingefrorenen Eizellen
E
18.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie | Biotechnologie
Mikroorganismus baut Phenol unter extremen Bedingungen ab
Forschende vom Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig haben den Abbau von Phenol durch Saccharolobus solfataricus charakterisiert.
18.01.2021
Physiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Methanausstoß von Milchkühen messen
Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt.
18.01.2021
Zoologie | Genetik | Ethologie
Berliner Igel bilden keine genetisch isolierten Bestände
Igel leben sowohl auf dem Lande als auch in größeren Städten.
16.01.2021
Botanik | Taxonomie
Die einzigartige Flora Neukaledoniens
Sieben neue Arten der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) haben Forscher*innen der Universität Bayreuth in Neukaledonien entdeckt. Auf den Spuren des britischen Entdeckers James Cook untersuchten sie im Frühjahr 2019 die Flora auf der Inselgruppe im Südwestpazifik.
16.01.2021
Taxonomie | Fischkunde
Neue Fischgattung aus Indien: Der Kiemenschlitzaal
Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen eine neue Fischgattung beschrieben.
16.01.2021
Anthropologie
Wo man lebt, prägt das Verhalten
Je nachdem, wo auf der Welt sie leben, organisieren Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sich ihr Leben zum Beispiel bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen.
16.01.2021
Ökologie | Biochemie
Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden
In einer neuen Studie klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf.
13.01.2021
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Kegelrobben fressen Seehunde, Schweinswale – und ihre Artgenossen
Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind Deutschlands größte freilebende Raubtiere. Viele Feriengäste kennen das Bild, wenn sie auf Helgoland am Strand oder in anderen Nordseeregionen auf Sandbänken liegen – friedlich nebeneinander oder neben Seehunden.
12.01.2021
Botanik | Ökologie | Insektenkunde
Schmetterling beweist: Karpaten waren in der Eiszeit teilweise bewaldet
Senckenberg-Wissenschaftler haben die Rückzugsorte des Tagfalters Erebia aethiops während der letzten Eiszeit in Europa untersucht.
12.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Bakterium produziert pharmazeutische Allzweckwaffe
Ein Wirkstoff aus den Blättern einer Zierpflanze gilt seit einigen Jahren als möglicher Vorreiter einer neuen Gruppe potenter Medikamente.
11.01.2021
Zoologie | Physiologie | Video
Neon-grünes Leuchten beim Wüstengecko
Forschende der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der LMU und der Hochschule München haben entdeckt, dass der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen zeigt.
11.01.2021
Ethologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ziegen mögen Denksport
Wissenschaftler untersuchten in einem Deutsch-Schweizer Projekt die Lernfähigkeit von Ziegen.
09.01.2021
Ethologie | Neurobiologie
Schlaf für Erholung des Gehirns unersetzlich
Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg weisen erstmals direkt nach, dass während des Schlafens im Gehirn aktive Erholungsprozesse ablaufen, die sich nicht durch Ruhe ersetzen lassen. Die Erkenntnisse sind relevant für optimale Leistung.
07.01.2021
Ökologie | Biodiversität
Starker Rückgang einer einst zahlreichen Tierart
Eine erneute Untersuchung der Puku-Antilopen im Kasanka Nationalpark in Sambia dokumentiert einen starken Rückgang.
07.01.2021
Ethologie | Video | Primatologie
Guineapaviane grunzen mit Akzent
Vokales Lernen führt zur Anpassung der Lautstruktur in einer mehrstufigen Pavian-Gesellschaft.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Das neue Gesicht der Antarktis
Die Antarktis könnte künftig ergrünen und von neuen Arten besiedelt werden. Andererseits dürften Spezies verschwinden.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie | Neobiota
Biodiversitäts-Kollaps im östlichen Mittelmeer
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Paolo G.
07.01.2021
Botanik | Klimawandel
Klimawandel verursachte Mangrovensterben in Oman
Vor rund 6.000 Jahren verschwanden die meisten Mangroven-Bestände an den Küsten Omans.
04.01.2021
Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Angepasste Konzepte für die Vielfalt der Waldbewirtschaftung
Europas Wälder müssen heute viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Wer Holz nutzt und die Biodiversität fördert, deckt zwei wichtige davon ab.
01.01.2021
Physiologie | Paläontologie
Früher Säuger mit erstaunlich präzisem Biss
Wissenschaftlern ist es gelungen, die Kaubewegung eines frühen Säugetiers zu rekonstruieren, das vor knapp 150 Millionen Jahren gelebt hat. Demnach arbeitete sein Gebiss äußerst präzise und mit erstaunlich hoher Effizienz.
29.12.2020
Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Klimakrise lässt Seen schrumpfen
Autoren plädieren in Fachartikel für mehr Aufmerksamkeit für Regionen, in denen der Wasserpegel sinkt.
28.12.2020
Zoologie | Physiologie | Ethologie
Globale Studie über Frequenzen von Vogelgesängen
Viele Tiere kommunizieren über akustische Signale.