Parabiose

Der Ausdruck Parabiose (para- griechisch: neben, über, bei; bios- griechisch: Leben) bezeichnet die Interaktion von Organismen (Parabionten), bei denen der eine mit dem anderen verwachsen ist.

Dieser Zustand kommt natürlich vor bei Fischen, bei denen ein Zwergmännchen mit einem Weibchen verwachsen ist und über dessen Kreislaufsystem ernährt wird (Tiefsee-Anglerfische), kann aber auch als Defekt („Siamesische Zwillinge“) auftreten oder künstlich durch operative Verbindung herbeigeführt werden.

Auch ein umstrittenes Verfahren bei Tierversuchen, bei dem zwei Organismen durch eine Operation verbunden werden, um Stammzellen zu entwickeln wird Parabiose genannt. Mit deren Hilfe sollen körperliche Defekte geheilt oder ganze Organe gezüchtet werden. Diese Praxis ist in Deutschland aus tierrechtlichen Gründen seit dem Jahr 1987 nicht mehr genehmigt worden.

In der Vergangenheit wurden Versuche mit Ratten vorgenommen, wobei eine alte und eine junge Ratte durch Hautlappen miteinander verbunden worden sind. Es hatte sich gezeigt, dass aufgrund der Parabiose die Zellen der alten Ratte regeneriert und die der jungen Ratte erheblich gealtert sind, bis sich ein Gleichgewicht zwischen diesen eingestellt hatte. Laut der Forschung werden in naher Zukunft weitergehende Versuche betrieben, um dieses Phänomen zu erklären und womöglich auf größere Organismen zu übertragen.[1]

Einzelnachweise

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