Ökolandbau-Forschung

Die Ökolandbau-Forschung ist die wissenschaftliche Erschließung der Ressourcen, Produktions-, Rahmen- und Vermarktungsbedingungen im Bereich der ökologischen Landwirtschaft.

Situation und Entwicklungsgeschichte in Deutschland

Erst 1981 beginnt mit der Einrichtung einer ersten dem Ökolandbau gewidmeten Professur in Witzenhausen (Uni Kassel) der Einstieg in diese Forschungsrichtung in Deutschland. Dort wurde auch 1996 der bis heute bundesweit einmalige Studiengang „Ökologische Agrarwissenschaften“ eingerichtet. Nach und nach sind über 20 Professuren und Koordinationsstellen an verschiedenen Universitäten geschaffen worden. Bundesstaatlicherseits wurde in Trenthorst (Schleswig-Holstein) ein Bundesforschungsinstitut für Ökologischen Landbau und ein eigenes Bundesprogramm Ökologischer Landbau zur Finanzierung der Forschung etabliert. Daneben gibt es zahlreiche privatwirtschaftliche Forschungseinrichtungen und Stiftungen, die auf diesem Gebiet tätig geworden sind, z.B. die Schweisfurth-Stiftung und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau mit Hauptsitz in der Schweiz. Mit Oekolandbau.de wurde im Rahmen des deutschen Bundesprogramms im Internet eine nicht-kommerzielle gemeinsame Informationsplattform geschaffen, die alle, die mit Bio-Lebensmitteln zu tun haben - vom Erzeuger über den Verarbeiter und Händler bis zum Verbraucher - zusammenführen soll.

In Deutschland flossen 2004 19 Millionen Euro in die Ökolandbau-Forschung, und damit nur ein Bruchteil der Gelder, die der konventionellen Forschung zur Verfügung stehen. Ohne „Drittmittel“ sind viele Forschungsprojekte daher nicht durchführbar. Die Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL) publiziert regelmäßig die Ereignisse und Entwicklungen in der Quartalszeitschrift „Ökologie & Landbau“ (und 2003 im „Jahrbuch Ökolandbau“).

Alle zwei Jahre treffen sich die Hauptakteure dieser Forschungsszene an wechselnden Orten zur gemeinsamen Debatte über die Situation des Ökolandbaus und die Problemlösungsansätze der Wissenschaft, des Marktes und der Politik. Organisatoren dieser Tagung sind die landwirtschaftlichen Universitäten, das Bundesforschungsinstitut für Ökologischen Landbau und die Stiftung Ökologie & Landbau. Sozialwissenschaftliche Forschungen waren auf der Tagung 2005 kaum vertreten, was von Seiten der Veranstalter bedauert wurde. In Symposien und Workshops wurden von über 600 Teilnehmern die möglichen Sackgassen und die Chancen einer „Konventionalisierung“ des ökologischen Landbaus diskutiert. Besorgt blickte man seitens der Ökonomen auf die Aussichten, dass die einheimischen Produktionsbetriebe dem Wettbewerb innerhalb der EU und dem Welthandel nicht standhalten könnten.

Im Oktober 2006 wurde ein Vorschlag aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bekannt, daß das Bundesforschungsinstitut für Ökologischen Landbau in Trenthorst geschlossen werden soll. [1]

Literatur

  • Stiftung Ökologie und Landbau (Hrsg.): "Jahrbuch Ökolandbau". ISSN 1015-2423
  • Friedrich Sattler; Günter Friedmann; Reiner Schmidt: "Umstellung auf den Ökolandbau : 38 Tabellen". Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2004. 142 S. ISBN 3-8001-4391-7
  • Marcus Lemke: "Gentechnik - Naturschutz - Ökolandbau : Instrumente des Umweltrechts zur Bewahrung einer Pluralität von Landschaften und Wirtschaftsweisen". Nomos-Verl.-Ges., Baden-Baden 2003. 291 S. (Zugl.: Bremen, Univ., Dissertation 2002) ISBN 3-8329-0191-4
  • Kurt-Dietrich Rathke (Hrsg.): "Ökologischer Landbau und Bioprodukte : der Ökolandbau in Recht und Praxis". Beck, München 2002. 576 S. ISBN 3-406-48716-5
  • Uta Beckmann: "Ackerbausysteme im ökologischen Landbau : Untersuchungen zur Nmin-, N₂O-N- und NH₃-N-Dynamik sowie Rückschlüsse zur Anbau-Optimierung". Erich Schmidt, Berlin 2002. 226 S. ISBN 3-503-06089-8

Siehe auch

Agrarwissenschaften, Agrobiodiversität, Flächenkreislaufwirtschaft

Weblinks

Quellen

  1. Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: Union setzt Kahlschlag bei der Agrarforschung fort

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