Europas Agrarlandschaften gehen die insektenfressenden Vögel aus

Neues aus der Forschung

Meldung vom 27.03.2019

Die Anzahl an Vögeln, die hauptsächlich Insekten fressen, ist in der Europäischen Union während der letzten 25 Jahre signifikant gesunken. Hauptgrund ist das Verschwinden dieser Insektenfresser aus der Agrarlandschaft, berichten Forschende des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung aktuell im Fachjournal „Conservation Biology“. Sie hatten als Erste europaweit untersucht, wie die Ernährung und Bestandsentwicklung von Vögeln zusammenhängen. Insektenfresser machen rund die Hälfte aller europäischen Vogelarten aus.


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Die Anzahl insektenfressender Vögel ist seit 1990 europaweit um 13 Prozent gesunken. Darunter sind auch der Wiesenpieper...
Bowler, D. et al.
Long-term declines of European insectivorous bird populations and potential causes
Conservation Biology
DOI: 10.1111/cobi.13307


Rund die Hälfte aller in Europa vorkommenden Vogelarten ernährt sich hauptsächlich von Insekten und die haben es zurzeit schwer. „Die Bestände von Vögeln, die hauptsächlich Insekten fressen, sind von 1990 bis 2015 in der Europäischen Union durchschnittlich um 13 Prozent gesunken“, so Dr. Diana Bowler, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und Friedrich Schiller Universität Jena (FSU).

Wie Bowler in Zusammenarbeit mit ihren Kolleg*innen des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums herausgefunden hat, sind damit die Bestände von Vögeln wie Bachstelzen, Steinschmätzern und Wiesenpiepern seit 1990 geschrumpft. Diese Arten picken Insekten vorwiegend am Boden auf. Zudem ist auch die Anzahl an Vögeln, die sich größtenteils von Fluginsekten ernähren, wie beispielsweise Rauch- und Mehlschwalben, gesunken.


 
… und die Bachstelze (Moticalla alba)

Doch den Insektenfressern geht es nicht überall gleich schlecht: In den meisten Lebensräumen gehen nur vereinzelte Arten zurück. Sorgen bereitet den Wissenschaftler*innen eher, was sich auf den Äckern, Wiesen und Weiden abgespielt. Hier leben die insektenfressenden Vogelarten, deren Bestände am meisten eingebrochen sind.

Ihr Schicksal teilen die Insektenfresser mit einigen Körnerfressern, wie beispielsweise der Feldlerche, auf deren Speiseplan Insekten nicht die Haupt- aber doch eine entscheidende Rolle spielen. „Das legt die Vermutung nahe, dass Insekten- und Körnerfresser auf in den Agrarlandschaften nicht mehr genug Futter finden. Der bislang lediglich lokal nachgewiesene dramatische Schwund der Insekten zeigt demnach europaweite Effekte“, so Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt.



Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sehen in der modernen Landwirtschaft die Hauptursache für den europaweiten Rückgang der Insektenfresser. Neben dem starken Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gingen mit dem Trend zu großflächigen Monokulturen immer mehr Hecken, Ackerränder und Brachen verloren und viele Wiesen und Weiden würden in Ackerland umgewandelt. Dadurch werde es für die Insektenfresser nicht nur schwerer Nahrung, sondern auch Brutplätze zu finden. Kälte-liebende Arten geräten zusätzlich durch den Klimawandel unter Druck.

Während die Insektenfresser auf dem absteigenden Ast sind, haben Vögel, die bei der Nahrungsaufnahme weniger spezialisiert sind, mehr Glück gehabt. „Mit Ausnahme einzelner Arten sind die Bestände solcher Allesfresser europaweit seit 1990 in etwa gleich geblieben. Sie machen damit innerhalb der Vogelgemeinschaft einen größeren Anteil als früher aus“, erklärt Bowler.

Für Böhning-Gaese ergeben sich aus der Studie klare Handlungsempfehlungen: „Nicht alle insektenfressenden Vögel, sondern hauptsächlich die Insektenfresser auf Äckern, Wiesen und Weiden werden immer weniger. Problematisch ist das unter anderem, weil sie auch die natürlichen Feinde der Insekten sind, die auf dem Acker Schaden anrichten können. Wenn wir den Schwund der Insektenfresser stoppen wollen, müssen wir deshalb unsere Art Landwirtschaft zu betreiben, entscheidend ändern.“


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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