Soziale Beziehungen zwischen Wölfen modulieren ihr Heulen

Neues aus der Forschung

Meldung vom 25.08.2013

Wölfe heulen verstärkt, wenn Alphatiere verschwinden


140322-083707_medium.jpg
Francesco Mazzini, Simon W. Townsend, Zsófia Virányi und Friederike Range. 2013. Wolf howling is mediated by relationship quality rather than underlying emotional Stress. Current Biology
DOI: 10.1016/j.cub.2013.06.066
 
Wölfe heulen, um mit Rudelmitgliedern zu kommunizieren.
Foto: © Walter Vorbeck

Wölfe haben ihre eigene Art zu kommunizieren - sie heulen. Entfernt sich ein Wolf vom Rudel, heulen die restlichen Tiere. Wissenschafter des Messerli Forschungsinstituts an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) fanden nun heraus, dass die Beziehung zwischen den Wölfen von großer Bedeutung für die Intensität des Heulens ist. Emotionaler Stress scheint weniger ausschlaggebend zu sein. Die Resultate veröffentlichten die Forscher vor kurzem im renommierten Journal Current Biology.

Welche Funktion Tierlaute haben, wird in der Verhaltensbiologie intensiv erforscht. Eine der Hauptfragen lautet im Moment: Steuern Tiere ihre Lautäußerungen flexibel, oder werden diese eher durch emotionalen Stress ausgelöst? Diese Frage haben die Forscher in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Zürich und der Universität Parma nun bei Wölfen des Wolf Science Center im Wildtierpark Ernstbrunn untersucht.

Wölfe heulen verstärkt, wenn Alphatiere verschwinden

Dass Wölfe eher heulen, wenn sich hochrangige Rudelmitglieder und auch befreundete Partner von der Gruppe entfernen, fanden die Wissenschafter nun heraus. Friederike Range, aus der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung, erklärt: „Wir untersuchten insgesamt zwei Wolfsrudel. An der Leine sind wir mit einzelnen Tieren vom Rudel wegspaziert und haben dann das Heulverhalten der zurückgebliebenen Tiere beobachtet.“ Während der Trennung haben die Forscher das Heulen der zurückgebliebenen Tiere auf Video und Tonband aufgezeichnet. Verließ ein Alphatier das Rudel, wurde verstärkt geheult. Wurden sozial eng miteinander verbundene Wölfe getrennt, löste dies ebenso starkes Geheul aus.

Stress ist nicht ausschlaggebend für das Heulverhalten

Wie intensiv die Wölfe Heulen ist weniger von ihrem emotionalen Stress abhängig als von der Beziehung zum getrennten Tier. Nach so einem „Heulkonzert“ wurden Speichelproben von den Wölfen genommen und auf Stresshormone untersucht. Die gemessenen Cortisolmengen spiegelten nicht die Intensität des Heulens wider. Die Heulintensität wird also nicht nur über Stress gesteuert. Range erklärt: „Wir vermuten, dass Wölfe zumindest einen Teil ihres Heulens flexibel kontrollieren können.“

Wölfe heulen, wenn sich ihr Rudelmitglied offensichtlich weit entfernt

Die Forscher schickten die Wölfe nicht nur auf lange Spaziergänge, sondern brachten die einzelnen Tiere auch in einem benachbarten Gebäude unter. Die zurückgebliebenen Wölfe konnten in jeder Situation beobachten, wohin der Wolf geführt wurde, in den Wald oder in das Nebengebäude. Die Rudeltiere reagierten entsprechend. Befand sich das Tier im Nebengebäude, wurde nicht geheult und weniger Stresshormone wurden ausgeschüttet. Befand sich der Wolf hingegen auf einem Waldspaziergang, heulten die Wölfe umso länger und intensiver. Auch Stresshormone wurden vermehrt produziert. „Dies deutet darauf hin, dass es stressiger für Wölfe ist, wenn sich ein Rudelmitglied so weit entfernt, dass sie nicht mehr wissen, wo es ist“, erklärt Range.

Video zur Pressemitteilung (mp4)


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 14 Meldungen

Meldung vom 17.05.2019

Echoortung von Fledermäusen - Exzellente Navigation mit wenig Information

LMU-Forscher widerlegen bisherige Annahmen über die Echoortung: Fledermäuse haben deutlich weniger räumlich ...

Meldung vom 17.05.2019

Neues Petersilien-Virus von Braunschweiger Forschern entdeckt space

Neues Petersilien-Virus kommt im Raum Braunschweig und anderen Teilen Deutschlands vor.

Meldung vom 16.05.2019

Bettgenosse gesucht: Wer war der erste Wirt der Bettwanzen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der kooperativen Leitung des TUD Biologen Prof. Klaus Rein ...

Meldung vom 15.05.2019

Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter

Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen.

Meldung vom 15.05.2019

Übersatte Bakterien machen den Menschen krank

SFB 1182-Forschungsteam schlägt in einer neuen Hypothese vor, dass Entzündungskrankheiten durch ein Nahrungs ...

Meldung vom 15.05.2019

Große Fragen zur Rolle mikroskopischen Lebens für unsere Zukunft

Wie Mikroorganismen die dynamische Entwicklung unserer Erde beeinflussen.

Meldung vom 15.05.2019

Wälder tragen weniger zum Klimaschutz bei als vermutet

Eine Studie mit Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL könnte ein Dämp ...

Meldung vom 15.05.2019

Ausgezirpt - Drastischer Biomasseverlust bei Zikaden in Deutschland

In der April- Ausgabe der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Landschaft ...

Meldung vom 14.05.2019

Relaisstation im Gehirn steuert unsere Bewegungen

Die Relaisstation des Gehirns, die Substantia nigra, beherbergt verschiedene Arten von Nervenzellen und ist f ...

Meldung vom 14.05.2019

Archaeopteryx bekommt Gesellschaft

Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der LMU München be ...

Meldung vom 14.05.2019

Geschlechtsreife Aale bauen ihre Knochen ab

Um zu ihren Fortpflanzungsgebieten zu gelangen, schwimmen Europäische Aale mehrere Tausend Kilometer auf die ...

Meldung vom 13.05.2019

Universität Stuttgart benennt neue Bärtierchen-Art: Milnesium inceptum entdeckt

Eine neue Bärtierchen-Art wurde von Dr. Ralph Schill vom Institut für Biomaterialien und biomolekulare Syste ...

Meldung vom 13.05.2019

Anglerinnen und Angler sorgen für Fischartenvielfalt im Baggersee

Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben zusammen mit Fischere ...

Meldung vom 09.05.2019

Wie Stammzellen ein Gehirn korrekter Größe und Zusammensetzung bauen

Im Laufe der Gehirnentwicklung erzeugen Stammzellen unterschiedliche Typen von Neuronen zu unterschiedlichen Z ...


03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
25.08.2013
Kenne Deinen Fisch!
25.08.2013
Leben ohne Altern
25.08.2013
Lebensraum Käse
25.08.2013
Domino im Urwald
25.08.2013
Trend-Hobby Imker
25.08.2013
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung