Rüssel

Dieser Artikel behandelt das Organ Rüssel. Zu Informationen über den deutschen Sternekoch siehe Harald Rüssel.
Rüsselspitze eines Elefanten

Ursprünglich bedeutet Rüssel (griech. προβοσκίς, proboskís, daher neulat. Proboscis) bei Tieren eine verlängerte, fleischige Nase mit den Nasenlöchern am unteren, freien Ende. Im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff die in ähnlicher Art verlängerten Mundteile bei vielen anderen Tieren.

  • Bei Elefanten und anderen (fossilen) Angehörigen der Rüsseltiere (Proboscidea), stellt der Rüssel ein langes, äußerst bewegliches und mit feinem Tastgefühl begabtes muskuläres Organ dar, das sich im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte aus dem Zusammenwachsen von Oberlippe und Nase bildete. Neben seiner Funktion als Riechorgan, dient es seinem Besitzer als Waffe, als Greifhand beim Fressen, als Saug- und Druckpumpe beim Trinken. Auch spielt der Rüssel eine wichtige Rolle in der sozialen Interaktion zwischen Elefanten (in etwa gegenseitiges Umschlingen der Rüssel als Zeichen der Begrüßung oder Zuwendung) und allgemeiner auch als zusätzliches Kommunikationsmittel (z. B. zum Signalisieren einer Drohgebärde oder Dominanzansprüchen durch einen nach oben gestreckten Rüssel). Gelegentlich wird der Elefantenrüssel beim Baden oder Schwimmen auch als eine Art Schnorchel eingesetzt.
  • Bei Tapiren ist der Rüssel weniger ausgeprägt als bei Elefanten, bei Schweinen nur gering.
  • Bei anderen Säugetieren wie Igel, Nasenbär und Ameisenbär spricht man wegen der optischen Ähnlichkeit häufig ebenfalls von einem Rüssel.
  • Bei Schmetterlingen besteht der teilweise sehr lange Saugrüssel aus den umgewandelten Unterkiefern. Er wird im Ruhezustand eingezogen oder eingerollt und dient zum Aufsaugen des Blütennektars oder (bei wenigen Arten) des Blutes warmblütiger Lebewesen, im Bedarfsfall auch zum Anritzen von Blüten oder der Haut.
  • Bei anderen Insekten, z. B. Fliegen und v. a. Wanzen, stellt der Saugrüssel ein Saugorgan dar, das im Bedarfsfall auch zum vorherigen Aufstechen von Oberflächen verwendet wird.
  • Bei Käfern wird die Verlängerung des Kopfes Rüssel genannt. Man findet sie vor allem bei den Rüsselkäfern, sie sind auch in wenigen anderen Käferfamilien ausgebildet. Die Mundwerkzeuge sitzen jedoch an der Spitze des unbeweglichen Rüssels
  • Auch manche Schnecken, Würmer, Krebse und Quallen besitzen Fortsätze, die in Aussehen und Funktion an einen Rüssel erinnern und deswegen so genannt werden.


Wiktionary Wiktionary: Rüssel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Ähnliche Artikel wie "Rüssel"

16.10.2020
Parasitologie | Insektenkunde
Die Stechfliege: ein gefährlicher Krankheitsüberträger für Schweine
Die Gemeine Stechfliege (lat.: Stomoxys calcitrans) – auch bekannt als „Wadenstecher“ – ist weltweit verbreitet und sieht der Stubenfliege ähnlich.
10.08.2020
Toxikologie
Wenn der Wurm zum Giftschlag ausholt
Schnurwürmer (Nemertinen) halten einen Weltrekord: Die Lange Nemertine (Lineus longissimus) gilt mit bis zu 60 Metern Gesamtlänge als das längste Tier der Welt.
19.07.2019
Physiologie | Neurobiologie | Insektenkunde
Ein gestörter Geruchssinn hindert Tabakschwärmer an der Futtersuche, nicht aber an der Eiablage
Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie haben mit Hilfe der Genschere CRIPSR-Cas9 den Geruchs-Ko-Rezeptor Orco in Tabakschwärmern funktionsunfähig gemacht.
09.04.2019
Fischkunde
Bionik: Elektro-Durchblick in trüben Gewässern
In Katastrophenfällen oder bei der Suche nach Gegenständen kommen meist Roboter oder Drohnen mit Kameras zum Einsatz.
08.11.2018
Physiologie | Ethologie | Neurobiologie | Fischkunde
Fisch erkennt seine Beute an elektrischen Farben
Der afrikanische Elefantenrüsselfisch erzeugt schwache elektrische Pulse, um sich in seiner Umgebung zurecht zu finden.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

29.07.2021
Ökologie | Toxikologie
Wasser blau – Badestrand grün
Viele klare Seen der Welt sind von einem neuen Phänomen betroffen: In Ufernähe, wo Menschen spielen oder schwimmen, ist der Seeboden mit grünen Algenteppichen bedeckt.
29.07.2021
Anatomie | Paläontologie
Patagonischer Langhalssaurier neu beleuchtet
Ein Team der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchte im Rahmen einer Neubeschreibung die Überreste des Langhalssauriers Patagosaurus fariasi (175 Mio Jahre) aus Argentinien.
29.07.2021
Anthropologie | Virologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Hochwirksame und stabile Nanobodies stoppen SARS-CoV-2
Ein Forscherteam hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Coronavirus SARS-CoV-2 und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten.
29.07.2021
Zytologie | Biochemie
Pflanzen haben ein molekulares „Gedächtnis“
Wie eine Pflanze wächst, hängt einerseits von ihrem genetischen Bauplan ab, zum anderen aber davon, wie die Umwelt molekulare und physiologische Prozesse beeinflusst.
29.07.2021
Ökologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Forschungsfahrt: Hydrothermale Wolken in der Nähe der Azoren
Sie entstehen, wenn von glühendem Magma aufgeheizte Lösungen aus der Erdkruste in der Tiefsee austreten und auf kaltes Meerwasser treffen: Hydrothermale Wolken stecken voller Leben, sie versorgen die Ozeane mit Nährstoffen und Metallen.
28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.
27.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Neue Möglichkeiten: Topologie in der biologischen Forschung
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
27.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Viel mehr als Gehen
Jahrzehntelang dachte man, dass ein Schlüsselbereich des Gehirns lediglich das Gehen reguliert.
26.07.2021
Ökologie | Paläontologie
Uralte Haizähne geben Hinweis auf eine globale Klimakrise
Die stete Drift der Kontinente formt nicht nur Gebirgszüge, sondern hat auch großen Einfluss auf die Tierwelt im Meer.
26.07.2021
Anatomie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Bioinformatik
Wie tierische Sprinter enorme Spitzengeschwindigkeiten erreichen
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat ein physikalisches Modell entwickelt, um zu erforschen, von welchen Eigenschaften die maximale Laufgeschwindigkeit bei Tieren abhängig ist.
26.07.2021
Anthropologie | Zoologie | Ethologie
Hunde als „Gedankenleser“
Dass Hunde vielfach als der „beste Freund des Menschen“ bezeichnet werden, ist bekannt.
26.07.2021
Mikrobiologie | Genetik | Biochemie
RNA kontrolliert die Schutzhülle von Bakterien
Der Magenkeim Helicobacter pylori weiß, wie er sich gegen Angriffe des Immunsystems oder durch Antibiotika schützen kann.