Semustin

Strukturformel
Strukturformel von Semustin
Struktur ohne Stereochemie
Allgemeines
Freiname Semustin
Andere Namen
  • Methyllomustin
  • 4-Methyllomustin
  • Methyl-CCNU
  • MeCCNU
  • NSC 95441
  • 1-(2-Chlorethyl)-3-(4-methylcyclohexyl)-1-nitrosoharnstoff (IUPAC)
Summenformel C10H18ClN3O2
CAS-Nummer 13909-09-6
PubChem 5198
ATC-Code

L01AD03

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Zytostatikum

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 247,72 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300-311-315-319-331-335-350-360
P: 201-​261-​264-​280-​301+310-​305+351+338Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 45-46-23/24-36-37-38
S: 52-22-26-36/37/39-45
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden


Semustin (synonym: Methyl-Chlorethyl-Cyclohexyl-Nitroso-Urea = MeCCNU), chemisch 1-(2-Chlorethyl)-3-(4-methylcyclohexyl)-1-nitrosoharnstoff, ist der Freiname für ein Zytostatikum aus der Gruppe der Nitrosoharnstoffe. Es ist das 4-Methyl-Derivat von Lomustin.

Chemische Eigenschaften

Stereochemie

Semustin ist eine Verbindung, von der aufgrund der unsterschiedlichen Substitutionsmöglichkeiten am Cyclohexanring zwei Isomere, sogenannte cis/trans-Isomere existieren. Diese Isomere können sich in bestimmten physikalischen Eigenschaften und physiologischen Wirkungen unterscheiden. Durch geeignete Synthesestrategien oder Trennverfahren lassen sich gezielt die einzelnen Verbindungen isolieren.

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Pharmakologie

Wirkmechanismus

Semustin verändert wie alle Nitrosoharnstoffe das Erbgut in den Zellkernen. Dies führt dazu, dass sich die betroffenen Zellen nicht mehr teilen können und nach einiger Zeit absterben. Von der Genom-Schädigung sind im Wesentlichen schnell teilende Zellen – vor allem Krebszellen – betroffen. Semustin ist in der Lage die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Dies ist bei der Behandlung von Melanomen mit ZNS-Metastatisierung von Vorteil.

Nebenwirkungen

Semustin ist myelotoxisch, das heißt es schädigt das Knochenmark. Diese Schädigung wirkt sich negativ auf die Blutbildung, insbesondere der Thrombozyten und Leukozyten aus. Daneben sind Übelkeit und Haarausfall die wichtigsten Nebenwirkungen.

Semustin ist – wie alle Nitrosoharnstoffe – selbst kanzerogen, das heißt krebserregend. Im Tierversuch erhöht es bei Ratten nach intraperitonealer Gabe die Gesamttumorrate und bei weiblichen Mäusen die Rate an Leukämien und an malignen Lymphomen.[2] Für den Menschen ist es seit Beginn der 1990er Jahre als krebserregend eingestuft.[3] Das Risiko einer Leukämieerkrankung steigt nach einer Behandlung mit Semustin signifikant an.[4]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Datenblatt Semustine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011.
  2. E. K. Weisburger: Bioassay program for carcinogenic hazards of cancer chemotherapeutic agents. In: Cancer 40, 1977, S, 1935–1949, PMID 907995.
  3. H. Tinwell und J. Ashby: Activity of the human carcinogen MeCCNU in the mouse bone marrow micronucleus assay. In: Environ Mol Mutagen 17, 1991, S. 152–154, PMID 2022193.
  4. J. D. Boice u. a.: Leukemia and preleukemia after adjuvant treatment of gastrointestinal cancer with semustine (methyl-CCNU). In: NEJM 309, 1983, S. 1079–1084, PMID 6353233.

Literatur

  • 1-(2-Chloroethyl)-3-(4-Methylcyclohexyl)-1-Nitrosourea (PDF-Datei; 193 kB)
  • Autorenkollektiv: Radiation therapy and fluorouracil with or without semustine for the treatment of patients with surgical adjuvant adenocarcinoma of the rectum. Gastrointestinal Tumor Study Group. In: J Clin Oncol. 10, 1992, S. 549–557. PMID 1548520
  • National Toxicology Program: 1-(2-Chloroethyl)-3-(4-methylcyclohexyl)-1-nitrosourea (MeCCNU). In: Rep Carcinog 10, 2002, S. 53–54. PMID 15320318
  • R. S. Witte u. a.: PALA versus streptozotocin, doxorubicin, and MeCCNU in the treatment of patients with advanced pancreatic carcinoma. In: Invest New Drugs 16, 1998-1999, S. 315–318. PMID 10426663
  • J. L. Clark u. a.: Adjuvant 5-FU and MeCCNU improves survival following curative gastrectomy for adenocarcinoma. In: Am Surg 56, 1990. S. 423–427. PMID 2368986
  • M. Willem: Adjuvant therapy for rectal cancer: is 5-FU effective without MeCCNU. In: Oncology (Williston Park) 3, 1989, S. 11. PMID 2641312
  • R. C. Vyas u. a.: Genotoxic effects of MeCCNU on human peripheral blood lymphocytes. In: Toxicol Lett 44, 1988, S. 153–159. PMID 3188073
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