Wild-Wachtelzucht (noch) frei von japanischen „Gen-Importen“ und ebenso erfolgreich

Neues aus der Forschung

Meldung vom 18.09.2018

Wachteln werden im Mittelmeerraum gerne gejagt und die Wildtierpopulation über Zuchtfarmen entsprechend aufgestockt. Dazu werden laut experimentellen Studien häufiger eine domestizierte japanische Art oder Hybride eingesetzt. Das kann den ursprünglichen Genpool und phänotypische Merkmale, wie das Wanderverhalten, verändern. Forschende der Vetmeduni Vienna analysierten nun erstmals eine mit wild-gefangenen Tieren gezüchtete Wachtelpopulation auf artfremde Hinweise. Das Ergebnis zeigte keine „japanischen Gen-Importe“ auf und bestätigte damit indirekt auch den Zuchterfolg mit den rein europäischen Hühnervögeln ohne das Risiko einer Genpooldurchmischung mit nachhaltigen Folgen.


180920-1500_medium.jpg
 
Wachtelzucht mit fremden Arten zur Wildpopulation-Aufstockung im Mittelmeerraum mag zwar ökonomischer sein, birgt aber das Risiko einer genetischen Durchmischung und des Verlusts typischer Merkmale.
Steve Smith, Leonida Fusani, Balint Boglarka, Ines Sanchez-Donoso und Valeria Marasco
Lack of introgression of Japanese quail in a captive population of common quail
European Journal of Wildlife Research
DOI: https://doi.org/10.1007/s10344-018-1209-7


Zuchtprogramme tragen wesentlich zum Erhalt von Wildtierpopulationen bei. Das gilt auch für verschiedene Fisch- oder Vogelarten, die stark befischt oder gejagt werden. Dazu zählen die europäischen Wachteln, da sowohl die Eier der unscheinbaren Hühnervögel, als auch die Vögel selbst speziell im Mittelmeerraum eine beliebte Delikatesse und Jagdtrophäe sind. In Italien, Frankreich, Spanien oder Griechenland wurden deshalb Farmen etabliert, in denen die Tiere gezüchtet und freigelassen wurden, um die Ausdünnung heimischer Populationen dieser Zugvögel zu verhindern.

Aus ökonomischen Gründen wurden dazu aber selten europäische Wachteln genutzt. Domestizierte japanische Verwandte oder Hybride galten als einfacher zu züchten. Diese unterscheiden sich jedoch in vielen genetisch festgelegten Merkmalen, wie etwa einem verminderten Wanderverhalten, von der heimischen Wildpopulation. Ihre Freilassung könnte eine Veränderung des bestehenden Genpools und einen schleichenden Verlust der Merkmale des ursprünglichen Phänotyps bedeuten.

Erstmals Risiko durch Jagd-Zuchtprogramme mit japanischen Wachteln genetisch analysiert

Ein Team um ExpertInnen des Konrad Lorenz Institutes für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna analysierte nun erstmals eine aktuelle, auf gefangenen Wildtieren basierende Wachtelaufzucht, auf genetische Hinweise der eingebrachten japanischen Art. Die Forschenden fanden dabei keine Anzeichen für eine bereits erfolgte genetische Durchmischung. Das bestätigte gleichermaßen eine erfolgreiche Zuchtstrategie basierend auf rein europäischen Tieren. Entgegen der bisherigen ökonomischen Annahme bietet sich damit eine veritable Alternative ohne die Einführung neuer Arten mit potentiellen, nachhaltigen Auswirkungen.

„Das Einbringen anderer Arten mag zwar aus wirtschaftlicher Sicht Sinn machen, kann aber einen wesentlichen Eingriff in den Erhalt eines bestehenden Genpools und der vorherrschenden Phänotypen bedeuten“, erklärt Studienleiterin Valeria Marasco. Studien unter Laborbedingungen zeigten bereits, dass bereits bei Hybriden der ersten Generation, aus den japanischen und europäischen Tieren, etwa das sonst ausgeprägte Wanderverhalten, eindeutig reduziert waren. Das verdeutlicht, dass auch andere ursprüngliche Merkmale davon betroffen sein können.



Wachteln genetisch unbeeinflusst durch Zuchtaufstockung mit japanischen Verwandten

Derartige Veränderungen können mit einer sogenannten Mikrosatelliten- und mitochondrialen DNA-Analyse nachgewiesen werden. „Mikrosatelliten sind spezielle Sequenzmuster im Erbgut, die über das gesamte Genom oft wiederholt und damit wichtige Marker für die Bestimmung von Populationen und Arten sind“, so Marasco. Die mitochondriale DNA wiederum wird nur von der mütterlichen Seite vererbt. Da für die Hybriden hauptsächlich weibliche japanische mit männlichen Wildtyp-Wachteln verpaart wurden, kann auch diese Analyse eine Vermischung des Genpools aufzeigen. Außerdem lässt sich dadurch die natürliche Varianz und Selektion des genetischen Materials feststellen.

Mit beiden Analysen wurde kein Hinweis auf Gen-Spuren der japanischen Wachtelart gefunden. „Die Auswertung der molekularen Daten mit verschiedenen Analysetools ordnete die von Wildtieren abstammenden Wachteln genetisch eindeutig der heimischen Art zu. Damit schied die domestizierte japanische Wachtel als Vorfahre der Tiere aus, die in dem italienischen Zuchtbetrieb untersucht und aus zuvor gefangenen Tieren gezüchtet worden. Es bestätigte sich allerdings, dass die Variabilität des Genoms der gezüchteten Wachteln gegenüber der Wildpopulation stärker eingeschränkt ist. Auch das kann für die Wildpopulation ein Risiko bedeuten.

„Dadurch könnten ebenso Allele, sprich Genvarianten, eingebracht werden, die eine nachhaltige Veränderung des ursprünglichen Phänotyps auslösen oder eine bleibende Fehladaption sind“, so Marasco. Zukünftig sollte deshalb, so wertvoll die Aufstockung durch Zuchtprogramme auch sein kann, ein Maßnahmenkatalog geschaffen werden, der eine nachhaltige Regulation bei der Zucht von Jagdbeute zulässt.“ Damit könnte nicht nur das Einbringen fremder, domestizierter Arten in den ursprünglichen Genpool überwacht werden, sondern auch ein möglicher Verlust der natürlichen Varianz durch zu restriktive Zuchtmaßnahmen.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung