Stammesgeschichte europäischer Tagfalter



Bio-News vom 24.06.2020

Ein deutsch-schwedisches Team hat, unter Federführung des Senckenberg-Wissenschaftlers Martin Wiemers, erstmalig die Stammesgeschichte sämtlicher Tagfalterarten Europas aufgeklärt. In der kürzlich im Fachjournal „ZooKeys“ erschienenen Studie präsentieren die Forschenden die Evolutionsgeschichte der derzeit existierenden 496 europäischen Tagfalterarten und deren verwandtschaftliche Beziehungen untereinander. Ihre Studie bietet ein wichtiges Instrument für die evolutionsgeschichtliche und ökologische Forschung sowie für Schutzmaßnahmen der bedrohten Insekten.

Aktuell gibt es 496 Tagfalterarten in Europa – doch die Bestände sind vielerorts gefährdet. Allein in Deutschland stehen über die Hälfte der Tagfalterarten auf der Roten Liste, 5 Arten sind bereits ausgestorben, sowie 12 weitere Arten vom Aussterben bedroht. Europaweit sind 37 Arten gefährdet, darunter insbesondere Arten mit insularer Verbreitung, eine nur von Madeira bekannte Art ist bereits ausgestorben. „Umso wichtiger ist es, die verwandtschaftlichen Beziehungen der Arten untereinander und ihre evolutionäre Geschichte zu verstehen“, erklärt Dr. Martin Wiemers vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut im brandenburgischen Müncheberg.


Die Studie enthält molekulare Daten von 18 Lokalendemiten, von denen bisher keine DNA-Sequenzen verfügbar waren wie z.B. von diesem nur von Teneriffa bekannten Augenfalter.

Publikation:


Wiemers M, Chazot N, Wheat CW, Schweiger O, Wahlberg N
A complete time-calibrated multi-gene phylogeny of the European butterflies
ZooKeys 938: 97-124

DOI: 10.3897/zookeys.938.50878



Wiemers ist Erstautor einer gerade erschienenen Studie, in welcher die erste umfassende Stammesgeschichte der europäischen Tagfalter veröffentlicht wurde. „Wir haben hierzu sowohl vorhandene molekulare Daten aus verschiedenen genetischen Datenbanken gesammelt, als auch eigene Ergebnisse beigesteuert – darunter die DNA-Sequenzen von 18 sehr lokal verbreiteten Schmetterlingsarten, die bislang nicht zugänglich waren“, erläutert der Müncheberger Entomologe.

Schmetterlinge gelten als Indikatoren für stabile und gesunde Ökosysteme und tragen als Bestäuber von Pflanzen auch zum Überleben des Menschen bei. „Vereinfacht könnte man sagen: Geht es den Schmetterlingen schlecht, haben auch wir ein Problem“, so Wiemers und fährt fort: „Dennoch gab es bislang weder für Tagfalter noch für irgendeine andere größere Insektengruppe einen vollständigen und zeitlich kalibrierten Stammbaum für einen ganzen Kontinent.“

Die neuen Ergebnisse sollen zukünftig dabei helfen, lokale Diversitätsmuster besser zu verstehen, aktuelle und historische Vorgänge in der Natur voneinander zu trennen und die Dynamik von Artengemeinschaften zu begreifen – um letztlich das Aussterben der wichtigen Insekten zu verhindern.


Diese Newsmeldung wurde mit Material des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseen via Informationsdienst Wissenschaft erstellt

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