Tiere und Pflanzen dirigieren ihr Zusammenleben gemeinsam

Neues aus der Forschung

Meldung vom 09.08.2018

Ökosysteme sind gewaltige Netzwerke, in denen Tier- und Pflanzenarten vielfältig miteinander zusammenhängen. Dieses Teamwork zwischen den Arten ist besonders bei Bestäubung und Samenausbreitung wichtig. Wie eine Studie unter der Leitung von Senckenberg-WissenschaftlerInnen zeigt, entscheiden klimatische Bedingungen darüber, ob Pflanzen- oder Tierarten das Zusammenspiel in diesen Netzwerken bestimmen. Die Studie ist soeben im Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen.


180810-1610_medium.jpg
 
Nektarvogel an Blüte
Albrecht, J. et al.
Plant and animal functional diversity drive mutualistic network assembly across an elevational gradient
Nature Communications
DOI: 10.1038/s41467-018-05610-w


Der tropische Regenwald mit seinem immerfeuchten Klima quillt über vor unterschiedlichen Pflanzenarten. Mit ihren großen und kleinen Blüten, flachen und tiefen Kelchen bieten diese Pflanzen eine große Bandbreite an möglichen Nahrungsressourcen für Bestäuber. Nektarvögel beispielsweise haben einen langen, abwärtsgebogenen Schnabel entwickelt, um an den Nektar in tiefen Blütenkelchen zu gelangen. Doch wer ist in diesem Netzwerk aus Pflanzen und Tieren der spielbestimmende Akteur?

„In Ökosystemen mit hohem Niederschlag sind die Pflanzen typischerweise sehr unterschiedlich und weisen eine hohe funktionelle Vielfalt auf. Je höher diese funktionelle Vielfalt ist, desto stärker können sich ihre tierischen Partner spezialisieren. Die Pflanzen sind damit hier für die Spezialisierung der Tiere maßgeblich“, erklärt Dr. Jörg Albrecht, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Erstautor einer neuen Studie zu diesem Thema.


 
Nahaufnahme eines Nektarvogels

Im Rahmen der Studie hatten Albrecht und seine Kollegen aus Deutschland, der Schweiz und Tansania fünf Jahre lang knapp 15.000 Interaktionen zwischen Pflanzen, ihren tierischen Bestäubern und Samenausbreitern beobachtet und ausgewertet. Studiengebiet waren Untersuchungsflächen, die vom Fuß des Kilimandscharo bis hinauf zu dessen Gipfel reichten.

Hier arbeitet seit 2010 ein internationales Team von WissenschaftlerInnen in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Verbundprojekt „Kilimanjaro ecosystems under global change“ und untersucht, wie sich Klima und Landnutzung am höchsten Berg Afrikas auf die biologische Vielfalt auswirken.

Am Kilimandscharo bestimmen die Pflanzen jedoch nicht immer die Spielregeln. In der nun publizierten Studie zeigte sich, dass es auch klimatische Gegebenheiten gibt, in denen Tiere den Ton angeben. Dazu Albrecht: „Für die Vielfalt der Tiere ist die Durschnittstemperatur wichtiger als der Niederschlag. Wenn es kalt ist, sind sich die Tierarten insgesamt ähnlicher und haben eine geringe funktionelle Vielfalt. In kalten Umgebungen können sich die Pflanzen daher nicht auf bestimmte Tierpartner spezialisieren, sondern interagieren oft mit denselben Tierarten.“

Da der Klimawandel vielerorts Niederschlagsmenge und Durschnittstemperatur verändern wird, vermuten die Forscher, dass sich auch in den Netzwerken aus Pflanzen und Tieren ein Wandel vollziehen könnte. „Je nachdem, wie sich das Klima an einem Ort verändert, würden entweder Pflanzen oder Tiere diese Netzwerke in Zukunft prägen. Eine Veränderung in der Pflanzenwelt könnte auch Konsequenzen für deren Tierpartner haben“, erklärt Seniorautor Dr. Matthias Schleuning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.



Laut den Autoren wird die Anpassungsfähigkeit von Arten an neue Umweltbedingungen also nicht nur von ihnen selbst, sondern auch von den Reaktionen ihrer Tier- und Pflanzenpartner abhängen. Präzise Vorhersagen, wie die Biodiversität sich zukünftig verändert, sind entscheidend, um angemessen auf Veränderungen in Folge des Klimawandels zu reagieren. „Um besser vorherzusagen, wie Arten und Artengemeinschaften auf den globalen Wandel reagieren, sollten daher nicht nur die Umweltbedingungen, sondern auch die gegenseitigen Abhängigkeiten von Arten Berücksichtigung finden“ resümiert Matthias Schleuning.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 14 Meldungen

Meldung vom 17.05.2019

Echoortung von Fledermäusen - Exzellente Navigation mit wenig Information

LMU-Forscher widerlegen bisherige Annahmen über die Echoortung: Fledermäuse haben deutlich weniger räumlich ...

Meldung vom 17.05.2019

Neues Petersilien-Virus von Braunschweiger Forschern entdeckt space

Neues Petersilien-Virus kommt im Raum Braunschweig und anderen Teilen Deutschlands vor.

Meldung vom 16.05.2019

Bettgenosse gesucht: Wer war der erste Wirt der Bettwanzen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der kooperativen Leitung des TUD Biologen Prof. Klaus Rein ...

Meldung vom 15.05.2019

Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter

Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen.

Meldung vom 15.05.2019

Übersatte Bakterien machen den Menschen krank

SFB 1182-Forschungsteam schlägt in einer neuen Hypothese vor, dass Entzündungskrankheiten durch ein Nahrungs ...

Meldung vom 15.05.2019

Große Fragen zur Rolle mikroskopischen Lebens für unsere Zukunft

Wie Mikroorganismen die dynamische Entwicklung unserer Erde beeinflussen.

Meldung vom 15.05.2019

Wälder tragen weniger zum Klimaschutz bei als vermutet

Eine Studie mit Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL könnte ein Dämp ...

Meldung vom 15.05.2019

Ausgezirpt - Drastischer Biomasseverlust bei Zikaden in Deutschland

In der April- Ausgabe der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Landschaft ...

Meldung vom 14.05.2019

Relaisstation im Gehirn steuert unsere Bewegungen

Die Relaisstation des Gehirns, die Substantia nigra, beherbergt verschiedene Arten von Nervenzellen und ist f ...

Meldung vom 14.05.2019

Archaeopteryx bekommt Gesellschaft

Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der LMU München be ...

Meldung vom 14.05.2019

Geschlechtsreife Aale bauen ihre Knochen ab

Um zu ihren Fortpflanzungsgebieten zu gelangen, schwimmen Europäische Aale mehrere Tausend Kilometer auf die ...

Meldung vom 13.05.2019

Universität Stuttgart benennt neue Bärtierchen-Art: Milnesium inceptum entdeckt

Eine neue Bärtierchen-Art wurde von Dr. Ralph Schill vom Institut für Biomaterialien und biomolekulare Syste ...

Meldung vom 13.05.2019

Anglerinnen und Angler sorgen für Fischartenvielfalt im Baggersee

Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben zusammen mit Fischere ...

Meldung vom 09.05.2019

Wie Stammzellen ein Gehirn korrekter Größe und Zusammensetzung bauen

Im Laufe der Gehirnentwicklung erzeugen Stammzellen unterschiedliche Typen von Neuronen zu unterschiedlichen Z ...


03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
10.08.2018
Kenne Deinen Fisch!
10.08.2018
Leben ohne Altern
10.08.2018
Lebensraum Käse
10.08.2018
Domino im Urwald
10.08.2018
Trend-Hobby Imker
10.08.2018
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung