Seevögel als Verlierer des Klimawandels

Neues aus der Forschung

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Keine Anpassung der Brutzeiten an veränderte Bedingungen – Gießener Wildbiologe Johannes Lang erforscht Falkenraubmöwen auf Grönland


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Verlierer des Klimawandels: Falkenraubmöven auf Grönland
Katharine Keogan et al.
Global phenological insensitivity to shifting ocean temperatures among seabirds
Nature Climate Change
DOI: 10.1038/s41558-018-0115-z


Seevögel dürften künftig zu den Verlierern des Klimawandels zählen, da sie ihre Brutzeiten bislang nicht an die aktuellen Klimaveränderungen angepasst haben. Das ist das Ergebnis einer großen internationalen Studie, zu der der Gießener Biologe Johannes Lang beigetragen hat. Der an der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) angestellte Wissenschaftler, der als Mitglied des Arbeitskreises Wildbiologie e.V. jährlich mehrere Wochen zu Forschungszwecken auf Grönland verbringt, lieferte für die Studie Langzeitdaten zur Falkenraubmöwe. Die Metastudie unter der Leitung der Universität Edinburgh wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlicht.

Ob eine Art sich behaupten kann, hängt auch davon ab, ob sie in der Lage ist, ihre Brutzeit an das saisonale Auftreten von Nahrung anzupassen. Der Klimawandel kann dazu führen, dass früher optimal abgestimmte Brutzeiten mit der Zeit nicht mehr mit dem Nahrungsangebot übereinstimmen. Für Seevögel waren Zusammenhänge zwischen ihrer Brutzeit und die durch die Klimaerwärmung ausgelösten Veränderungen in ihrem Lebensraum bisher nicht erkennbar, da die entsprechenden Daten auf viele verschiedene Einzelstudien verteilt waren. Mit der aktuellen Metastudie hat sich jetzt herausgestellt, dass die 145 untersuchten Seevogelpopulationen ihr Brutverhalten im Zeitraum zwischen 1952 bis 2015 nicht verändert haben. Ebenso blieben Anpassungen an Veränderungen in der Oberflächentemperatur der Meere aus.

Die von Johannes Lang untersuchten Falkenraubmöwen im Nordosten Grönlands legen als Zugvögel extrem lange Strecken zurück und sind im Sommer auf den Lemming als Beute spezialisiert. Dieser benötigt lange Winter und eine schützende Schneedecke, um sich neun Monate lang zu vermehren. Die in der Vergangenheit regelmäßig auftretenden Massenvermehrungen sind etwa seit der Jahrtausendwende – offenbar bedingt durch kürzere Winter – deutlich schwächer geworden oder bleiben ganz aus. Während sich andere Tiere wie Schneeeulen nur dort aufhalten, wo es genügend Lemminge gibt, sind Falkenraubmöwen brutplatztreu und kehren jedes Jahr – unabhängig vom Nahrungsangebot – an dieselben Brutplätze zurück. Ihr Bruterfolg hängt direkt vom Lemmingvorkommen ab. In schlechten Jahren werden nur wenige Eier so lange bebrütet, dass auch ein Jungvogel schlüpfen kann.

Der Bruterfolg der 15 Brutpaare im 1.500 Hektar großen Untersuchungsgebiet in Nordostgrönland lag in den letzten Jahren insgesamt bei unter zehn flügge gewordenen Jungvögeln, berichtet Lang. „Aufgrund des hohen Anteils an Nichtbrütern in der Population wird sich dieser Verlust an Nachwuchs erst in einigen Jahren bemerkbar machen“, befürchtet der Biologe.


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