Sägebarsche


Sägebarsche

Schriftbarsch (Serranus scriba), Unterwasseraufnahme aus dem Mittelmeer, vor Calvi (Korsika).

Systematik
Acanthomorpha
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Drachenkopfartige (Scorpaeniformes)
Unterordnung: Serranoidei
Familie: Sägebarsche
Wissenschaftlicher Name der Unterordnung
Serranoidei
Innamura & Yabe, 2002
Wissenschaftlicher Name der Familie
Serranidae

Die Sägebarsche (Serranidae) sind eine Familie kleiner bis sehr großer Meeresfische aus der Gruppe der Barschverwandten (Percomorpha). Mit über 500 Arten gehören sie zu den artenreichsten Fischfamilien. Fast alle Sägebarsche leben küstennah in tropischen und subtropischen Regionen aller Ozeane. In Australien und Neuguinea gibt es auch einige wenige Süßwasserarten. Die meisten Arten leben in flacherem Wasser oberhalb von 300 Metern, nur wenige tiefer. Zu den Sägebarschen gehören als Unterfamilie auch die imposanten Zackenbarsche und die meist rötlichen Fahnenbarsche (Anthiinae), die zu den häufigsten Fischen der Außenriffhänge gehören.

Merkmale

Viele Sägebarsche sind große, massige Fische von typischer Barschgestalt. Ihre Größe reicht von 2,3 Zentimetern langen Pseudogramma guineensis [1] bis zum Riesenzackenbarsch (Epinephelus lanceolatus), der 2,70 Meter lang und bis zu 400 Kilogramm schwer werden kann [2]. Auf dem Kiemendeckel befinden sich drei Dornen, ein zentraler großer und oben und unten jeweils ein kleiner. Der Vorkiemendeckel ist fein gezähnt. Die Seitenlinie ist vollständig und reicht nicht bis auf die Schwanzflosse. Bei einigen Fahnenbarschen folgt sie der Rückenflossenbasis, bei einer Art fehlt sie. Die Rückenflosse ist normalerweise durchgehend, hart- und weichstrahliger Teil können durch eine Einbuchtung voneinander getrennt sein. Ihr vorderer Teil wird von sieben bis zehn (13 bei Acanthistius und Niphon) Stacheln gestützt. Die Afterflosse hat drei Flossenstacheln, die Bauchflossen einen Stachel und fünf Weichstrahlen. Die Schwanzflosse ist abgerundet, spatenfömig oder sichelförmig, nur selten gegabelt. Bei viele Fahnenbarsch-Männchen sind die Flossen lang ausgezogen. Der Unterkiefer steht bei vielen Arten vor. Es gibt normalerweise 24 Wirbel, 25 bis 28 bei den Fahnenbarschen und 30 bei Niphon. Die Anzahl der Branchiostegalstrahlen liegt bei sieben. Viele Arten sind bunt gefärbt, viele dienen als Speisefische.

Lebensweise

Datei:Coral reef in Ras Muhammad nature park (Iolanda reef).jpg
Individuenreiche Schwärme der roten Fahnenbarsche sind typisch für viele Korallenriffe, wie hier im Ras-Mohammed-Nationalpark (Sinai-Halbinsel).

Die meisten Arten findet man im Bereich von Korallenriffen und an den Küsten tropischer und subtropischer Gewässer. Die eigentlichen Sägebarsche und die Zackenbarsche ernähren sich von Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, die Fahnenbarsche von Zooplankton. Alle daraufhin untersuchte Arten sind Hermaphroditen. Die meisten zeitlich gestaffelte Hermaphroditen, die als Männchen geschlechtsreif werden und sich später in Weibchen verwandeln. Einige Arten z.B die der Hamletbarsche (Hypoplectrus), sind simultane Hermaphroditen, d.h. haben gleichzeitig funktionierende weibliche und männliche Keimdrüsen. Eine Selbstbefruchtung findet nicht statt, da bei einem Laichvorgang nur Eier oder Spermien abgegeben werden. Simultaner Hermaphroditismus gilt als primitiver als zeitlich gestaffelter Hermaphroditismus. Große Sägebarsche produzieren große Mengen an Laich. Die Larven sind planktonisch und lassen sich von den Meeresströmungen zu geeigneten Lebensräumen transportieren.

Äußere Systematik

Die Sägebarsche wurden bis vor kurzem in die Ordnung der Barschartigen (Perciformes) gestellt und dort der Unterordnung der Echten Barsche (Percoidei) zugeordnet. Beide Taxa gelten allerdings als paraphyletisch. Die japanischen Ichthyologen Imamura und Yabe fanden 2002 in einer umfangreichen Analyse der Drachenkopfartigen (Scorpaeniformes) Indizien für ein Schwestergruppenverhältnis der Sägebarsche mit der Drachenkopfunterordnung Scorpaenoidei [3].

2010 wurden die Sägebarsche in einer Revision der Teleostei-Systematik den Drachenkopfartigen zugeordnet. Sie stehen basal zu den Scorpaenoidei. [4]

Nassau-Zackenbarsch an der Küste von Saba (Niederländische Antillen).

Innere Systematik

Die Sägebarsche werden in drei Unterfamilien unterteilt.

Stammesgeschichte

Der Serranide Amphiperca multiformis aus der Grube Messel im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe.

Die Sägebarsche sind fossil gut überliefert. Prolates wurde schon in der Oberkreide und im Paläozän von Europa nachgewiesen, Dapalis vom Paläozän bis zum Miozän. Acanus, Amphiperca, Balbe, Palaeoperca, Priacanthopsis, Properca und Smerdis sind ausgestorbene Gattungen aus dem Eozän, dem Oligozän und dem Miozän. Von den heute lebenden Gattungen Epinephelus und Serranus kennt man Fossilien seit dem Miozän bzw. vom mittleren Eozän bis rezent. [5]

Literatur

  • H. Imamura & M. Yabe: Demise of the Scorpaeniformes (Actinopterygii: Percomorpha): An Alternative Phylogenetic Hypothesis. Bulletin of Fisheries Sciences, Hokkaido University , Vol.53, Nr. 3, Seiten 107-128 (2002) Abstract
  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • E. O. Wiley & G. David Johnson: A teleost classification based on monophyletic groups. in Joseph S. Nelson, Hans-Peter Schultze & Mark V. H. Wilson: Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts. 2010, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 978-3-89937-107-9.

Einzelnachweise

  1. Pseudogramma guineensis auf Fishbase.org (englisch)
  2. Epinephelus lanceolatus auf Fishbase.org (englisch)
  3. H. Imamura & Yabe (2002).
  4. Wiley & Johnson (2010), Seite 168.
  5. K. A. Frickhinger: Fossilien Atlas Fische, Mergus-Verlag, Melle, 1999, ISBN 3-88244-018-X

Weblinks

Commons: Sägebarsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Die News der letzten Tage

17.11.2022
Meeresbiologie | Taxonomie
Dornenkronenseesterne aus dem Roten Meer sind endemisch!
Neben dem Klimawandel stellen korallenfressende Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.
17.11.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Eisbedeckung im Südpolarmeer: Auswirkungen auf Meiofauna und Makrofauna
Wissenschaftlerinnen haben erstmals untersucht, wie sich Gemeinschaften von Meiofauna und Makrofauna unter verschiedenen Umweltbedingungen im Südpolarmeer zusammensetzen.
16.11.2022
Biochemie | Physiologie
Pflanzen zwischen Licht und Schatten
In der Forschung werden Pflanzen häufig unter konstantem Licht angezogen, was nicht den natürlichen Bedingungen in der Natur entspricht.
15.11.2022
Anthropologie | Ethologie | Paläontologie
Guten Appetit! Homo hat bereits vor 780.000 Jahren Fisch gekocht
Fischzähne der archäologischen Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov in Israel liefern den frühesten Hinweis auf das Garen von Nahrungsmitteln durch unsere Vorfahren.
15.11.2022
Biodiversität | Bioinformatik | Botanik
Eine Weltkarte der Pflanzenvielfalt
Warum gibt es an manchen Orten mehr Pflanzenarten als an anderen?
15.11.2022
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Biodiversität von Wiesen- und Weideflächen: Ein Gewinn für Natur, Landwirtschaft und Tourismus
Ein internationales Team hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist.
15.11.2022
Biochemie | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Zytologie
Wie funktioniert der Mangantransport in Pflanzen?
Das Protein BICAT3 ist einer der wichtigsten Mangan-Verteiler in Pflanzen - ist es defekt, hat das einen verheerenden Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen.
14.11.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Kollisionsrisiko für Fledermäuse bei großen Windkraftanlagen
Um Fledermäuse vor der Kollision mit Windenergieanlagen zu schützen, werden in Genehmigungsverfahren akustische Erhebungen durchgeführt.
09.11.2022
Physiologie | Vogelkunde
Kohlmeisen: Hormonschwankungen als Überlebensvorteil?
Bei freilebenden Kohlmeisen gibt es zwischen Individuen große Unterschiede in der Menge an Stresshormonen im Blut.
14.11.2022
Amphibien- und Reptilienkunde | Paläontologie
Grube Messel: eine lebendgebärende Schlange vor 47 Millionen Jahren
Ein argentinisch-deutsches Forschungsteam hat den weltweit ersten fossilen Beleg für eine Lebendgeburt bei Schlangen erbracht.
11.11.2022
Biodiversität | Evolution
Warum ist auf unserem Planeten eine solch enorme Artenvielfalt entstanden?
Warum gibt (gab) es so viele Arten auf der Erde?
11.11.2022
Anthropologie | Physiologie
Studie über die biologische Aktivität von Fruchtsäften und Fruchtkonzentraten
Forschende haben in einer Studie die biologische Aktivität von 20 Fruchtsäften und Konzentraten getestet.
10.11.2022
Biodiversität
Ranking der Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt
Die Umwandlung von naturnahen Wäldern und Grünland in landwirtschaftliche Flächen ist hauptverantwortlich für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt.