Teichwirtschaft

Fischzucht nahe Šentrupert in Slowenien
Abstreifen eines Rogners
Aufzuchtbecken für Fischeier

Als Teichwirtschaft bezeichnet man die Fischzucht von Binnenfischen mit herkömmlichen Methoden. Hierzu verwendet man hauptsächlich künstlich angelegte Teiche, die planvoll bewirtschaftet werden. Damit ist die Teichwirtschaft ein Teil der Landwirtschaft, insbesondere der Tierzucht. Ferner ist sie als der "klassische" Zweig der Aquakultur zu sehen.

Grundformen

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Grundformen der Teichwirtschaft:

  • Die Karpfenteichwirtschaft (KTW) wird in großflächigen Karpfenteichen mit stehendem Wasser ausgeübt. Hier werden aus mineralischen Düngesubstanzen über die Nahrungskette eines Ökosystems am Ende Fische produziert, die nach einem bestimmten System abgefischt werden. Die hier produzierten Fischarten sind neben dem Karpfen die Schleien, Zander und Hecht. Aus landwirtschaftlicher Sicht entspricht die Karpfenteichwirtschaft einer Weidewirtschaft, gelegentlich mit Zufütterung.
  • In der Forellenteichwirtschaft (FTW) werden meist langgezogene Teiche oder auch betonierte Kanäle mit kühlem, sauerstoffreichem Frischwasser durchströmt. Die Fische werden mit künstlichem Futter ernährt. Das Wasser sorgt für die Abfuhr der Exkremente. Gehalten werden so Fischarten aus Fließgewässern, also Regenbogenforellen, Bachforellen, Saibling, seltener Äsche und Huchen. Aus landwirtschaftlicher Sicht entspricht die Forellenteichwirtschaft einer dichten Stallhaltung mit reiner Fütterung.

Die Teichwirtschaft bedient sich für einzelne Zwecke auch anderer Methoden als der reinen Teichhaltung. Die Erbrütung und Brutaufzucht erfolgt in der Regel in Kunststoffbecken in Bruthäusern, deren Wasserversorgung meist durch Brunnen- oder Quellwasser erfolgt. Manche Betriebe sind auf die Erzeugung von Jungfischen spezialisiert und halten sie bis zum Verkauf an Aufzuchtbetriebe in Rundbecken.

Teichwirtschaft aus ökologischer Sicht

Die beiden Formen der Teichwirtschaft unterscheiden sich grundsätzlich durch die Verwendung von "Naturnahrung" bei der KTW und künstlichem Pelletfutter in der FTW. Damit nehmen sie unterschiedliche Plätze im Produktionsgefüge der Biosphäre ein.

Karpfenteichwirtschaft

Die Karpfenteichwirtschaft nutzt mit ihrer Naturnahrung die Primärproduktion am Standort. Die im Teich durch pflanzliche Organismen (Algen und Makrophyten) erzeugte Biomasse wird unmittelbar über die Nahrungskette des Teich-Ökosystems bis zu den Endgliedern der Produktion, den Fischen, weitergegeben. Auf dem Weg dorthin sind Zooplankton sowie Würmer und Schnecken im Benthos beteiligt. Bei der Produktion von Hecht und Zander dienen ferner die Karpfen und andere Kleinfische (z.B. Rotaugen und Moderlieschen) als weitere Zwischenglieder. Die Basis des Teichökosystems bilden die mineralischen Nährstoffe wie Wasser und Kohlenstoffdioxid für die primäre Photosynthese, Stickstoffverbindungen wie Ammonium und Nitrat, Phosphat und als Schwefelquelle Sulfat für den weiteren Aufbau der Biomasse. Diese Nährstoffe nehmen auch an den Stoffkreisläufen des Ökosystems teil und werden z.T. im Schlamm abgelagert und in späteren Produktionsperioden wieder in Umlauf gebracht und genutzt.

