Sempervivum globiferum

Sempervivum globiferum
Sempervivum globiferum subsp. hirtum

Sempervivum globiferum subsp. hirtum

Systematik
Familie: Dickblattgewächse (Crassulaceae)
Unterfamilie: Sempervivoideae
Tribus: Semperviveae
Gattung: Hauswurzen (Sempervivum)
Sektion: Jovibarba
Art: Sempervivum globiferum
Wissenschaftlicher Name
Sempervivum globiferum
L.

Sempervivum globiferum, auch Gewöhnliche Fransenhauswurz genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Sempervivum und der Sektion Jovibarba in der Familie Dickblattgewächse (Crassulaceae) in der Ordnung Steinbrechartigen (Saxifragales).

Beschreibung

Sempervivum globiferum erreicht blühend eine Höhe von 8 bis 35 cm. Der Durchmesser der Rosetten der Gewöhnlichen Fransenhauswurz beträgt 0,5 bis – in Ausnahmefällen – 7 cm. Die Rosetten sind normalerweise grünlich bis bleich-gelbgrün und die Rosettenblätter an ihren Spitzen oder Außenseiten meist mehr oder weniger rot bis rotbraun gefärbt. Mitunter sind sie – wie bei der Unterart Allionis Fransenhauswurz – flaumig-drüsig behaart. Ihre Tochterrosetten entstehen kugelförmig an kurzen, fadenförmigen Stolonen auf der Mutterrosette, oft an den mittleren Axillen, sie lösen sich leicht und bilden dann Tochterrosetten.

Sempervivum globiferum blüht mit röhrig-glockenförmigen Blüten, die weißlich-gelb bis trüb-blassgelb gefärbt sind. Sie haben meist 6, selten 5 oder 7 Petalen. Die Petalen sind stark gekielt und deren Ränder sind gefranst.

Die Unterarten sind teils an unterschiedliches Substrat angepasst, so sind Allionis Fransenhauswurz, die Zwerg- bzw. Sand-Fransenhauswurz ausschließlich und die Tatra-Fransenhauswurz meist auf saurem Substrat zu finden, während die Kurzhaar-Fransenhauswurz so gut wie immer auf Kalk vorkommt, die Verkahlende Hauswurz ist sowohl auf Kalk, aber auch z.B. auf Porphyr, ja sogar serpentinitischem Gestein zu finden, auch die Sprossende Fransenhauswurz ist nicht strikt an bestimmtes Bodenmilieu gebunden.[1]

Systematik und Verbreitung

Sempervivum globiferum ist in Mittelgebirgen nördlich und östlich der Alpen, in den Südwestalpen, den Ostalpen und in Osteuropa verbreitet.

Dier Erstbeschreibung erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.[2] Ein Synonym ist Jovibarba globifera.

Es werden folgende Unterarten unterschieden:[3]

  • Sempervivum globiferum subsp. allionii („Allionis Fransenhauswurz“[4]):
    Südwestalpen, Urgesteinszonen (Meeralpen, Gran Paradiso-Gebiet)
  • Sempervivum globiferum subsp. arenarium („Zwerg-Fransenhauswurz“ bzw. „Sand-Fransenhauswurz“ [4]):
    Ostalpen
  • Sempervivum globiferum subsp. glabrescens[5] („Verkahlende Fransenhauswurz“):
    östlich und nordöstlich der Alpen liegende Gebiete zwischen der Gulsen (Ostalpen) und den Ostkarpaten.
  • Sempervivum globiferum subsp. globiferum („Sprossende Fransenhauswurz“ bzw. „Sprossender Donarsbart“ [4]):
    in niederen Gebieten nördlich (Schwarzwald, Schwäbische Alb, Sudeten) und nordöstlich der Alpen (Tschechien, Polen, wohl auch weiter nach Nordosten ausstrahlend).
  • Sempervivum globiferum subsp. hirtum („Kurzhaar-Fransenhauswurz“[4]):
    Vorgebirge der Nördlichen und Östlichen Kalkalpen, Ostalpen, Karpaten.
  • Sempervivum globiferum subsp. lagarinianum[6]):
    Val Lagarina, Endemit).
  • Sempervivum globiferum subsp. preissianum[7] („Tatra-Fransenhauswurz“):
    Tatra, Endemit

