Wie viel Regenwald brauchen Vögel - Göttinger Forscherteam beschreibt Schwellenwerte für Waldanteile

Neues aus der Forschung

Wie viel Regenwald brauchen Vögel - Göttinger Forscherteam beschreibt Schwellenwerte für Waldanteile

Meldung vom 21.01.2019

Forscherinnen und Forscher der Arbeitsgruppe für Bedrohte Arten der Universität Göttingen haben im Südwesten Kameruns untersucht, welchen Waldanteil Landschaften aufweisen müssen, um unterschiedlichen Vogelarten ausreichend Lebensraum zu bieten. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.


190122-1315_medium.jpg
 
Der Saphirspint ist in Südwestkamerun beheimatet.
Kupsch et al.
High critical forest habitat thresholds of native bird communities in Afrotropical agroforestry landscapes
Biological Conservation (2019)
DOI: https://doi.org/10.1016/j.biocon.2018.12.001


Die Göttinger Studie analysiert die Beziehung zwischen Vogelvielfalt und Waldbedeckung in einem etwa 4.000 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet, das sowohl Schutzgebiete als auch kleinbäuerliche Agrarforstsysteme und industrielle Ölpalmenplantagen aufweist. Die Wissenschaftler dokumentieren Schwellenwerte für Waldanteile, unterhalb derer sich ursprüngliche Vogelartengemeinschaften zu verändern beginnen, beziehungsweise bei denen sie bereits weitgehend von Allerweltsarten dominiert werden.

Die Daten legen nahe, dass der Waldanteil nicht unter 40 Prozent sinken sollte, wenn drastische Verluste der Vogelartenvielfalt vermieden werden sollen. Die Studie belegt aber auch, dass stark spezialisierte Vogelarten bereits ab Waldanteilen unter 70 Prozent deutlich zurückgehen und durch Generalisten, also Vögeln, die in verschiedenen Lebensräumen zuhause sind, ersetzt werden


 
Autoren der Studie, Francis N. Motombi (1. v.l.), Denis Kupsch (2. v.l.) und Elleni Vendras (1. v.r.) mit Feldarbeitsteam am Eingang des Korup-Nationalpark, Südwestkamerun.

„Die Schwellenwerte, die wir hier diskutieren, sollten bei der Festlegung von Naturschutzstrategien für tropische Waldlandschaften eine Rolle spielen“, sagt Denis Kupsch, Erstautor der Studie. Dies sei vor allem deshalb wichtig, weil in tropischen Regionen der Druck, Agrarflächen intensiv zu nutzen, stetig zunehme.

„So wäre es sinnvoll, dass sich Landnutzungsplanung und Gesetzgebung in Zukunft mehr an derartigen Grenzwerten orientieren, um ein nachhaltiges Nebeneinander von industrieller Agrarproduktion, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und Schutzgebietsmanagement zu realisieren.“ Besonders kleinbäuerliche Agrarforstsysteme, die eine naturnahe Kulturlandschaft repräsentieren und gleichzeitig einen hohen Anteil an Naturwald erhalten, könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, so die Autoren.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

14 Meldungen

Meldung vom 15.02.2019

Psychologie: Nette Ausbeuter setzen sich durch

Gegen Menschen, die Kooperation und Egoismus raffiniert einsetzen, ist kein Kraut gewachsen.

Meldung vom 15.02.2019

Ameisen gegen Elefanten: Wie die Insekten die Fressfeinde von Akazien aufspüren

Ameisen beschützen afrikanische Akazien gegen Fressfeinde wie Elefanten, Giraffen oder Antilopen und erhalten ...

Meldung vom 14.02.2019

In Zebrafischeiern hemmt die am schnellsten wachsende Zelle ihre Nachbarn durch mechanische Signale

Wissenschaftler des IST Austria entdecken neuen Mechanismus für die laterale Hemmung von Zellen - Studie in C ...

Meldung vom 14.02.2019

Vögel speichern Erinnerungen möglicherweise anders ab als Säugetiere

Vögel haben ein gutes Gedächtnis, aber im Gegensatz zu Säugetieren ist bisher noch kaum etwas darüber beka ...

Meldung vom 14.02.2019

Werkzeug oder kein Werkzeug

Flexibler Werkzeuggebrauch bei Tieren steht in enger Verbindung mit höheren mentalen Prozessen, wie zum Beisp ...

Meldung vom 14.02.2019

Schwänzeltanz ist für Honigbienen in manchen Kulturlandschaften nicht mehr hilfreich

Soziale Kommunikation im Bienenstaat: Bienen lernen zu beurteilen, welchen Nutzen die Informationen aus einem ...

Meldung vom 13.02.2019

Neu entdeckte Schildkrötenart steht kurz vor der Ausrottung

Senckenberg-Wissenschaftler Uwe Fritz hat gemeinsam mit einem internationalen Team eine neue Art aus der Famil ...

Meldung vom 13.02.2019

Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakt ...

Meldung vom 13.02.2019

Saisonale Klimaeffekte beeinflussen das Schicksal der Erdmännchen

Bedroht ein trockeneres und heisseres Klima die Erdmännchen in der Kalahari-Wüste? For-schende der Universit ...

Meldung vom 19.02.2019

Wie Schlaf das Immunsystem stärkt

Wissenschaftler der Universität Tübingen weisen neuen Mechanismus nach, mit dem unser Abwehrsystem im Schlaf ...

Meldung vom 12.02.2019

China und Indien Spitzenreiter beim Begrünen der Erde

Die Erde wird grüner – und eine wesentliche Rolle für den seit Jahrzehnten beobachteten Zuwachs von Blattw ...

Meldung vom 11.02.2019

Egoistische Chromosomen machen schädliche Pilze angreifbar

Kiel Evolution Center entdeckt grundlegend neue Züge in den Vererbungsmechanismen von pflanzenschädlichen Pi ...

Meldung vom 07.02.2019

Sind sich Fische ihrer selbst bewusst

Putzerfische scheinen sich selbst im Spiegel zu erkennen.

Meldung vom 07.02.2019

Älteste Körnerfresser entdeckt - Früheste Verwandte der Sperlingsvögel beschrieben

Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen zwei neue fossile Vogelar ...


16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind

22.01.2019
Kenne Deinen Fisch!
22.01.2019
Leben ohne Altern
22.01.2019
Lebensraum Käse
22.01.2019
Domino im Urwald
22.01.2019
Trend-Hobby Imker
22.01.2019
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung