Zottiger Klappertopf

Zottiger Klappertopf
Zottiger Klappertopf (links) und Kleiner Klappertopf (rechts)

Zottiger Klappertopf (links) und Kleiner Klappertopf (rechts)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)
Gattung: Klappertöpfe (Rhinanthus)
Art: Zottiger Klappertopf
Wissenschaftlicher Name
Rhinanthus alectorolophus
(Scop.) Pollich

Der Zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae) gehört.

Beschreibung

Wie alle Vertreter der Gattung Rhinanthus ist auch der Zottige Klappertopf ein einjähriger Halbparasit. Im Gegensatz zu Vollparasiten ist er zu einer eingeschränkten Photosynthese in der Lage und bezieht ergänzend Wasser und Nährstoffe aus den Wurzeln verschiedener Süßgräser und krautiger Pflanzen.

Der zottige Klappertopf erreicht Wuchshöhen von 10 bis 80 Zentimetern. Seine Hauptwurzel ist dünn und locker verzweigt. Die aufrechten Stängel wachsen je nach Blütezeit einfach oder verzweigt. Im Frühsommer blühende Rassen besitzen oft unverzweigte Stängel, während für Herbstrassen eine starke Verzweigung des Stängels typisch ist. Botanisch bezeichnet man dies Phänomen als Saisondimorphismus.[1] Die Stängel sind im oberen Bereich dicht abstehend behaart, aber nicht schwarz gestrichelt. Die gegenständig angeordneten Laubblätter entwickeln eine eilanzettliche bis eiförmige Blattform, der Blattrand ist flach scharf gesägt.

In einer endständigen Traube entwickeln sich zwischen Mai und September die zygomorphen Blüten der Pflanze. Sie bilden sich über dreieckigen, gleichmäßig gezähnten und zottig behaarten Tragblättern. Die gelbe Blüte wird von einem etwa 1 Zentimeter langen, gelblichweißen Kelch eingeleitet. Die Außenseiten des Kelchs sind dicht zottig behaart. Auffällig sind die vier großen Kelchzipfel, die den Kelch etwa in der Mitte der Blütenkrone abschließen. Die zitronengelbe Krone wird bis zu 2 Zentimeter lang. Sie bildet eine helmförmig gebogene Oberlippe und eine dreizipfelige Unterlippe aus. Die Oberlippe besitzt charakteristische Saftmale, zwei kleine violette Zähnchen, die den langrüsseligen Bestäubern den Weg zum Nektar am Blütengrund weisen. Oberlippe und Unterlippe liegen sehr eng aneinander an und gehen in die etwa 10 mm lange, schwach gekrümmte Kronröhre über. Am Grund der Kronröhre befindet sich der ovale, oberständige Fruchtknoten. Dieser ist in zwei Fächer unterteilt. Dank ihres langen Griffels übergipfelt die Narbe die Kronröhre. Die vier Staubblätter mit nicht bespitzten Staubbeuteln sitzen der Kronröhre an. Sie sind von außen nicht sichtbar sondern verbergen sich unterhalb der Oberlippe im Inneren des Schlunds. Da Ober- und Unterlippe so eng aneinanderliegen, bleibt der Schlundeingang geschlossen. Nur langrüsselige Insekten, wie Hummeln, Bienen oder Falter können über den Blüteneingang den süßen Nektar erreichen und die Bestäubung durchführen. Kurzrüsselige Bienen und Hummeln treten bisweilen als Nektarräuber in Erscheinung. Sie beißen sich von außen über Kelch und Kronröhre zur Nektarquelle durch. Eine Bestäubung findet hier nicht statt. Ob neben der Insektenbestäubung auch Selbstbestäubung zum Fruchtansatz führt, ist in der Diskussion.[2]

Es werden wenigsamige Kapselfrüchte gebildet. Die Samen sind breit geflügelt. Die Ausbreitung der Samen kann über Stoßausbreitung, Windausbreitung und den Menschen, zum Beispiel durch Ackerbau, erfolgen.

Verbreitung und Standorte

Mit Zottigem Klappertopf bestandene Wiese in der Schwäbischen Alb

Der Zottige Klappertopf ist fast in ganz Europa verbreitet. Er hat eine submeridional-montane bis subtemperate Verbreitung im ozeanisch geprägten Eurasien.[3] Er ist verbreitet, fehlt jedoch im Norden Deutschlands. Die Grenze verläuft ungefähr auf der Linie südliche Niederlande − Düsseldorf − Göttingen − Leipzig – Görlitz.

Er wächst in Tal- und Gebirgs-Wiesen, auf Magerrasen, in Getreidefeldern und mäßig frischen Fettwiesen. Er bevorzugt frische, nährstoffreiche und eher kalkhaltige Böden. Er kommt von der submontanen bis zur montanen Höhenstufe vor, kann aber auch höher, bis in Höhenlagen von 2300 m steigen.

Weder in der Schweiz[4] noch in Österreich[5] ist die Art als Ganzes gefährdet.

Systematik

In der Art werden mehrere Unterarten unterschieden:

  • Gewöhnlicher Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus L. subsp. alectorolophus), weit verbreitet.[5][6]
  • Südalpen-Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus subsp. freynii), in Kärnten, Salzburg, Südtirol[5]
  • Gähnender Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus subsp. facchinii): in Südtirol, taxonomischer Wert zweifelhaft.[5]
  • Rhinanthus alectorolophus subsp. aschersonianus (M.Schulze) Hartl[6]
  • Rhinanthus alectorolophus subsp. buccalis (Wallr.) Schinz & Thell.[6]
  • Rhinanthus alectorolophus subsp. ellipticus (Hausskn.) O.Schwarz[6]

Quellen

Literatur

  •  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  •  Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte und Co. Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna-Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-90-6.
  • Gerhard Stinglwagner, Ilse Haseder, Reinhold Erlbeck: Das Kosmos Wald-und Forstlexikon. 3. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10375-7.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 6. völlig neu bearb. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 403.
  •  Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. 20., neu bearb. u. erweit. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, S. 705.

Einzelnachweise

  1.  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 6. völlig neu bearb. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 403.
  2.  Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. 20., neu bearb. u. erweit. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, S. 705.
  3.  Werner Rothmaler (Begr.), Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen. 13. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1983, ISBN 3-06-012539-2.
  4. Zentrale Datenbank der Schweizer Flora
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verb. u. erw. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Zottiger Klappertopf. In: FloraWeb.de.

Weblinks

 Commons: Zottiger Klappertopf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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