Tierische Tresor-Knacker: Kakadus beweisen technische Intelligenz beim Öffnen von Schlössern

Neues aus der Forschung

Meldung vom 22.03.2014

Kakadus beweisen technische Intelligenz beim Öffnen von Schlössern


140322-084434_medium.jpg
 
Motorhandlungen zum Entfernen der einzelnen Schlösser: 1. den Pin an dem oberen Ring packen und nach oben ziehen; 2. die Schraube mit 25-30 aufeinanderfolgenden Auf- und Abbewegungen des Schnabels oder des Fußes aufschrauben; 3. den Schnabel unter den Bolzen stecken und ihn durch den Befestigungsring drücken; 4. das Rad 90 Grad drehen und es dann auf den Körper zu durch den T-Balken ziehen; 5. den Riegel durch die Schlaufe drücken. Copyright: Alice Auersperg, Universität Wien
Alice Auersperg, Alex Kacelnik, Auguste von Bayern
Explorative learning and functional inferences on a five-step means-means-end problem in Goffins cockatoos (Cacatua goffini)
Plos ONE
DOI: 10.1371/journal.pone.0068979


Einem internationalen Team um Alice Auersperg vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien ist es in Experimenten gelungen, die Fähigkeit zum sogenannten "sequenziellen Problemlösen" bei Kakadus zu beobachten: Indonesische Goffini-Kakadus konnten ein komplexes mechanisches Problem in fünf Lösungsschritten entschlüsseln und so eine Nuss aus einer verschlossenen Box erreichen. Die Ergebnisse erscheinen aktuell im renommierten Fachjournal "Plos One".

Eine Aufgabe zu lösen, um dadurch Zugang zu einem anderen Problem zu bekommen, die einem wiederum ermöglicht, zu einer dritten Aufgabe zu gelangen (und so weiter), um letztendlich ein Ziel zu erreichen: Dieses sogenannte sequenzielle Problem-Lösen wird als kognitiv höchst anspruchsvoll betrachtet, da es die Fähigkeit erfordert, sich im Geist räumlich und zeitlich vom begehrten Zielobjekt zu entfernen.

Problemlösen an der "Lock-Box"

In der Studie der Universität Wien wurden untrainierte Kakadus mit einer Box konfrontiert, in der eine Nuss hinter einem transparenten Fenster lag, das mit fünf verschiedenen Verschlussmechanismen verbarrikadiert war. Dabei blockiert jedes einzelne Schloss das nächste in der Serie, und jedes erfordert unterschiedliche motorische Handlungen, um geöffnet zu werden: Um an die Nuss zu kommen, muss der Kakadu zuerst ein Pin ziehen, dann eine Schraube aufdrehen, einen Bolzen entfernen, ein Rad 90 Grad ausrichten und einen Riegel wegschieben. Bemerkenswerterweise löste das Kakadu-Männchen Pipin das Problem in weniger als zwei Stunden ohne zusätzliche Hilfe. Fünf weitere Vögel beherrschten das Öffnen, nachdem sie entweder einem anderen Kakadu beim Öffnen zugesehen oder zunächst jedes Schloss einzeln nacheinander gelöst hatten.

"Außer im Fall von Werkzeugsets bei Schimpansen gab es bisher keine Berichte von Tieren,die so wie Pipin ohne Vorerfahrung ein fünfteiliges Problem lösen können, bei dem jeder Schritt unterschiedliche Handlungen erfordert", sagt Studienleiterin Alice Auersperg.

Obwohl sie die Belohnung nur erreichen können, nachdem alle fünf Schlösser entfernt sind, räumen die Tiere determiniert ein Hindernis nach dem anderen aus dem Weg. Ihr Fortschritt ähnelt dabei einer "kognitiven Rasterung": Nachdem sie einmal ein Schloss "geknackt" haben, hat die Mehrheit der Vögel in der Zukunft mit demselben Objekt nie wieder Probleme. Dies deute zumindest im Fall des Kakadus Pipin darauf hin, dass sie eine gewisse Vorstellung ihres Zieles haben, d.h., dass sie das Verkürzen der Kette an Hindernissen an sich schon als belohnend empfinden, so die WissenschaftlerInnen.



Nachdem die Tiere die gesamte Sequenz beherrschten, untersuchten die ForscherInnen weiter, ob diese einfach eine unflexible Reihe von gelerntem Verhalten durchlaufen oder ob sie den Effekt, den die Schlösser auf die Erreichbarkeit des Futters hatten, verstehen. "Wir haben die sechs erfolgreichen Vögel vor sogenannte "Transfer Tests" gestellt, in denen Teile der Sequenz unfunktionell gemacht wurden. Zum Beispiel haben wir einzelne Schlösser innerhalb der Struktur entfernt, um zu sehen, ob die Vögel den jetzt ineffektiv gewordenen Teil oberhalb der Lücke auslassen würden. Die Kakadus reagierten spontan sowohl flexibel als auch sensibel auf Änderungen in der Sequenz und Funktion der Schlösser. Sie ließen die meisten irrelevanten Teile aus, sogar wenn die gesamte Konstellation der Schlösser durchgemischt wurde", erklärt Alice Auersperg.

"Wir können natürlich nicht beweisen, dass die Vögel die physikalische Struktur des Problems auf einer Ebene verstehen, wie es erwachsene Mensch tun würden – wir können aber schließen, dass sie fähig sind, ihr Lernen auf ein entferntes Ziel zu organisieren", sagt der Co-Autor der Studie, Alex Kacelnik von der Universität Oxford. Auguste von Bayern vom Max-Plack-Institut für Ornithologie in Seewiesen/Deutschland fügt abschließend hinzu: "Die plötzliche und fehlerfreie Verbesserung der Vögel deutet auf eine extrem ausgeprägte Verhaltensplastizität und praktisches Erinnerungsvermögen hin. Kakadus erforschen ihre Umwelt mit Schnabel, Zunge und Füssen. Wir glauben, dass gewisse Eigenschaften ihrer Spezies, wie ihre starke Neugierde, dabei von Vorteil sind".



Zwei Filme sind online verfügbar unter:

http://youtu.be/dADFx-35yNo

http://youtu.be/xVdt-vrpAQ4


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung