Warmes Bad in der Nordsee - Eingewanderte Krabbe breitet sich aus

Neues aus der Forschung

Meldung vom 11.02.2016

Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben durch die Auswertung einer Langzeitstudie gezeigt, dass sich die eingewanderte Trapezkrabbe Goneplax rhomboides in der Nordsee etabliert hat. Die ursprünglich aus dem Nordatlantik und dem mediterranen Raum stammende Krabbe hat sich aufgrund gestiegener Wassertemperaturen ausgebreitet und gilt nun als Bestandteil der deutschen Meeresfauna. Heimische Arten sind aber laut der im Fachjournal „Marine Ecology Progress Series“ veröffentlichten Studie bisher nicht durch die gebietsfremde Krabbe bedroht.


Neumann H, de Boois I, Kröncke I, Reiss H. 2013. Climate change facilitated range expansion of the non-native angular crab Goneplax rhomboides into the North Sea. Mar Ecol Prog Ser 484:143-153
DOI: 10.3354/meps10299

Im vergangenen Dezember war die Nordsee so warm, wie nie zuvor – das ergaben Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. „Dieser Temperaturanstieg wirkt sich natürlich auch auf die Tierwelt der Nordsee aus“, erklärt Dr. Hermann Neumann aus der Abteilung Meeresforschung bei Senckenberg am Meer und fährt fort: „Die Auswertung unserer Langzeituntersuchungen zeigen beispielsweise, dass sich die eingewanderte Trapezkrabbe Goneplax rhomboides als fester Bestandteil der Nordsee-Fauna etabliert hat.“

Ursprünglich ist der gelblich-rote Panzerträger mit den auffälligen Scheren im Nordatlantik und Mittelmeer verbreitet; seit gut 15 Jahren werden die Krabben aber auch vereinzelt in der Nordsee gesichtet. „In den vergangenen Jahren war es immer etwas Besonderes mal ein oder zwei Tiere im Fang zu haben. Bei meiner letzten Nordsee-Ausfahrt hatte man zum Staunen gar keine Zeit mehr – es waren so viele Individuen, dass wir nun definitiv von stabilen Populationen ausgehen können“, erzählt Neumann.

Insgesamt waren es über 80 Individuen an knapp 50 Stationen, die der Wilhelmshavener Meeresbiologe im Dezember aus dem Wasser holte. Der Verbreitungsschwerpunkt der Trapezkrabbe beschränkte sich dabei auf 12 Untersuchungsstationen und Wassertiefen zwischen 40 und 50 Metern in der Deutschen Bucht. Seit mehreren Jahrzehnten führt Senckenberg am Meer dort ökologische Langzeituntersuchungen durch, die die langfristige Untersuchung von Populationen eingewanderter Arten und auch die Konsequenzen für das Ökosystem ermöglichen.

„Der Zusammenhang zwischen steigenden Wassertemperaturen und der Einwanderung gebietsfremder Arten ist ein zentrales Thema unserer aktuellen Nordseeforschung“, erläutert PD Dr. Ingrid Kröncke, Leiterin des Fachgebietes Meeresbiologie bei Senckenberg am Meer.

Obwohl das Vorkommen der Trapezkrabben so hoch wie nie zuvor in den deutschen Seegebieten ist, konnte das Wissenschaftlerteam bisher keine negativen Auswirkungen durch ihr Auftreten auf die heimische Tierwelt der Nordsee feststellen. „Es scheint, als gäbe es im Ökosystem der Nordsee noch ausreichend Platz für Neuankömmlinge“, fasst Neumann zusammen.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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