Ringdisteln

Ringdisteln
Carduus cephalanthus

Carduus cephalanthus

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae
Gattung: Ringdisteln
Wissenschaftlicher Name
Carduus
L.

Die Ringdisteln (Carduus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae) mit 90 bis 120 zum Teil schwer zu unterscheidenden Arten.

Die in Mitteleuropa häufig vorkommende Nickende Distel (Carduus nutans) besitzt derbstachelige Laubblätter, die als dorniger Saum am Stängel herablaufen, und ist als „Unkraut“ an Wegesrändern, Schuttplätzen und Böschungen anzutreffen.

Die Distel allgemein gilt in der Symbolsprache der Blumen als Sinnbild der Wehrhaftigkeit.

Beschreibung

Illustration der Alpen-Ringdistel (Carduus defloratus).

Vegetative Merkmale

Ringdistel-Arten sind meist ein- bis zweijährige, selten ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 30 bis 200 (selten bis 400) cm erreichen. Sie sind gewehrt und mehr oder weniger wollig behaart, nur selten unbehaart. Die aufrechten Stängel sind einfach oder verzweigt und oft stachelig-geflügelt.

Die grundständigen und am Stängel wechselständig verteilt angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt. Die kahlen oder behaarten Blattspreiten sind ungeteilte bis fiederspaltig oder ein- bis zweifach gelappt und am Rand dornig gezähnt.

Generative Merkmale

Blütendiagramm für Carduus.

Die körbchenförmigen Blütenstände stehen einzeln oder zwei bis zwanzig zusammen auf stachlig geflügelten, beblätterten oder kahlen Blütenstandsschäften. Die vielen in sieben bis über zehn Reihen zylindrisch bis kugelig aufsteigend bis ausgebreitet oder zurückgebogen angeordneten Hüllblätter sind lineal bis breit eiförmig mit glattem Rand weisen stachelige Spitzen auf. Der Blütenstandsboden (Receptaculum) ist flach. Es sind abgeflachte, borstige Spreublätter vorhanden. Jeder Blütenstand enthält einige bis viele Röhrenblüten.

Die Röhrenblüten sind zwittrig. Die fünf weißen über rosafarbenen bis violetten Kronblätter sind zu einer mehr oder weniger stark zygomorphen langen, schmalen Kronröhre verwachsen, die sich abrupt glockenförmig öffnet und in linealen Kronzipfeln endet. Der Griffel ist bis weit nach oben verwachsen und so sind die freien Griffeläste nur sehr kurz.

Die eiförmigen, etwa abgeflachten Achänen sind glatt. Im Gegensatz zu den ansonsten ähnlichen Kratzdisteln sind die Pappushaare nicht gefiedert, d. h. nicht wiederum mit kleinen Härchen besetzt.

Die Chromosomengrundzahlen betragen x = 8, 9, 10, 11, 13.

Systematik

Die Gattung Carduus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 820-826 mit der Typusart Carduus nutans L. aufgestellt. Ein Synonym für Carduus L. ist Wettsteinia Petr..

Zur Gattung Carduus gehören etwa 90 bis 120 Arten in Eurasien und Afrika. Einige Arten sind in Nordamerika invasive Pflanzen.

Weg-Distel (Carduus acanthoides)
Habitus einer blühenden Carduus carpetanus
Krause Distel (Carduus crispus)
Nickende Distel (Carduus nutans)
Kletten-Distel (Carduus personata)
Blütenstand von Carduus platypus subsp. granatensis mit zurückgebogenen Hüllblättern

Hier eine Liste der in Europa und im Mittelmeerraum vorkommenden fast 60 Arten [1]:

  • Carduus acanthocephalus C.A.Mey.
  • Weg-Ringdistel oder Weg-Distel (Carduus acanthoides L.)
  • Carduus acicularis Bertol.
  • Carduus adpressus C.A.Mey.
  • Carduus affinis Guss.
  • Carduus amanus Rech. f.
  • Carduus argentatus L.
  • Carduus argyroa Biv.
  • Carduus asturicus Franco
  • Carduus aurosicus Chaix
  • Carduus baeocephalus Webb
  • Carduus bourgaei Kazmi
  • Carduus candicans Waldst. & Kit.
  • Stieglitz-Ringdistel (Carduus carduelis (L.) Gren.)
  • Carduus carlinoides Gouan
  • Carduus carpetanus Boiss. & Reut.
  • Carduus cephalanthus Viv.
  • Carduus chevallieri L. Chevall.
  • Apenninen-Distel (Carduus chrysacanthus Ten.)
  • Carduus clavulatus Link
  • Carduus collinus Waldst. & Kit.
  • Carduus corymbosus Ten.
  • Krause Ringdistel oder Krause Distel (Carduus crispus L.)
  • Alpen-Ringdistel oder Alpen-Distel auch Berg-Distel (Carduus defloratus L.), mit zahlreichen Unterarten
  • Carduus euboicus Franco
  • Carduus fasciculiflorus Viv.
  • Carduus fissurae Nyár.
  • Carduus getulus Pomel
  • Haken-Ringdistel (Carduus hamulosus Ehrh.)
  • Carduus kerneri Simonk.
  • Carduus lanuginosus Willd.
  • Carduus leptocladus Durieu
  • Carduus litigiosus Nocca & Balb.
  • Carduus lusitanicus Rouy
  • Carduus malyi Greuter
  • Carduus martinezii Pau
  • Carduus meonanthus Hoffmanns. & Link
  • Carduus myriacanthus DC.
  • Carduus nawaschinii Bordz.
  • Carduus nervosus K.Koch
  • Carduus nigrescens Vill., mit mehreren Unterarten
  • Carduus novorossicus Portenier
  • Nickende Ringdistel oder Nickende Distel (Carduus nutans L.)
  • Carduus olympicus Boiss.
  • Carduus onopordioides M.Bieb.
  • Kletten-Ringdistel oder Kletten-Distel auch Berg-Distel (Carduus personata (L.) Jacq.)
  • Carduus poliochrus Trautv.
  • Carduus pycnocephalus L., mit mehreren Unterarten
  • Carduus ramosissimus Pančić
  • Carduus rechingerianus Kazmi
  • Carduus rivasgodayanus Devesa & Talavera
  • Carduus seminudus Willd.
  • Carduus spachianus Durieu
  • Carduus squarrosus (DC.) Lowe
  • Dünnköpfige Distel (Carduus tenuiflorus Curtis)
  • Carduus thracicus (Velen.) Hayek
  • Carduus tmoleus Boiss.
  • Carduus uncinatus M.Bieb.
Carduus bourgeanus aggr.:
  • Carduus bourgeanus Boiss. & Reut.
  • Carduus ibicensis (Devesa & Talavera) Rosselló & N.Torres

Quellen

Einzelnachweise

  1. Carduus bei Euro+MedPlantBase von Werner Greuter.

Ergänzende Literatur

  • M. A. Fischer, W. Adler & K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.

Weblinks

 Commons: Ringdisteln (Carduus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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