In der Regel stehen die Nährstoffe bereits durch das zulaufende Wasser zur Verfügung, werden aber auch zur Intensivierung der Produktion in Form von Mineraldünger oder organischem Dung (Schafmist, Kuhdung, Grasschnitt) zugesetzt. Zwar führt die Düngung eines Gewässers zu dessen Eutrophierung. Diese ist in Karpfenteichen jedoch erwünscht. Ihre in Seen negativen Folgen sind durch die Bauform als Flachgewässer von ca. 1-2 m Tiefe weitgehend ausgeschaltet.

Neben der Düngung wird in der klassischen KTW im Herbst mit Getreide oder Soja zugefüttert, um die Fische für die Überwinterung zu konditionieren.

Forellenteichwirtschaft

Die Forellenteichwirtschaft nutzt das Wasser ausschließlich als Transportmedium von Sauerstoff in den Teich und zur Entsorgung der Exkremente und Exkrete der Fische (Kohlenstoffdioxid und Ammonium). Die Nahrung der Fische besteht heute fast ausschließlich aus industriell hergestelltem Pelletfutter mit einer vom Hersteller garantierten prozentuellen Zusammensetzung aus Protein, Fett, Kohlenhydrate und Rohfaser sowie eingestellten Gehalten an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen.

Bedeutsam aus ökologischer Sicht ist die Herkunft des Grundstoffes dieser Pellets. Sie bestehen zum größten Teil aus Fischmehl und Fischöl. Diese werden gewonnen aus Meeresfischen, die nicht direkt für den menschlichen Verzehr vermarktet werden. So wird vor Dänemark der Bodenfisch Sandaal (nicht mit dem Aal verwandt) mit Bodenschleppnetzen massenhaft eingesammelt und in Fabriken zu Mehl und Öl verarbeitet, die dann als Rohstoff an die eigentlichen Futtermittelhersteller geliefert werden.

Damit ist die Forellenteichwirtschaft nicht eigentlich eine Produktion von Binnenfischen, sondern eine Form der "Veredelung" von mariner Biomasse. Dabei liegt der Verwertungsgrad ähnlich wie bei dieser Stufe der Nahrungspyramiden immer in der Größenordnung von 1:10 (Faustregel). Zwar setzt die Futtermittelindustrie einiges daran, die Futterquotienten (Futteraufwand geteilt durch Zuwachs) zu verbessern, kann dabei aber bestimmte natürliche Grenzen nicht unterschreiten. Man darf sich nicht täuschen lassen durch den offiziellen Futterquotienten von ca. 1, d.h. für 1 Kilogramm Zuwachs der Forellen werden ca. 1 kg Trockenfutter benötigt. Das Trockenfutter selbst ist aber von 80 % – 90 % Wasseranteil der Seefische befreit, sodass am Ende die 1:10-Regel doch annähernd erfüllt ist.

Somit steht die ökologische Bewertung der Forellenteichwirtschaft in Zusammenhang mit der Überfischung der Meere und der Zerstörung von Lebensgemeinschaften am Meeresboden.

Derzeit laufen durchaus Erfolg versprechende Untersuchungen, den Proteinanteil im Forellenfutter aus pflanzlichen Quellen zu rekrutieren. Als pflanzliche Proteinquellen kommen in Frage: Maiskleber, Sojaprodukte, Luzernegrünmehl, getrocknete Bierhefe, Leinsamenmehl und Weizenkeime. Es wird versucht, die Aminosäurefrequenzen des Fischmehls durch geeignete Mischung nachzubilden. Zugleich wird mit dem Kohlenhydrate- und Fettanteil experimentiert. Vom Zuwachs der Fische her scheint eine pflanzliche Substitution des Fischmehls möglich. Ungeklärt ist bisher die erzielbare Fleischqualität der Forellen.

