Nahrung spielt wichtige Rolle für Influenza-A-Infektionen bei afrikanischen Säugetieren

Neues aus der Forschung

Meldung vom 06.03.2019

Obwohl Influenzaviren weit verbreitet sind, weiß man überraschend wenig über Infektionen bei wild lebenden Säugetieren. Eine neue Studie unter der Leitung von Alex D. Greenwood und Gábor Á. Czirják vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin brachte nun neue Erkenntnisse darüber, in welchen Kontexten Wildtiere Influenza-Viren ausgesetzt sind.


190306-1254_medium.jpg
 
Schakale beim Verzehr von Wasservögeln in Namibia
Soilemetzidou S, de Bruin E, Franz M, Aschenborn OHK, Rimmelzwaan GF, van Beek R, Koopmans M, Greenwood AD, Czirják GÁ
Diet may drive influenza A virus exposure in African mammals
J Infect Dis.
DOI: 10.1093/infdis/jiz032


Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Säugetiere besonders häufig mit diversen Influenza-A-Virustypen in Kontakt kommen, wenn Vögel einen Großteil ihrer Nahrung ausmachen. Verwandtschaften zwischen Arten oder das Sozialverhalten innerhalb einer Art spielten erstaunlich kleine Rollen, zeigen sie in der im „The Journal of Infectious Diseases” publizierten Studie.

Um die Auslöser und Ausbreitung von Influenza-A-Infektionen bei wilden Säugetieren besser zu verstehen, hat das Leibniz-IZW gemeinsam mit KollegInnen in Hannover, den Niederlanden und Namibia die neue Studie aufgesetzt. Die WissenschaftlerInnen untersuchten 111 Serumproben von unterschiedlichen Säugetierarten in Namibia und identifizierten die unterschiedlichen Stränge der Influenza-A-Viren, mit denen die Tiere in Kontakt gekommen waren. „Wir konnten sehr häufig viele verschiedene Virustypen nachweisen, wobei eine klare Tendenz zu erkennen war: Pflanzenfresser waren weitaus seltener und mit weniger verschiedenen Virusstämmen infiziert als Fleischfresser“, erklärt Gábor Á. Czirják, Wissenschaftler am Leibniz-IZW. Für die Tests nutzen sie einen Virenchip, den das Erasmus Medical Centre in Rotterdam, einer der Projektpartner, speziell für diesen Zweck entwickelt hatte.

Das Forscherteam hat drei Hypothesen getestet, wonach entweder Verwandtschaften zwischen Spezies, das Sozialverhalten der Tierarten oder die Zusammensetzung der Nahrung mit der Häufigkeit und Variabilität der Viren zusammenhängen. Es bestand Grund zur Annahme, dass eng verwandte Tierarten ähnliche Reaktionen auf den Kontakt mit den Viren zeigten, da Rezeptoren und die Physiologie der Tiere vergleichbar sind. Die Daten zeigten jedoch, dass dies statistisch keine signifikanten Auswirkungen auf das tatsächliche Vorkommen von Influenza-A-Viren hat. Ebenso erwarteten die Wissenschaftler, dass besonders soziale Tiere – die beispielsweise in größeren Herden oder Gruppen zusammenleben – häufiger infiziert seien, da sich die Viren leichter verbreiten können als bei einzelgängerischen Tieren. Viele soziale Pflanzenfresser zeigten jedoch kaum Infektionen, womit auch dieser Faktor ausgeschlossen werden konnte.

„Der gemeinsame Nenner für Häufigkeit und Diversität der Virentypen war eine vogelreiche Nahrung“, schließt Sanatana Soilemetzidou, Doktorandin und Erstautorin der Studie. „Insbesondere bei Tieren wie dem Schakal und dem Karakal, die sich hauptsächlich von Vögeln ernähren, konnten wir häufig viele verschiedene Influenza-A-Viren auffinden.“



Influenza-A-Viren gehören zu den wichtigsten und am besten erforschten Krankheitserregern bei Menschen und Haustieren. Die Viren treten typischerweise bei Wasservögeln auf und werden häufig von Vögeln auf Säugetiere und Menschen übertragen. Bei dieser Übertragung kommt es oft zu einer Veränderung des Virus, indem es sich auf den neuen Wirt anpasst. „Aus diesem Grund ist es erstaunlich, wie wenig bisher darüber bekannt war, welche Influenza-A-Stämme wilde Säugetierarten infizieren und warum“, sagt Alex Greenwood, Leiter der Leibniz-IZW-Abteilung Wildtierkrankheiten. „Wenn sich Virusstämme, die von Vögeln auf wilde Säugetiere übergehen, an diese neue Wirtsumgebung anpassen, könnte dieser Prozess ein Sprungbrett für die Infektion von Haus- und Nutztieren sowie des Menschen sein.“

