Demographie beeinflusst Brutfürsorge bei Regenpfeifern

Neues aus der Forschung

Meldung vom 25.04.2018

Das Verhältnis von Männchen zu Weibchen ist ein wichtiges demographisches Merkmal in natürlichen Populationen, ungleiche Geschlechterverhältnisse treten dabei recht häufig auf. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie Seewiesen und Kollegen haben herausgefunden, dass sich diese Ungleichheit bei Regenpfeifern im Jugendalter herausbildet und auf die Zusammenarbeit der Eltern bei der Brutfürsorge auswirkt. Bei einem ungleichen Verhältnis in der Population ist es wahrscheinlicher, dass ein Elternteil (meist das Männchen) den Nachwuchs großzieht. In ausgeglichenen Populationen dagegen kümmern sich eher beide Eltern um die Jungenaufzucht.


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Hirtenregenpfeifer (Charadrius pecuarius) aus Madagaskar
Luke J. Eberhart-Phillips, Clemens Küpper, María Cristina Carmona-Isunza, Orsolya Vincze, Sama Zefania, Medardo Cruz-López, András Kosztolányi, Tom E.X. Miller, Zoltán Barta, Innes C. Cuthill, Terry Burke, Tamás Székely, Joseph I. Hoffman & Oliver Krüger
Demographic causes of adult sex ratio variation and their consequences for parental cooperation
Nature Communications: 25 April, 2018
DOI: 10.1038/s41467-018-03833-5


Das Geschlechterverhältnis in einer Population wirkt sich auf die Verfügbarkeit von Paarungspartnern aus, mit Konsequenzen für das Sozialverhalten: Ist ein Geschlecht in der Überzahl, gibt es häufiger Scheidungen, Untreue oder elterlichen Antagonismus. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, zusammen mit Kollegen unter anderem der Universität Bath und Bielefeldt wollten nun wissen, in welcher Lebensphase und unter welchen Bedingungen es zu solchen Verschiebungen im Geschlechterverhältnis kommt. Dazu untersuchten sie fünf Arten von Regenpfeifern in sechs Populationen weltweit. Anhand einer einmaligen, individuellen Markierung der Tiere durch Farbringe und einer kleinen Blutprobe der Küken zur Bestimmung des Geschlechts analysierten sie die Überlebensrate, Fruchtbarkeit und das Brutverhalten von über 6.000 Individuen.

Entstehung des ungleichen Geschlechterverhältnisses

In allen sechs Populationen hinweg war das Geschlechterverhältnis der Küken beim Schlüpfen zunächst etwa gleich verteilt. Die Überlebenswahrscheinlichkeit des männlichen und weiblichen Nachwuchses variierte jedoch stark sowohl zwischen, als auch innerhalb der Arten: „Zu Verschiebungen im Geschlechterverhältnis hin zu mehr Weibchen oder Männchen in der Population trugen jugendliche Tiere acht Mal häufiger bei als Erwachsene, und sogar 327 Mal häufiger als gerade geschlüpfte Küken“, sagt Luke Eberhard-Phillips, Erstautor der Studie. „Wir wissen nicht genau, warum ein Geschlecht das Jugendstadium besser überlebt als das andere. Dies zu untersuchen, wird der nächste Schritt unserer Forschung sein“.

Auswirkungen auf das Verhalten der Eltern

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Geschlechterverhältnis der adulten Population unmittelbare Auswirkungen auf die Brutfürsorge der Eltern: In ausgeglichenen Populationen ist es wahrscheinlicher, dass sich beide Elternteile um den Nachwuchs kümmern. Ist das Geschlechterverhältnis jedoch ungleich, kümmert sich eher nur ein Elternteil. Die Wissenschaftler erwarteten, dass in diesem Falle eher das häufigere Geschlecht bei den Jungen bleibt, da die Aussichten geringer sind, einen neuen Partner für die Fortpflanzung zu finden. Tatsächlich fanden sie, dass sich eher Männchen kümmern, wenn das Geschlechterverhältnis zu ihren Gunsten verschoben ist, und dann auch mehr Männchen überleben. Sind es mehr Weibchen, kümmern sich erstaunlicherweise jedoch auch eher die Männchen um den Nachwuchs – dann überleben aber eher die weiblichen Küken. „Eine Möglichkeit ist, dass sich in der Stammesgeschichte der Regenpfeifer schon immer eher die Väter um die Jungen gekümmert haben“, sagt Clemens Küpper, Coautor der Studie. Strategien zur Jungenaufzucht sind vermutlich angepasst an örtliche Paarungsgelegenheiten, bedingt durch das Geschlechterverhältnis in der Population. Dieses übt so unter Umständen großen Einfluss auf die Populationsdynamik und das Sozialverhalten aus.


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