Raben kooperieren – aber nicht mit jedem

Neues aus der Forschung

Meldung vom 10.10.2015

Raben merken sich Artgenossen, die sie "übers Ohr hauen"


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Wenn ein Artgenosse schummelte, wurde diesem in weiterer Folge die Zusammenarbeit verwehrt. Copyright: Jorg Massen, Universität Wien
Massen, J.J.M., Ritter, C. & Bugnyar, T. (2015). Tolerance and reward equity predict cooperation in ravens (Corvus corax). Scientific Reports, 5: 15021
DOI: 10.1038/srep15021

Raben können Aufgaben lösen, die ihnen nicht nur Koordination abverlangen, sondern auch Kooperation mit anderen voraussetzen – eine Fähigkeit, die bislang nur eine Handvoll Spezies wie Schimpansen und Elefanten besitzen. Kognitionsbiologen unter der Leitung von Thomas Bugnyar von der Universität Wien konnten dies in einem Experiment belegen und publizieren dazu aktuell in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Mehrere aktuelle Studien haben gezeigt, dass Raben zu den intelligentesten Vogelarten bzw. Tierarten überhaupt gehören. "Wir wissen bereits, dass Raben in freier Wildbahn in der Lage sind miteinander zu kooperieren, wenn sie ihre Jäger gemeinsam mobben. Durch unser experimentelles Set-up mit in Gefangenschaft lebenden Raben konnten wir nun beobachten, wie sie dies genau machen“, sagt Kognitionsbiologe Jorg Massen, Erstautor der Studie.

Bei diesem Experiment mussten zwei Raben simultan an beiden losen Enden eines Seiles ziehen, damit sich eine Plattform mit zwei Stückchen Käse in ihre Reichweite bewegt. Wenn jedoch nur ein Individuum alleine am Seil zieht, schlüpft dieses durch die Halterungen an der Plattform und die Vögel bekommen keinen Käse. "Ohne vorheriges Training haben die Raben diese Aufgabe durch Kooperation erfolgreich gelöst. Jedoch arbeiteten sie nicht mit jedem Artgenossen gleich gut im Team: Mit befreundeten Vögeln kooperierten sie lieber als mit Feinden", erzählt Massen.

Höchst interessant war auch die Reaktion der Tiere, wenn einer der Vögel "schummelte" und nicht nur sein Stück Käse nahm, sondern auch das Stück seines Mithelfers: Die Opfer solchen unfairen Verhaltens merkten sich das und boykottierten in der Folge die Zusammenarbeit mit diesen Individuen. "Eine so ausgereifte Art und Weise seinen Partner in Schach zu halten kannte man bis jetzt nur von Menschen und Schimpansen und stellt eine völlige Neuheit bei Vögeln dar", so Jorg Massen abschließend.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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