Rostocker Forscher entdeckt neue Krabbe an der Ostseeküste

Neues aus der Forschung

Meldung vom 07.11.2016

Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach


Spektakuläre Funde an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern. Der Meeresbiologe Dr. Wolfgang Wranik von der Universität Rostock, entdeckte bei einem Schnorchelgang im Flachwasser der Wismarbucht eher zufällig neue Einwanderer, also so genannte Aliens. Konkret handelt es sich um die Asiatische Strandkrabbe (Hemigrapsus takanoi) und Vertreter der Kopfschildschnecken.

„Die Weibchen der Asiatischen Strandkrabbe können bis zu viermal im Jahr bis zu 50 000 Eier produzieren“, sagt Wranik. „Diese drei Zentimeter breiten und zumeist grau bis braun gefärbten Meerestiere sind ursprünglich im westlichen Pazifik an den Küsten Chinas und Japans beheimatet und aggressive, räuberische Allesfresser“, betont Dr. Wranik. Er vermutet, dass diese Meerestiere sich an der Außenhaut von Schiffen festgekrallt und so die Distanz aus asiatischen Gewässern bis in den Atlantik und die Nordsee überbrückt haben. Sie lassen sich sehr leicht von den anderen in der Ostsee vorkommenden Krabbenarten unterscheiden. Ein typisches Merkmal der Männchen sind pelzartige Strukturen an der Basis der Scheren.

Vor zwei Jahren entdeckten Kieler Biologen wohl auch eher zufällig solche Krabben in der Kieler Förde. Und nun also sind sie erstmals auf der Sedimentoberfläche in den küstennahen Gewässern von MV von Wolfgang Wranik gesichtet worden. Diese neuen Einwanderer leben versteckt unter Steinen oder anderem Hartsubstrat und sind deshalb nicht leicht auszumachen. Der Rostocker Meeresbiologe geht davon aus, dass diese Meerestiere seit 1993 über Ballastwasser oder durch am Aufwuchs der Außenhaut von Frachtern an die französische Küste gelangt sind. Seither breiten sie sich Jahr für Jahr entlang der französischen, belgischen, niederländischen und auch deutschen Nordseeküste aus, haben sich hier fest etabliert.

Anders bei der ebenfalls neu entdeckten Schneckenart. Die etwa ein Zentimeter großen Tiere besitzen eine blasenförmige, aber nur sehr dünnwandige Schale. „Die genaue Artbestimmung über äußere Merkmale ist schwierig“, sagt Wranik. Deshalb erfolge gegenwärtig eine DNA-Untersuchungen. „Dann wissen wir, mit welcher Art wir es zu tun haben und woher die Tiere stammen“.

Das Entdecken von zwei neuen, gebietsfremden Arten an der Ostseeküste von MV „ist sowohl beunruhigend als auch aufregend“, sagt die international erfahrene Rostocker Meeresbiologin Prof. Inna Sokolova. „Es ist noch zu früh zu sagen, ob die neuen Arten Auswirkungen auf die Ökosysteme von MV haben werden oder ob sie sogar in der Lage sind, nachhaltige Populationen zu etablieren“. Trotzdem sei ihr Eintritt in die Gewässer von MV besorgniserregend“, betont Prof. Sokolova. „Wegen der Unberechenbarkeit der möglichen Konsequenzen für das Ökosystem“. Die Forschung der Rostocker Meeresbiologin erstreckt sich über die Ökosysteme von der Atlantik-und Pazifikküste der USA, der Nordsee, dem arktischen Weißmeer und jetzt besonders auf die Ostsee.

Weltweit ist die Expansion invasiver Arten eine der wichtigsten Faktoren für den Verlust der biologischen Vielfalt. „Die Ostsee ist ein Hotspot für die Arteninvasion, mit etwa 100 gebietsfremden Arten, die in den letzten 150 Jahren in die Ostsee eingeführt wurden, meistens unabsichtlich durch die Schifffahrt“, sagt Prof. Sokolova. Zum Glück seien nur wenige der eingeführten Arten in der Ostsee invasiv (d.h. ökologisch oder wirtschaftlich problematischer) geworden. Allerdings bestehe das Potenzial, für die neue Spezies invasiv zu werden, insbesondere für opportunistische Raubtiere wie die Asiatische Krabbe. „Wir müssen nun die Lebensräume, die für diese Arten potenziell geeignet sind, genau überwachen, um festzustellen, ob sich die Alienspopulationen etablieren und ihre Reichweite in der Ostsee ausweiten werden“, benennt die Forscherin die Aufgaben. „Wir müssen auch mehr über ihre Ökologie und Physiologie in den neuen Lebensräumen lernen, um ihr Potenzial für die Verbreitung in den anderen Gebieten der Ostsee zu bestimmen und die Konsequenzen ihrer Ausbreitung für indigene Populationen von Pflanzen und Tieren zu bewerten. Zukünftige genetische Untersuchungen könnten die Herkunft der Eindringlinge bestimmen und verstehen, wie sie in unsere Gewässer gelangten, damit wir unsere Fähigkeit, künftige Invasionen zu verhindern, verbessern könnten.“


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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