Altersklassenwald

Vergleich der Stammzahlverteilungen im Altersklassen- und Plenterwald

Der Altersklassenwald (in der herrschenden Betriebsform des schlagweisen Hochwaldes) ist die nach wie vor in Deutschland und Europa vorherrschende Betriebsform zur forstwirtschaftlichen Holzerzeugung. In Deutschland umfasst sie ca. 90 % der Waldfläche. Seine natürliche Entsprechung hat er in den an Baumarten armen, immergrünen Nadelholzwäldern des nördlichsten, borealen Waldgürtels der Erde - also dort, wo durch natürliche Kalamitäten, d.h. großflächige Zerstörungen der Vegetation (insbesondere durch Brand), der Wald regelmäßig flächenhaft zerstört wird und seine Wiederverjüngung deshalb von Natur aus bestandesweise und gleichaltrig erfolgt.

Waldbauliches System

Sehr ähnlich wird im Altersklassenwald auf Basis homogener Flächeneinheiten gleichaltriger Bäume mit einer sehr kleinen Anzahl von Baumarten gearbeitet. Die Bewirtschaftung erfolgt entsprechend flächen- und bestandesweise im Rahmen von Kulturpflege, Läuterung, Durchforstung mit oder ohne Vornutzung des nicht hiebsreifen Holzes und der sog. Endnutzung des hiebsreifen Bestandes nach Erreichen der sog. Umtriebszeit (=Kapitalumschlag). Der deswegen jeweils große Holzanfall an einem Schlagort kommt den Bedürfnissen von Datenerfassung und mechanisierter Holzernte sowie Logistik entgegen. Der Altersklassenwald ist besonders maschinen- und rationalisierungsfreundlich und deshalb bisher trotz seiner hinreichend erkannten Probleme in der forstlichen Betriebspraxis sehr beliebt. Auch neigt die Altersklassenwaldwirtschaft zur Monokultur mit gerade solchen Baumarten, die sich problemlos auf der Kahlfläche pflanzen und damit künstlich verjüngen lassen (vor allem mit Nadelhölzern). Die heimischen Laubbaumarten (z. B. Buche und Eiche) sind damit tendenziell in der Altersklassenwirtschaft benachteiligt oder führen erfahrungsgemäß zu erheblich höheren Kosten und Jungwaldrisiken (Schalenwildverbiss, Trocknisschäden, Frostschäden etc.).[1] Zur Betriebsklasse des Altersklassenwaldes zählen neben der herrschenden Betriebsform des schlagweisen Hochwaldes auch der sehr seltene, historische Mittel- und Niederwaldbetrieb - somit also auch zweischichtige und -hiebige Bestände sowie der sog. Überhaltsbetrieb, die aber wegen ihrer ungünstigen Nutzungs- und Kostenstruktur keine forstwirtschaftliche Bedeutung haben.

Historische Bedeutung

Historisch steht das Altersklassenmodell im Zusammenhang mit der Entwicklung des Begriffs der Massennachhaltigkeit, deren Einhaltung eines der zentralen Ziele des forstbetrieblichen Inventur- und Planungsverfahrens, der sog. Forsteinrichtung ist. Insofern folgte aus dem Altersklassenwald - trotz aller Schwächen dieses Ansatzes aus heutiger Sicht - die erste theoretisch begründete Umsetzung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die sich bis in die jüngste Zeit aber vor allem an der Nachhaltigkeit der Holzmassenproduktion orientiert. Gleichwohl ist der Altersklassenwald damit die Keimzelle der sog. nachhaltigen Waldwirtschaft, auch wenn er moderneren, insbesondere ökologischen und biologischen Ansprüchen nicht genügen kann.

Ökologische Beurteilung

Seine regelmäßig auftretenden Großkalamitäten (z. B. durch Schneebruch, Sturm, Insektenfraß, Pilzbefall, Trocknis, Großbrände etc.) führen heute zu seiner weitgehenden Ablehnung in der forstpolitischen und -ökologischen Diskussion[2] und zu den aktuellen Bemühungen einiger staatlicher Forstbetriebe in Deutschland, die homogenen Altersklassenwälder in strukturreiche Dauermischwälder zu überführen. Tendenziell führt der Altersklassenwald großflächig zur Strukturarmut im Wald (siehe oben die Gauss`sche Normalverteilung) und damit zur biologischen Nischenarmut. Es fehlt ihm infolgedessen die „biologische“ Nachhaltigkeit , was zur grundsätzlichen Ablehnung der Altersklassenwirtschaft durch den Naturschutz führt. In ihm wird darum maßgeblich auch die forstbetriebliche Quelle des Artensterbens waldtypischer Arten gesehen, sowie der extreme Mangel an Totholzstrukturen im Wirtschaftswald (vor allem an stärkeren Dimensionen), da die sog. „saubere Wirtschaft“ den Altersklassenbewirtschafter zwangsläufig veranlasst, durch Entnahme aller kranken und absterbenden Bäume den biologischen Risiken in den monokulturellen Wäldern entgegenzuwirken[1]. Die inzwischen allgemein herrschende Kritik am Altersklassenwald verstärkt sich noch unter dem Gesichtspunkt des drohenden Klimawandels, der sowohl zu vermehrten Großkalamitäten als auch zum ökologischen Ausfall wichtiger Nadelbaumarten im Altersklassenwald führen wird (vor allem der Fichte). Vor allem führen Kalamitäten im Altersklassenwald wegen seiner Struktur- und Baumartenarmut in der Regel zur Kahlfläche - mit fast vollständiger Freisetzung des biogenen CO²-Speichers - und nachfolgenden, kostenintensiven Neuanpflanzungen. Altersklassenwäldern fehlt damit die notwendige Resilienz, sich dem Klimawandel zu stellen - ein im Vergleich zum Dauerwald erheblicher ökonomischer und ökologischer Nachteil. Der beschleunigte Umbau der Altersklassenwälder wird darum inzwischen in der Forstpolitik als alternativlos angesehen.[3]

Siehe auch

  • Waldbau

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 vgl. ausführlich: Wilhelm Bode/Martin von Hohnhorst: Waldwende. Vom Försterwald zum Naturwald, München 1994 (4. Auflage München 2000,ISBN 3-406-45984-6)
  2. vgl. z. B.: Der Öko-Wald. Rezept gegen das Waldsterben., Spiegel Nr. 48/1994
  3. vgl. u. a.: Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt, beschlossen vom Bundeskabinett am 7. Nov. 2007

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