Kleiner Elefant hörte tiefe Töne



Bio-News vom 18.06.2021

Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten. Er hörte wie diese in niedrigen Frequenzbereichen. Zoologen konnten mittels mikro-computertomographischen Analysen die Strukturen im Innenohr des Zwergelefanten abbilden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscherinnen und Forscher nun in der Fachzeitschrift Palaeontologia Electronica.

Heutige Elefanten kommunizieren in einem sehr niedrigen Frequenzbereich. Das heißt, sie erzeugen und hören so tiefe Töne, dass wir Menschen sie mit unseren Ohren nicht wahrnehmen können. Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und Griechenland haben nun gezeigt, dass der vor rund 3.500 Jahren ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos offenbar über ein sehr ähnliches Hörspektrum verfügte, wie seine heute lebenden Verwandten. Auch der kleine Tilos-Elefant nahm wohl sehr tiefe Töne wahr. Dies konnten Forscherinnen und Forscher an der Form und Größe des sogenannten knöchernen Labyrinths ablesen, einem komplizierten Kanalsystem im Innenohr.


Schädelfund des ausgestorbenen Zwergelefanten Palaeoloxodon tiliensis auf der griechischen Insel Tilos.

Publikation:


Liakopoulou, Dionysia E., Theodorou, George E., and van Heteren, Anneke H.
The inner morphology of the petrosal bone of the endemic elephant of Tilos Island, Greece
Palaeontologia Electronica, 24(2):a24

DOI: 10.26879/1034



Das Innenohr eines Säugetiers beherbergt seinen Hör- und Gleichgewichtssinn und liegt gut geschützt eingebettet im sogenannten Felsenbein – dem härtesten Knochen eines Säugetierskeletts. Die Strukturen – das knöcherne Labyrinth – sind von außen nicht sichtbar und daher nur schwer zu untersuchen. Forscherinnen und Forscher von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen nutzten ein hochauflösendes Mikro-Computertomographie-Gerät, um diese verborgenen Strukturen sichtbar zu machen.

Anneke van Heteren, Kuratorin für Säugtiere an der ZSM, und ihren griechischen Kolleginnen und Kollegen gelang durch Mikro-CT-Scans die dreidimensionale Darstellung des knöchernen Labyrinths ohne den Felsenbeinknochen zu beschädigen. Die Analyse dieser Strukturen ermöglichte den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht nur das Hörvermögen des Tiers zu beurteilen, sondern auch sein Bewegungsvermögen, seine Fähigkeit den Kopf zu drehen sowie sein Gleichgewicht zu halten. Offensichtlich war auch die Ausprägung dieser Bewegungseigenschaften von Palaeoloxodon tiliensis vergleichbar mit der von heutigen Elefanten. Er bewegte sich eher schwerfällig und wenig agil.


Mikro-CT-Scans des knöchernen Labyrinths von Palaeoloxodon tiliensis.

Grundsätzlich ist die Form des knöchernen Labyrinths bei Säugetieren artspezifisch, das bedeutet, sie variiert von Art zu Art. Dies zeigte sich den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch beim Vergleich der Innenohr-Strukturen von Palaeoloxodon tiliensis mit denen anderer Elefantenarten. „Da das knöcherne Labyrinth nur sehr schwer zugänglich ist, gibt es bisher nur wenige Daten der Innenohrstrukturen von Elefanten. Weitere Mikro-CT-Analysen könnten uns neue Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte und Verwandtschaftsbeziehungen dieser Tiere liefern“, sagt Anneke van Heteren von der ZSM.

Der hier untersuchte Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis gehört zur letzten europäischen Elefantenart und lebte vor 45.000 bis 3.500 Jahren vor Christus auf der griechischen Mittelmeerinsel Tilos. Sie ist eine von mehreren Zwergelefantenarten der Gattung Palaeoloxodon, die unterschiedliche Inseln im Mittelmeer besiedelten.


Diese Newsmeldung wurde mit Material Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns via Informationsdienst Wissenschaft erstellt

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