Latwerge

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Die Latwerge (teilweise auch der Latwerg), regional auch Lattwerg, Lattwersch, Latwäri, Latweje, Latwejsche, Latschmiere, Leckschmiere, Leckmerich, Leckwenisch, Laksem oder Laxem genannt, bezeichnet ein stark eingekochtes Mus, meist aus Zwetschgen oder Pflaumen, bisweilen aber auch aus völlig anderen Früchten oder Pflanzenteilen wie Schlehe, Wacholder, Hagebutte und Fichtentrieben[1]. Es existieren zahlreiche regionale Varianten der Latwerge und ebenso viele Schreibweisen[2]. Die böhmisch-österreichische Version einer Zwetschgenlatwerge nennt sich Powidl.

Latwerge wird sowohl als Brotaufstrich als auch zum Süßen von Quarkspeisen und anderen Desserts verwendet. In Österreich wird die dort übliche Variante der Zwetschgen-Latwerge (Powidl) häufig zu oder in Mehlspeisen gegessen.

Die Zubereitung von Latwergen befindet sich in Deutschland auf dem Rückzug, da beim Einkochen von Früchten zunehmend vitaminschonend kurze Kochzeiten bevorzugt werden.

Etymologie

Latwerge von lateinisch Electuarium bezeichnet ursprünglich eine Arzneimischung in Form eines steifen Breis zur oralen Einnahme, bestehend aus Pulvern und weichen oder flüssigen Komponenten (oft Sirup, Honig oder Mus).[3][4]

Mittelhochdeutsch latwerge, latwârje, latwêrje, electuârje, italienisch lattováro, lattuário, altfranzösisch lectuaire, von spätlateinisch electarium, electuarium, vermutlich als Abwandlung von altgriechisch ekleikton, ekleikhein ("auflecken")[5][6][7]

Zubereitung der Zwetschgen-Latwerge

Klassisch wurde die Zwetschgen-Latwerge in gewaltigen Mengen und mit nachbarschaftlicher Hilfe im kupfernen Waschkessel der Waschküche eingekocht. Gelegentlich findet sich das gemeinschaftliche Zubereiten auch heute noch, zur Pflege der „Tradition, [...] Erhaltung des Kulturgutes, wie auch [zur] Pflege der Gemeinschaft.“[8] Heute erfolgt die Zubereitung in haushaltsüblichen Mengen auf dem Herd, bisweilen auch im Backofen.

Die möglichst reifen und süßen Zwetschgen werden entkernt und danach zerkleinert oder durch den Fleischwolf gedreht. Das Mus wird mit etwas Wasser bei mäßiger Hitze geköchelt und unter regelmäßigem Rühren zwischen 5 und 12 Stunden lang reduziert, bis es dunkel und zäh ist. Der Rührlöffel sollte darin in jedem Winkel stehen bleiben.

Die Latwerge erfordert keine weiteren Zutaten. Je nach Region werden jedoch gegen Ende der Kochzeit ca. 10 Prozent Zucker und Gewürze (z.B. Zimt, Sternanis) zugegeben.

Stark eingekochte Latwerge konserviert sich selbst und zur Aufbewahrung genügen abgedeckte Steinguttöpfe. Sicherer sind sterilisierte Schraubgläser, in die die noch heiße Masse eingefüllt und verschlossen wird (siehe Einkochen). Durch Umdrehen des Glases für einige Minuten nach dem Schließen können eingedrungene Keime im Deckelbereich abgetötet werden.

Siehe auch


Quellen

  1. Andrea Haefely: Ein bäumiger Brotaufstrich. Der Schweizerische Beobachter, Nr. 14, Jg. 2007, Axel Springer Schweiz AG, Zürich 4. Juli 2007.
  2. Ernst Christmann, Julius Krämer: Latwerge. Pfälzisches Wörterbuch, Wiesbaden/Stuttgart 1965-1997.
  3. Rudolph Weinberger: Latwerge / Electuarium. Arznei-Verordnungslehre und vollständiges Recept-Taschenbuch, Wien 1857, S. 70.
  4. Latwerge. Wahrig Lexikon / Fremdwörterlexikon / Herkunftswörterbuch.
  5. Matthias Lexer: latwârje / latwêrje. Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Leipzig, 1872-1878.
  6. lekvar. Random House Dictionary, 2012.
  7. electuary. Random House Dictionary, 2012. Collins English Dictionary, 2009.
  8. Bericht von den Naum´er Latwejetagen.

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