Krankheitswirt mit Schneckenhaus - Erstnachweis zweier invasiver Schnecken in Europa

Neues aus der Forschung

Krankheitswirt mit Schneckenhaus - Erstnachweis zweier invasiver Schnecken in Europa

Meldung vom 21.06.2018

Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team erstmalig die Schneckenarten Austropeplea viridis und Galba cubensis in Europa nachgewiesen. Die zur Familie der Schlamm- bzw. Lebergelschnecken gehörenden Arten sind Neozoen und gelten sowohl als Schädling für Reispflanzen, als auch als potentielle Zwischenwirte für die Krankheit Fasziolose. Die Studien erschienen kürzlich in den Fachjournalen „Journal of Conchology“ und „Folia Malacologica“.


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Schniebs, K., Glöer, P., Quiñonero-Salgado, S., Lopez-Soriano, J., & Hundsdoerfer, A. K.
The first record of Galba cubensis (L. Pfeiffer, 1839)(Mollusca: Gastropoda: Lymnaeidae) from open fields of Europe
Folia Malacologica, 26(1), 3-15
DOI: 10.12657/folmal.026.002

 
Neu in Europa: Die Schlammschnecke Austropeplea viridis

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind rund 2,5 Millionen Menschen weltweit von einer Fasziolose – der Infektion mit dem Großen Leberegel Fasciola hepatica – betroffen. Der Parasit, der zu den Saugwürmern gehört, siedelt normalerweise in den Gallengängen von Wiederkäuern wie Rindern, Ziegen und Schafen. In einigen Fällen kann er aber auch die menschliche Leber befallen. Zur Übertragung des Großen Leberegels kommt es durch den Verzehr roher Salate, Gemüse und wildwachsender Pflanzen, wie Brunnen- oder Wasserkresse.

„Als Vektoren der Krankheit fungieren Wasserschnecken, die Larven der Leberegel aufnehmen und diese dann in einem späteren Entwicklungsstadium wieder ausscheiden. Wir haben nun erstmalig zwei dieser Fasziolose-Zwischenwirte – die Schneckenarten Galba cubensis und Austropeplea virdis – in Europa nachgewiesen“, erklärt Dr. Katrin Schniebs von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden.


 
Die Leberegelschnecke Galba cubensis ist ein Zwischenwirt für den Großen Leberegel.

Die Schnecken wurden in hoher Anzahl von Schniebs’ spanischen Kollegen und Koautoren der Studie Dr. Joaquin Lopez-Soriano und Dr. Sergio Quinonero-Salgado auf Reisfeldern im katalonischen Ebro-Delta gesammelt und nun bei Senckenberg Dresden molekulargenetisch untersucht. „Da diese Schneckenarten morphologisch kaum von anderen Arten zu unterscheiden sind, bietet nur die Genetik eine zuverlässige Bestimmung“, ergänzt Schniebs.

Sowohl die ursprünglich aus China, der Mongolei und Südostasien stammende Art Austropeplea viridis, als auch die im Karibischen Raum und Südamerika vorkommende Schnecke Galba cubensis wurden erstmalig in Europa nachgewiesen. „Für Galba cubensis ist es zugleich der erste molekulargenetisch nachgewiesene Freilandbeleg. Bisher gab es nur einige wenige Funde in Gewächshäusern, wobei es fraglich ist, ob es sich wirklich um diese Art gehandelt hat“, fügt die Dresdner Malakologin hinzu.

Die Leberegelschnecke Galba cubensis ist in der Karibik und in den südlichen Vereinigten Staaten der wichtigste Zwischenwirt für die Leberegelart Fasciola hepatica und potentieller Zwischenwirt für den deutlich größeren Leberegel Fasciloides magna. Außerdem gilt die Schneckenart in den südöstlichen USA als Zwischenwirt für die parasitär in Säugetieren lebenden Saugwürmer Heterobilharzia americana, durch die in der Viehzucht große Schäden entstehen.



Auch die in Europa neu entdeckte Schlammschneckenart Austropeplea viridis ist ein potentieller Zwischenwirt des Leberegels.

„Wir gehen davon aus, dass die in den spanischen Reisfeldern gesammelten Schnecken aus den nahegelegenen Aquakulturen stammen und sich dort ausgebreitet haben. Neben diesen Arten wurden auch weitere invasive Schnecken in einer hohen Individuendichte gefunden – das spanische Ebro-Delta kann daher als eine Art ‚Hotspot für Weichtier-Invasionen’ gelten“, erläutert Schniebs.

Das Wissenschaftlerteam geht davon aus, dass sich die potentiellen Krankheitserreger weiter in Europa ausbreiten werden – die spanischen Gesundheitsbehörden wurden bereits über den Risikofaktor informiert.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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