Ameisen: Auf Umwegen schneller ans Ziel

Neues aus der Forschung

Meldung vom 15.05.2018

Ameisen nehmen nicht immer den kürzesten Weg, wenn sie es eilig haben. Ihr Navigationssystem bringt sie bisweilen schneller ans Ziel, indem es sie Umwege laufen lässt.


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Matabele-Ameisen tragen eine erbeutete Termite zurück ins Nest.
Erik T. Frank, Philipp O. Hönle, K. Eduard Linsenmair
Time optimized path-choice in the termite hunting ant Megaponera analis
Journal of Experimental Biology 2018, 10 May
DOI: 10.1242/jeb.174854


Die afrikanischen Matabele-Ameisen (Megaponera analis) haben Termiten als Leibspeise. Um ihre Vorratskammern zu füllen, gehen sie zwei bis vier Mal am Tag auf Raubzüge: 200 bis 600 Tiere ziehen in Kolonnen los, überfallen Termiten an ihren Futterstellen und schleppen sie zurück ins Nest, wo sie ihre Opfer am Ende fressen.

Bevor die Ameisen einen Raubzug starten, schicken sie Späher los. Die suchen nach Termitenfutterstellen, laufen dann zurück zum Nest und mobilisieren ihre Kameradinnen. Auf dem Rückweg zum Nest legen die Späher eine bemerkenswerte Routenplanung an den Tag: Sie wählen nicht den kürzesten, sondern den schnellsten Weg.

Schnelleres Laufen in offenem Gelände

Verläuft der direkte Rückweg zum Nest zum Beispiel durch ein Areal, das dicht mit Gräsern bewachsen ist, bevorzugen die Späher Umwege über offenes Gelände. Dort können sie doppelt so schnell laufen – und das lohnt sich: Obwohl sie nicht den kürzesten Weg nehmen, sind sie deutlich schneller. Ihre Laufzeit zurück zum Nest verringert sich im Schnitt um 35 Prozent.

Das haben Erik T. Frank, Philipp Hönle und Karl Eduard Linsenmair vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) herausgefunden. Die Ergebnisse der Biologen sind im Journal of Experimental Biology veröffentlicht.



Einzelne Ameisen treffen Entscheidungen

„Von anderen Ameisenarten ist bekannt, dass sie mit Hilfe verschiedener Orientierungsmechanismen den kürzesten Weg von einer Futterstelle zurück zum Nest finden können“, sagt Erik Frank. Offenbar verfügen die Matabele-Ameisen über noch komplexere Navigationsfähigkeiten, die es nun weiter zu erforschen gilt.

Was die Würzburger Biologen außerdem erstaunt hat: Bei den Matabele-Ameisen wird die Entscheidung über den einzuschlagenden Weg nicht im Kollektiv, sondern von einzelnen Tieren getroffen. „Damit haben wir den ersten Nachweis einer Zeit-optimierten Wegintegration durch einzelne Individuen im Ameisenreich erbracht“, sagt Frank, der inzwischen als Postdoc an der Universität Lausanne forscht.


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