Verwechslungen

Als Sempervivum globiferum wurden zwischen 1778 und 2005 irrtümlich auch andere Taxa von Sempervivum bezeichnet, so in früherer Zeit Sempervivum wulfenii und Sempervivum ruthenicum.[8] Bis in heutige Zeit wurden auch flaumig behaarte Hauswurzen aus dem Kaukasus, Transkaukasus und der heutigen Türkei fälschlicherweise so benannt.[9]

Nutzung

Von dieser Art werden von Liebhabern sowohl die Unterarten und diverse Fundortformen, als auch Farbauslesen sowie Kreuzungen mit Sempervivum heuffelii (Sempervivum ×nixonii) kultiviert.

Bilder

Literatur

  • Henk 't Hart, Bert Bleij, Ben Zonneveld: Sempervivum. In: Urs Eggli (Hrsg.): Sukkulenten-Lexikon. Crassulaceae (Dickblattgewächse). Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN=3-8001-3998-7, S. 355–357.
  • Manuel Werner: Hauswurz-Arten der Alpen. Sempervivum und Jovibarba. In: Avonia. Band 28, Nummer 4, 2010.

Einzelnachweise

  1. Vgl. hierzu Henk ´t Hart, B. Bleij & B. Zonneveld (2003): Sempervivum. – In: Urs Eggli (Hrsg.): Sukkulentenlexikon, Bd. 4, Crassulaceae (Dickblattgewächse) – Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S 348 und 355-357, Manuel Werner: Hauswurz-Arten der Alpen. Sempervivum und Jovibarba. – In: Avonia – Die Fachzeitschrift der Fachgesellschaft andere Sukkulenten 28:4 (2010), S. 175-197 sowie Gérard Dumont: Sempervivophilia [1], zu den deutschen Bezeichnungen der Arten und Unterarten ebenfalls Werner, M. (2010: 175-197) und Erhardt, W., Götz, E., Bödeker, N. & Seybold, S. (2008): Zander. Handwörterbuch der Pflanzennamen. – Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S. 479
  2. Carl von Linné: Species Plantarum. 1. Auflage 1753, Band 1, S. 464, (online).
  3. Henk 't Hart, Bert Bleij, Ben Zonneveld: Sempervivum. In: Urs Eggli (Hrsg.) Sukkulenten-Lexikon. Crassulaceae (Dickblattgewächse). Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN=3-8001-3998-7, S. 355–357.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 W. Erhardt, E. Götz, N. Bödeker, S. Seybold: Zander. Handwörterbuch der Pflanzennamen. 18. Auflage, Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, S. 479.
  5. Manuel Werner: Hauswurz-Arten der Alpen. Sempervivum und Jovibarba. In: Avonia. Band 28, Nummer 4, 2010, S. 194.
  6. Manuel Werner: S. globiferum (Syn.: Jovibarba globifera) bei Spiazzi [2]
  7. Manuel Werner: Hauswurz-Arten der Alpen. Sempervivum und Jovibarba. In: Avonia. Band 28, Nummer 4, 2010, S. 191.
  8. Manuel Werner: Hauswurz-Arten der Alpen. Sempervivum und Jovibarba. In: Avonia. Band 28, Nummer 4, 2010, S. 169 f., 176, 179,
  9. Philipp Neeff: Beiträge zur Taxonomie der Gattung Sempervivum L. (Crassulaceae) unter besonderer Berücksichtigung der in Kleinasien vorkommenden Sippen. Dissertation, Universität Duisburg-Essen, 2005, S. 3, 115 f.

Weblinks

 Commons: Sempervivum globiferum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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