Die Studie wurde in Namibia durchgeführt, einem Land mit hohem Artenreichtum im Bereich der Säugetiere und einer Wasservogelpopulation, in denen Influenzaviren regelmäßig nachgewiesen werden. Darüber hinaus treffen wilde und gehaltene Tiere auf den großen Farmen häufig aufeinander. Nicht zuletzt führen mehrere Vogelzugrouten durch das Land, weshalb die hier gewonnenen Erkenntnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit über das Land, möglicherweise auch über Afrika, hinaus übertragbar sind. Das Leibniz-IZW führt mehrere Langzeit-Forschungsprojekte in Namibia durch.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

13 Meldungen

Meldung vom 19.03.2019

Expertenservice zum Welttag des Wassers

Am 22. März 2019 ist Weltwassertag. Zu diesem Anlass nennen Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerö ...

Meldung vom 19.03.2019

Ausgeflattert: Zwei Drittel weniger Tagfalter

Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat in einem deutsch-polnischen Team die Auswirkungen verschiedener ...

Meldung vom 18.03.2019

Mikroben können auf Stickstoffmonoxid (NO) wachsen

Stickstoffmonoxid (NO) ist ein zentrales Molekül im Kreislauf des Elements Stickstoff auf der Erde. Eine Fors ...

Meldung vom 18.03.2019

Eine neue Schlangenart in Bayern - die Alpen-Barrenringelnatter

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) haben in der Alpenregion Bayerns eine bisher übe ...

Meldung vom 15.03.2019

Oszillation im Muskelgewebe

Wenn ein Muskel wächst oder eine Verletzung in ihm ausheilt, verwandelt sich ein Teil seiner Stammzellen in n ...

Meldung vom 14.03.2019

Lecker oder faulig- Ein abstoßender Geruch hemmt die Wahrnehmung eines angenehmen Duftes

In der Natur sind Essigfliegen unterschiedlichsten Duftgemischen ausgesetzt, die sowohl anziehende als auch ab ...

Meldung vom 14.03.2019

Menschenaffen reagieren auf Kamerafallen

Ein internationales Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat Vid ...

Meldung vom 14.03.2019

Artenvielfalt über- und unterirdisch nicht immer gleich - Daten zur Biodiversität ausgewertet

Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Leipzig und des Forschungszentrums iDiv hat in ...

Meldung vom 14.03.2019

Der innere Kampf der Nachtkerze - Chloroplasten veranstalten ein evolutionäres Wettrüsten

Bereits Gregor Mendel war klar, jeweils die Hälfte des Erbguts stammt von Mutter und Vater. Dies trifft aber ...

Meldung vom 14.03.2019

Wölfe führen, Hunde folgen – und beide kooperieren mit dem Menschen

Eine Aussage, die aufhorchen lässt, erfährt der Wolf doch in den letzten Jahren immer wieder Aufmerksamkeit, ...

Meldung vom 13.03.2019

Meta-Analyse der Ertragsstabilität: biologische und konventionelle Landwirtschaft im Vergleich

Für die Landwirtschaft zählt nicht nur die Höhe des Ertrages, auch die Stabilität der Erträge über mehre ...

Meldung vom 12.03.2019

Besser sehen oder riechen- Eine Kosten-Nutzen-Rechnung bei Essigfliegenarten

Ein Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie hat Augen und Antennen und die ...

Meldung vom 12.03.2019

Bayreuther Mikrobiologen entdecken Schlüsselprotein für die Zellteilung magnetischer Bakterien

Magnetotaktische Bakterien haben die faszinierende Fähigkeit, sich bei ihren Bewegungen am Erdmagnetfeld zu o ...


06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind

27.03.2018
Kenne Deinen Fisch!
13.12.2015
Leben ohne Altern
22.05.2014
Lebensraum Käse
22.05.2014
Domino im Urwald
13.03.2014
Trend-Hobby Imker
07.02.2013
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung