Wachsamkeit der Eltern steigert Überlebenschance junger Graugänse

Neues aus der Forschung

Meldung vom 21.02.2019

Wie Elternpaare bei monogamen Arten zusammenarbeiten, beeinflusst maßgeblich den Reproduktionserfolg. Bei Nestflüchtern wie der Graugans gehören Wachsamkeit, Verteidigung und das Bebrüten des Nachwuchses zu den wichtigsten Investitionen der Eltern – und oft nehmen die Geschlechter unterschiedliche Rollen ein. Das hat ein Team der Konrad Lorenz Forschungsstelle (KLF) der Universität Wien um Verhaltensbiologin Didone Frigerio und Georgine Szipl herausgefunden. Die Ergebnisse dazu erscheinen aktuell im "Journal of Ornithology".


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Die Studie befasst sich mit den geschlechtsspezifischen Unterschieden im elterlichen Verhalten von Graugänsen.
Szipl G, Loth A, Wascher CAF, Hemetsberger J, Kotrschal K, Frigerio D
Parental behaviour and family proximity as key to gosling survival in Greylag geese (Anser anser)
Journal of Ornithology (2019)
DOI: 10.1007/s10336-019-01638-x


"Wir dachten, dass der Fortpflanzungserfolg, das heißt die Anzahl der flüggen Gössel, unter anderem auch von der Feinabstimmung in den Verhaltensmustern der Eltern abhängig sein sollte", so die Verhaltensbiologin, Didone Frigerio von der Universität Wien. In ihrer aktuellen Studie untersuchten die WissenschafterInnen, wie sich geschlechtsspezifische Unterschiede im elterlichen Verhalten und die Nähe der Familienmitglieder zueinander auf das Überleben der Gössel auswirken. Während der Fortpflanzungssaison im Frühjahr 2013 wurde das Verhalten von 18 Paaren mit Nachkommen und deren Überleben aufgezeichnet. Die Grünauer Graugansschar besteht aus halbzahmen und individuell markierten Graugänsen, die sich im Almtal frei bewegen.

Arbeitsteilung nach dem Schlupf

"Es hat sich gezeigt, dass die Differenzierung der Verhaltensrolle zwischen den Eltern mit der Entwicklungsphase, also dem Alter der Gössel (=Junge Gans, Gänseküken), variierte", berichtet Georgine Szipl, die ebenfalls an der Konrad Lorenz Forschungsstelle forscht. Die ForscherInnen fanden heraus, dass insbesondere während der ersten zehn Tage nach dem Schlüpfen die Mütter häufiger auf Nahrungssuche waren, die Väter hingegen wachsamer und aggressiver gegenüber anderen Mitgliedern der Schar waren. Die Weibchen kompensieren in dieser Zeit den Gewichtsverlust während des Bebrütens. Daher müssen die Männchen wachsamer sein, um den Weibchen die Möglichkeit zu geben, in Sicherheit zu fressen, was wichtige Auswirkungen auf zukünftige Brutversuche hat.


 
Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern glichen sich zwanzig bis dreißig Tage nach dem Schlupf wieder aus.

Gut behütet steigert die Überlebenswahrscheinlichkeit

Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern glichen sich zwanzig bis dreißig Tage nach dem Schlupf wieder aus. Im Allgemeinen blieben die Weibchen (die Mütter) näher bei ihren Nachkommen als die Ganter (die Väter). Das elterliche Verhalten hatte auch direkten Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Gössel: Diese war höher, wenn die Eltern relativ aggressiv aufgetreten sind und dabei mehr Wert auf Wachsamkeit als auf Nahrungssuche legten. "Damit zeigen wir eine direkte Verbindung zwischen der Qualität der elterlichen Investitionen und dem Überleben der Gössel", erklärt Frigerio.

Die Ergebnisse der Studie vertiefen das Wissen über die Funktion und Mechanismen des Soziallebens und sind somit ein weiterer Meilenstein in der Grundlagenforschung. Die seit über 40 Jahren überwachte Schar Graugänse ist eine der am besten erforschte auf der ganzen Welt. So entstand über die Jahre ein einzigartiger Datensatz an individuellen Informationen über die einzelnen Gänse, ihren sozialen Beziehungen zueinander und ihrem Reproduktionserfolg.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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