Siehe auch

Literatur

  • Lehrbuch der Teichwirtschaft, W. Schäperclaus/M. v. Lukowicz, Parey-Verlag, 4. Aufl. 1998
  • Grundriß der Teichwirtschaft, W. Schäperclaus, Parey-Verlag, 1949
  • Zucht und Produktion von Süsswasserfischen, M. Bohl/P. Bach/K. Bartmann, Verlagsunion Agrar
  • Binnenfischerei/Produktionsverfahren, W. Steffens (1986), VEB Deut. Landwirtsch. Verlag Berlin
  • Moderne Fischwirtschaft/Grundlagen und Praxis, W. Steffens (1979), Verlag J. Neumann-Neudamm
  • Industriemäßige Fischproduktion, W. Steffens (1981), VEB Deut. Landwirtsch. Verlag Berlin
  • Fisch und Fischerei, Dietmar Riedel, Ulmer Verlag, 1974
  • Nutzfische halten, G. Haider, Ulmer-Verlag
  • Lachse in Teichen, Seen und Flüssen, Henn Pohlhausen, Paul Parey, 1978
  • Forellenzucht, K. Igler, Leopold Stocker Verlag
  • Fischzucht, W. Koch/O. Bank/G. Jens, Parey-Verlag
  • Forellenzucht, W. Lindhorst-Emme, Parey-Verlag
  • Die Praxis der Forellenzucht, Earl Leitritz, Parey Verlag
  • Die Bewirtschaftung von Karpfenteichen, 3. Aufl., Kurt Kunze, Paul Parey, 1982
  • Der Teichwirt, J. Hofmann/F. Geldhauser/P. Gerstner, Parey-Verlag
  • Fortschritte in der Teichwirtschaft, Istvan Tölg (Hrsg.), Parey Verlag, 1981
  • Ordnungsgemäße Teichbewirtschaftung in Sachsen: Regeln guter fachlicher Praxis. Dr. G. Füllner, Sächsische LfL, 2000
  • Bauer, Kurt: "Zur Bedeutung der Kohlensäure in Karpfenteichen". Österreichs Fischerei 44/1991 S. 49–64

Die News der letzten Tage

19.05.2022
Virologie | Parasitologie | Insektenkunde
Neue Virusvariante bedroht Bienengesundheit weltweit
Eine gefährliche Variante des Krüppelflügelvirus ist weltweit auf dem Vormarsch: Das Virus befällt Honigbienen, wird von der Varroamilbe übertragen und sorgt dafür, dass ihre Flügel verkümmern und die Tiere sterben.
17.05.2022
Evolution | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Leben am Vulkan – in zwei Schritten zur Anpassung
Ein internationales Team hat eine Wildpopulation der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) untersucht, die sich am Fuß eines Stratovulkans angesiedelt hat.
18.05.2022
Klimawandel | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektensterben: Was stört die Kolonie-Entwicklung der Steinhummel?
Bestäubende Insekten sind für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion unersetzlich - doch seit Jahren geht der Bestand an Bienen, Hummeln und weiteren Insekten stark zurück.
18.05.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektenvielfalt: Öko-Landbau oder Blühstreifen besser?
Wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, hängt von verschiedenen Faktoren und dem jeweiligen Blickwinkel ab.
18.05.2022
Ethologie | Primatologie
Wie flexibel Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf individuelle Unterschiede und Flexibilität in den Kommunikationsstrategien von Orang-Utan-Müttern gelegt.
17.05.2022
Ökologie | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ökologie: Fließgewässer stehen weltweit schlecht da
Landwirtschaft, Habitatverlust oder Abwässer – menschgemachte Stressoren wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt in Bächen und Flüssen aus.
17.05.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
17.05.2022
Anatomie | Taxonomie | Paläontologie
Unbekannte Delfinarten aus dem Schweizer Mittelland identifiziert
Vor 20 Millionen Jahren schwammen Delfine dort, wo heute das Schweizer Mittelland liegt.
12.05.2022
Physiologie | Neurobiologie
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Ökologie | Insektenkunde
Was Heuschrecken fressen
Über die Nahrungsnetze pflanzenfressender Insekten ist nicht viel bekannt: Ein Team vom Biozentrum forscht nach – in Unterfranken ebenso wie in den Berchtesgadener Alpen.
12.05.2022
Mykologie | Biodiversität
Artenschutz für Pilze
Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser.
11.05.2022
Evolution | Biochemie
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Genetik
Für Weinliebhaber: Roter Riesling entstand aus Weißem Riesling
Die Erbinformation für die Riesling-Rotfärbung ist auf dem Chromosomensatz des weißbeerigen Elter "Weißer Heunisch" verortet.