Neue Fadenwurm-Art in Nordhessen entdeckt

Neues aus der Forschung

Meldung vom 11.03.2019

Pflanzenwissenschaftler der Universität Kassel haben auf einem Versuchsfeld der Universität in Neu-Eichenberg (Lkr. Werra-Meißner) eine neue Art von Nematoden (Fadenwürmern) gefunden. Hierbei handelt es sich um eine räuberische Art, die sich von kleinen Bodentieren ernährt. Räuberische Nematoden gelten als guter Anzeiger für ein ungestörtes Bodenökosystem.


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Prionchulus sturhani unter dem Mikroskop.
Tam T. T. Vu, Johannes Hallmann, Grażyna Winiszewska
Description of a New Predatory Soil Nematode Prionchulus sturhani sp. nov. (Nematoda: Mononchida)
Annales Zoologici, 68(3):403-408 (2018).
DOI: 10.3161/00034541ANZ2018.68.3.001


Nematoden sind zumeist kleine, farblose Würmchen; in 100 Milliliter fruchtbarem Boden können über 10.000 Individuen auftreten. Mehr als 20.000 Arten sind bekannt. Die meisten Arten ernähren sich von Bakterien und Pilzen, beeinflussen dadurch den Nährstoffkreislauf und sind ein bedeutender Bestandteil des Bodenökosystems. Andere parasitieren Insekten und werden in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Zahlreiche Nematoden saugen aber auch selbst als Schädlinge an den Wurzeln von Kulturpflanzen. Die jetzt entdeckte Art Prionchulus sturhani hat eine Körperlänge von weniger als 2 Millimetern und zeichnet sich durch einen runden Kopf und einen relativ kurzen Schwanz aus.

Agrarwissenschaftler des von Prof. Dr. Maria Finckh geleiteten Fachgebietes Ökologischer Pflanzenschutz untersuchen auf dem Versuchsfeld in Neu-Eichenberg den Einfluss nachhaltiger Anbausysteme auf die Boden- und Pflanzengesundheit. Während die Pflanzengesundheit anhand des Auftretens von Schaderregern gut erfasst werden kann, ist es aufwändig und schwierig, die Bodengesundheit zu erfassen. Ein Anzeiger für Bodengesundheit sind im Boden lebende Nematoden, insbesondere räuberische Arten. Räuberische Nematoden ernähren sich von anderen Nematoden und kleinen Bodentieren und sind somit ein wichtiger Bestandteil des Bodennahrungsnetzes. Sie stehen am Ende der Nahrungskette und reagieren empfindlich auf jegliche Bodenstörung. Das Auftreten räuberischer Arten ist somit ein verlässlicher Anzeiger auf ein ungestörtes und gesundes Bodenökosystem. Dies zeigte sich auch sehr eindrucksvoll in den Versuchen in Neu-Eichenberg. Während gepflügte Ackerflächen keinerlei räuberische Arten aufwiesen, wurden in nicht gepflügten Bereichen teils hohe Dichten an räuberischen Nematoden gefunden.

Einige der im Rahmen des Versuches gezogenen Bodenproben nahm apl. Prof. Dr. Johannes Hallmann für weitergehende Untersuchungen mit an das Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, nach Münster. Dort schaute sich die Gastwissenschaftlerin Dr. Tam Vu aus Vietnam, eine Expertin für räuberische Nematoden, die Tiere genauer an. Sie fand heraus, dass die dominant auftretende Art noch nicht beschrieben ist.

Dies holte sie gemeinsam mit ihrer polnischen Kollegin Grazyna Winiszewska nach und nannte die neue Art Prionchulus sturhani, nach dem kürzlich verstorbenen Nematologen und renommierten Taxonomen Dr. Dieter Sturhan. Die Originalarbeit erschien kürzlich in der Fachzeitschrift Annales Zoologici.

Der Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel hat seinen Sitz in Witzenhausen und unterhält landwirtschaftliche Versuchsflächen u.a. in Neu-Eichenberg.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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