Bernsteinfossilien: Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen

Neues aus der Forschung

Meldung vom 08.05.2018

Frankfurt, 08.05.2018. Senckenberg-Wissenschaftlerin Mónica Solórzano Kraemer hat gemeinsam mit einem internationalen Team die Aussagekraft von Bernsteinfossilien für die Rekonstruktion vergangener Ökosysteme überprüft. Das Forscherteam verglich über 20.000 Insekten, die sowohl in Insektenfallen, als auch in Baumharz gefangen wurden. Anhand der Daten kommen sie zu dem Schluss, dass in Bernstein nur ein Teil der Insekten-Gemeinschaft eines Waldes repräsentiert wird. Die Daten helfen zukünftig bei der genaueren Rekonstruktion von Ökosystemen in der Erdgeschichte Die Studie erscheint heute im Fachjournal „PNAS“ der National Academy of Sciences.


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Die neue Studie zeigt: In Bernstein gefangene Insekten spiegeln die Insektenwelt der Vergangenheit nicht vollständig wider.
Mónica M. Solórzano Kraemer, Xavier Delclòs, Matthew E. Clapham, Antonio Arillo, David Peris, Peter Jäger, Frauke Stebner, Enrique Peñalver
Arthropods in modern resins reveal if amber accurately recorded forest arthropod communities
Proceedings of the National Academy of Sciences May 2018, 201802138
DOI: 10.1073/pnas.1802138115


Um ein Ökosystem in der Vergangenheit zu rekonstruieren bedarf es viele verschiedene Puzzleteile – eines dieser Puzzlestücke können in Bernstein gefangene Insekten sein.

„Wir haben uns aber schon länger gefragt in wie weit diese Insekten tatsächlich die vergangene Lebenswelt widerspiegeln“, erläutert Dr. Wissenschaftlerin Mónica Solórzano Kraemer vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt.

Um diese Frage zu beantworten fuhr die Frankfurter Bernsteinforscherin gemeinsam mit einem Wissenschaftlerteam aus Spanien, den USA und Deutschland nach Madagaskar. „Wir wollten vor Ort sehen, wie und welche Insekten in Baumharz gefangen werden, um besser verstehen zu können, wie die gleichen Prozesse in der Erdgeschichte abliefen. Es war sozusagen eine ‚Reise in die Vergangenheit’“, ergänzt Solórzano Kraemer.

Für ihre Studie untersuchte das Forscherteam über 20.000 Insekten, die sowohl im natürlichen Baumharz der harzproduzierenden Animebäume (Hymenaea verrucosa), als auch an selbst aufgestellten Klebe- und Malaise-Fallen gefangen wurden.

Die Auswertung zeigte: Die in Harz gefangenen Insekten spiegeln ein nahezu vollständiges Bild der Lebensgemeinschaft von Insekten am Baum – vom Boden bis zur Baumkrone – wider.

„Die Insekten, die aber nicht unmittelbar am Baum leben, werden nicht im Harz beziehungsweise –übertragen auf die Vergangenheit – nicht im Bernstein überliefert. Allein aus Bernstein-Einschlüssen lässt sich daher kein vollständiges Bild der Insektenwelt rekonstruieren“, erläutert Solórzano Kraemer.

Entmutigend findet die Bernsteinforscherin dieses Ergebnis aber nicht: „Unsere Erkenntnisse helfen uns künftige Ökosystemrekonstruktionen zu verbessern – neben der Auswertung von Bernsteinen müssen wir beispielsweise Pollen oder Klimadaten berücksichtigen, um den Wald der Vergangenheit besser zu verstehen.“

Die Studie wurde vom spanischen Ministerio de Economía, Industria y Competitividad, National Geographic und der VolkswagenStiftung finanziert.


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