Staub beeinflusst Zahnverschleiß und Kauleistung bei Schimpansen

Neues aus der Forschung

Staub beeinflusst Zahnverschleiß und Kauleistung bei Schimpansen

Meldung vom 06.03.2019

Vorübergehend höhere Staubanteile in der Nahrung können den Verdauungstrakt von Schimpansen belasten. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig. Eine aktuelle Studie belegt, dass Schleifpartikel, die von staubbeladenen Winden mitgeführt werden, den Zahnabrieb und die Überlebensfähigkeit der Tiere beeinflussen.


Ellen Schulz‐Kornas, Julia Stuhlträger, Marcus Clauss, Roman M. Wittig, Kornelius Kupczik
Dust affects chewing efficiency and tooth wear in forest dwelling Western chimpanzees (Pan troglodytes verus)
American Journal of Physical Anthropology, 01. März 2019
DOI: https://doi.org/10.1002/ajpa.23808


Für ihre Studie sammelten die Forschenden den Kot von im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste lebenden Schimpansen und analysierten die Kauleistung der Tiere während der Trocken- und Regenzeiten. Dabei stellten sie fest, dass erhöhte Staubbelastungen in Trockenzeiten zu einer verminderten Kauleistung führen. Das Forschungsteam untersuchte dann, wie sich Staub auf die Oberflächenstruktur der Zähne von Schimpansen auswirkt und konnte belegen, dass das Verspeisen von staubbedeckter Nahrung feine, mikrometergroße Furchen und Täler an den Backenzähnen erzeugt. Gleichzeitig zerkauen die Tiere die Nahrung weniger, sodass größere Partikel erhalten bleiben und diese dann auch als größere Partikel im Kot ausgeschieden werden, als es gewöhnlich der Fall ist.

Darüber hinaus fand das Leipziger Forschungsteam Hinweise darauf, dass die auf dem westafrikanischen Subkontinent periodisch vorkommenden Staubwinde, die Schleifpartikel mit sich führen, eine ökologische Belastung für die lokale Umwelt darstellen. Die Taï-Schimpansen sind eine der wenigen Tierarten auf dem afrikanischen Kontinent, bei denen die Forschenden die Staubbelastung der Nahrung messen und einen direkten Zusammenhang zum Zahnabrieb der Tiere herstellen konnten.


 
Einfluss von Staub auf die Kauleistung von Schimpansen: Kotpartikelgröße und Zahnabrieb geben darüber Auskunft.

Weiterhin analysierten die Forschenden den Zusammenhang zwischen Zahnverschleiß und Nahrungszusammensetzung mithilfe von Langzeitbeobachtungsdaten aus der Datenbank des Taï-Schimpansenprojektes. Beim Sichten der Daten zur Fressdauer der Tiere aus den Jahren 1993 bis 2009 stellten sie fest, dass erwachsene Schimpansen sich von 48 verschiedenen pflanzlichen und sieben tierischen Quellen ernährten, häufig von Früchten und Samen, Nüssen und Blättern; sowie weniger häufig von Insekten, Pflanzenmark und kleinen Säugetieren. Während der Trockenzeit fressen Schimpansen über einen längeren Zeitraum hinweg vorwiegend Samen und Nüsse, nehmen aber weniger Insekten zu sich. Im Vergleich zu Männchen verbrachten Weibchen mehr Zeit mit dem Verspeisen von Früchten, Samen, Blättern, Insekten und Pflanzenmark, und weniger mit Nüssen, Samen und kleinen Säugetieren.

"Ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Ernährung auf der einen und des Zahnverschleißes auf der anderen Seite ist ein wichtiger erster Schritt, wenn es um die Rekonstruktion der Lebensumstände bereits ausgestorbener Menschenvorfahren geht", sagt Ellen Schulz-Kornas, die die Studie am ehemaligen Max-Planck-Weizmann-Zentrum für Integrative Archäologie und Anthropologie am MPI-EVA in Leipzig leitete. "Wenn wir die Ergebnisse der Studie auf größere Zeitspannen in der Menschheitsgeschichte übertragen, könnte Staub auch bei bereits ausgestorbenen Arten der Auslöser für eine verminderte Kauleistung gewesen sein und das Verdauungssystem belastet haben", betont Schulz-Kornas. "Dies könnte gerade auch in solchen Lebensräumen, die saisonalen Schwankungen ausgesetzt sind und eher zu einem trockenen Klima neigen – wie es zum Bespiel für die frühen Menschenvorfahren vor zwischen 3,2 und 1,3 Millionen Jahren im südlichen Afrika der Fall gewesen ist – besonders wichtig sein", sagt Schulz-Kornas.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 12 Meldungen

Meldung vom 21.03.2019

Besiedlung in Zeitlupe

Langzeitexperiment in der Tiefsee der Arktis zeigt: Sesshafte Tiere können in großen Wassertiefen nur extrem ...

Meldung vom 21.03.2019

Möglicher Ur-Stoffwechsel in Bakterien entdeckt

Mikrobiologen aus Braunschweig, Tübingen und Konstanz entdecken, wie Bakterien Eisen-Schwefel-Minerale als En ...

Meldung vom 20.03.2019

Herzerkrankungen: Giftige Qualle hilft der Forschung

Studie der Universität Bonn nutzt Lichtrezeptor des Tieres, um Regulation des Herzschlages zu untersuchen.

Meldung vom 20.03.2019

Optischer Sensor soll Pflanzenzüchtung beschleunigen

System der Uni Bonn untersucht, wie Genaktivitäten und Reflexions-Eigenschaften von Pflanzen zusammenhängen. ...

Meldung vom 20.03.2019

Fünf-Punkte-Plan zur Integration der Hobbyangler in Fischerei- und Gewässerschutzpolitik

Weltweit gibt es etwa fünfmal mehr Hobbyangler als Berufsfischer. Bisher berücksichtigt die internationale F ...

Meldung vom 19.03.2019

Artenreiche Gärten: Oasen im Siedlungsraum von hohem sozialen Wert

Grünräume wie Schreber- oder Hausgärten sind in städtischen Ballungszentren für viele Menschen ein Zufluc ...

Meldung vom 19.03.2019

Expertenservice zum Welttag des Wassers

Am 22. März 2019 ist Weltwassertag. Zu diesem Anlass nennen Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerö ...

Meldung vom 19.03.2019

Ausgeflattert: Zwei Drittel weniger Tagfalter

Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat in einem deutsch-polnischen Team die Auswirkungen verschiedener ...

Meldung vom 18.03.2019

Mikroben können auf Stickstoffmonoxid (NO) wachsen

Stickstoffmonoxid (NO) ist ein zentrales Molekül im Kreislauf des Elements Stickstoff auf der Erde. Eine Fors ...

Meldung vom 18.03.2019

Eine neue Schlangenart in Bayern - die Alpen-Barrenringelnatter

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) haben in der Alpenregion Bayerns eine bisher übe ...

Meldung vom 15.03.2019

Oszillation im Muskelgewebe

Wenn ein Muskel wächst oder eine Verletzung in ihm ausheilt, verwandelt sich ein Teil seiner Stammzellen in n ...

Meldung vom 14.03.2019

Lecker oder faulig- Ein abstoßender Geruch hemmt die Wahrnehmung eines angenehmen Duftes

In der Natur sind Essigfliegen unterschiedlichsten Duftgemischen ausgesetzt, die sowohl anziehende als auch ab ...


06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind

06.03.2019
Kenne Deinen Fisch!
06.03.2019
Leben ohne Altern
06.03.2019
Lebensraum Käse
06.03.2019
Domino im Urwald
06.03.2019
Trend-Hobby Imker
06.03.2019
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung