Stromatolithe in der Tiefsee

Neues aus der Forschung

Meldung vom 21.03.2018

Forscherteam entdeckt Fossilien in 730 Metern Tiefe


180321-1520_medium.jpg
 
Die Mikrobenmatten wölben sich an den Gasaustritten. Sie sind am Bau der domartigen Stromatolithe beteiligt.
Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen
Tobias Himmler, Daniel Smrzka, Jennifer Zwicker, Sabine Kasten, Russell S. Shapiro, Gerhard Bohrmann, and Jörn Peckmann. 2018. Stromatolites below the photic zone in the northern Arabian Sea formed by calcifying chemotrophic microbial mats. Geology 2018
DOI: 10.1130/G39890.1

Stromatolithe zählen mit 3,5 Millionen Jahren zu den ältesten Fossilien. Die Kalkablagerungen kamen allerdings bisher lediglich in Flachmeeren mit Wassertiefen bis zu zehn Metern vor. Denn wachsen können die Kalklagen nur, wenn lichtabhängige und Photosynthese betreibende Mikroorganismen beteiligt sind. Eine Studie von Geowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und den USA zeigt, dass mit Hilfe von lichtunabhängigen, Chemosynthese betreibenden Mikroben Stromatolithe auch am Meeresboden in 731 Meter Wassertiefe wachsen können. Ihre Ergebnisse haben Tobias Himmler vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und sein Autorenteam jetzt in der Zeitschrift Geology veröffentlicht.

Bremer Geowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben bei einer Expedition im Arabischen Meer vor der Küste Pakistans domartig aufgewölbte Mikrobenmatten an Methanaustritten in 730 Meter Wassertiefe entdeckt. Mit Hilfe des Greifarms von Tauchroboter MARUM-QUEST 4000 konnten sie einen etwa 40 Zentimeter hohen Kalkdom bergen. In seinem Inneren fand das Team fein laminierte und ebenfalls gewölbte Kalksteinstrukturen, die ursprünglich von den Mikrobenmatten bedeckt waren.

Diese Mikroben wurden am MARUM genauer geochemisch untersucht. Das Ergebnis: Am Bau der so genannten Stromatolithe sind methanabbauende marine Mikroorganismen, die Archaeen, beteiligt. Im griechischen Ursprung des Namens verbirgt sich bereits die Form der Kalkhügel: Das altgriechische stroma steht für Decke, lithos für Stein. „Anders als die im Flachmeer lebenden photosynthese-betreibende Mikroben, die Energie für ihren Stoffwechsel aus Sonnenstrahlen gewinnen, benutzen diese Mikroben in der Tiefsee Energie, die beim Abbau von Methan entsteht: In der Dunkelheit betreiben sie Chemosynthese“, berichtet Gerhard Bohrmann vom MARUM

Auf dem Meeresboden lebende Bakterien verwandeln den Schwefelwasserstoff, der beim Methanabbau entsteht. „Faserbündel dieser sulfidoxidierenden Bakterien konnten wir in Gesteinsdünnschliffen unter dem Mikroskop identifizieren“, berichtet Dr. Tobias Himmler, Erstautor der Studie. „Wie diese Bündel erhalten sind, ist außergewöhnlich. Da die Bakterien im Arabischen Meer in dieser Wassertiefe kaum freier Sauerstoff zur Verfügung haben, nutzen sie wahrscheinlich Nitrat anstelle von Sauerstoff, was die Kalkbildung begünstigt“, ergänzt Prof. Dr. Jörn Peckmann von der Universität Hamburg.

Ihre Vermutung bekräftigt ein geochemisches Modell, das Kalkbildung durch den Chemosynthese basierten Stoffwechsel der Mikroben belegt. Daraus folgern die Forschenden, dass im Gegensatz zu den bisher bekannten Photosynthese betreibenden Mikroben auch lichtunabhängige Chemosynthese basierte Mikroben Stromatolithe aufbauen können – und zwar auch in der Tiefsee.

Stromatolithe sind die häufigsten Fossilien in Gesteinsformationen, die älter als 541 Millionen Jahre sind. Ähnlich wie im heutigen Arabischen Meer gab es in den Meeren vor dieser Zeit, im so genannten Präkambrium, nur wenig Sauerstoff im Wasser. Die Entdeckung der auf Chemosynthese basierenden Stromatolithe im Arabischen Meer liefert neue Erkenntnisse darüber, wie diese alten Fossilien entstanden sein könnten. „Bisher kannte man nur Photosynthese basierte Stromatolithe, zum Beispiel von den Bahamas oder der Shark Bay an der Westküste Australiens. Diese unterscheiden sich, im Gegensatz zu den Chemosynthese basierten Stromatolithe, im Aufbau und ihrer internen Struktur von vielen präkambrischen Stromatolithen“, erklärt Tobias Himmler. Die Forschenden spekulieren daher darauf, dass Chemosynthese häufiger als bisher angenommen zum Wachstum der Stromatolithe im Präkambrium vor mehr als 541 Millionen Jahren beigetragen hat.


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung