Carl Claus

Carl Claus 1891

Carl (Carolus Friedrich Wilhelm) Claus (* 2. Januar 1835 in Kassel; †  18. Januar 1899 in Wien) war ein Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Darwinismus, den er vertrat, war aber ein Gegner der Theorien von Ernst Haeckel.

Biographie

Carl Claus Eltern waren der Münzwardein Heinrich Claus und Charlotte, geb. Richter. Sein Bruder war der Chemiker Adolf Karl Ludwig Claus.

Claus studierte in Marburg und in Gießen bei Rudolf Leuckart (1822–1898). Seit 1855 war er Mitglied des Corps Hasso-Nassovia Marburg.[1]

Er lehrte in Marburg, Würzburg, Göttingen und Wien und leitete die österreichische Station für Meereszoologie in Triest. Der Zoologe spezialisierte sich auf Krebstiere und gründete die moderne Klassifizierung dieser Gruppe. Im Rahmen seiner Zellforschung prägte Claus den Begriff Phagocyte (intrazellulär verdauende Blutzelle; cyto von griech: kytos = Höhle; phagein = essen).

Unter der Anleitung von Claus verfasste der Medizinstudent Sigmund Freud 1877 seine erste wissenschaftliche Arbeit, aufgrund von Forschungen, die er an Claus' Triester Station über die Hodenstruktur des Aals durchgeführt hatte. Von daher erhielt Freud entscheidende Impulse für seine später entwickelte Theorie von der Bisexualität des Menschen. [2]

Die Theorie von Charles Darwin wurde von Claus geschätzt, aber er sah darin noch wesentliche offene Fragen. Am Ende seines Lebens schrieb er, dass das Selektionsprinzip

„mit Rücksicht auf das große Rätsel der Entwicklung, das zu lösen verbleibt, nur einer ‚Planke‘ verglichen werden kann, ‚die den sonst rettungslos Versinkenden über Wasser trägt‘.“[3]

Werke

  • 1876, Untersuchungen zur Erforschung der genealogischen Grundlage des Crustaceen-Systems. Ein Beitrag zur Descendenzlehre; Wien, C. Gerold
  • 1879-82, Grundzüge der Zoologie; N. G. Elwert Marburg; 2 Bände (sein berühmtestes Werk).
  • 1880, Kleines Lehrbuch der Zoologie; (6. Auflage) 1897, Lehrbuch der Zoologie, Marburg.

Ehrentaxon

René Edouard Claparède benannte 1863 nach ihm die Gattung Clausia mit der Art Clausia lubbocki.

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1930, 101, 187
  2. Lucille B. Ritvo: Carl Claus as Freud's Professor of the New Darwinian Biology. In: The International Journal of Psycho-Analysis, 53 (1972), pp. 277–283
  3. Lehrbuch 1897, S. 215. Vgl. Franz Stuhlhofer: Charles Darwin – Weltreise zum Agnostizismus. 1988, S. 110-133: „Aufnahme des Darwinismus in Deutschland“.

Literatur

  • Otto Hamann.: Claus, Carl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 498–500.
  • Josef Gicklhorn: Claus, Carl Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 268 f. (Digitalisat).
  • Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 1 (Lfg. 2), S. 149 [1]
  • Salvini-Plawen, L.; Mizzaro, M.: 150 Jahre Zoologie an der Universität Wien. Verh. Zool.Bot.Ges. Österr. 136 (1999), 1 - 76
  • Rudolf Schmitz: Die Naturwissenschaften an der Philipps-universität Marburg: 1527-1977. Elwert, Marburg 1978, ISBN 3770806530, S. 173–177

Weblinks

 Wikisource: Carl Claus – Quellen und Volltexte
 Commons: Carl Claus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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