Göttinger Wissenschaftler analysieren Kosten und Perspektiven des Palmölanbaus

Neues aus der Forschung

Meldung vom 02.07.2018

Palmöl gehört zu unserem Alltag – es wird für Lebensmittel, Kosmetika und als Biokraftstoff verwendet. Die ökologischen und sozialen Kosten für die Palmölproduktion sind jedoch hoch. Jedes Jahr werden tausende Hektar Regenwald und andere Waldökosysteme in Ölpalmplantagen umgewandelt, um den welt-weit wachsenden Bedarf zu decken. Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen haben in einer Studie die Umweltauswirkungen des Ölpalmenanbaus in Indonesien untersucht. Neben einer Kosten-Nutzen-Analyse bieten die Autorinnen und Autoren umweltfreundlichere Lösungsansätze. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.


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Dr. Thomas Guillaume nimmt Bodenproben
Thomas Guillaume et al.
Carbon Costs and Benefits of Indonesian Rainforest Con-version to Plantations
Nature Communications (2018)
DOI: 10.1038/s41467-018-04755-y


Fast 85 Prozent der weltweiten Palmölproduktion finden allein in Indonesien und Malaysia statt. Ausgehend von Daten über Boden und Vegetation in Zentral-Sumatra verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Auswirkungen der Ölpalmmonokultur mit denen des intensiven und großflächigen Kautschu-kanbaus. Das Ergebnis: Die Umwandlung von Regenwaldflächen in Ölpalmplantagen führt zu den stärksten Kohlenstoffemissionen.

Ein Hektar umgewandeltes Land entspricht einem Verlust von 174 Tonnen Kohlenstoff, wobei der größte Teil des Kohlenstoffs als Kohlenstoffdioxid in die Luft gelangt. Hinzu kommt der Kohlenstoffverlust im Boden. Der intensive Kautschukanbau hingegen ist mit einem Verlust von 159 Tonnen Kohlenstoff verbunden, während der extensive Kautschukanbau, bei dem die natürliche Entwicklung des Bodens miteinbezogen wird, einem Verlust von 116 Tonnen entspricht. Dieser Unterschied der Kohlenstoffemissionen ist vor allem auf die kürzeren Rotationszeiten von Ölpalmplantagen im Vergleich zu Kautschukplantagen zurückzuführen. Allerdings ist der Ölpalmanbau effizienter als der Kautschukanbau in Bezug auf die Anzahl der jährlich produzierten Tonnen Biomasse gegenüber den daraus resultierenden Kohlenstoffemissionen.

Um kurzfristige Umweltauswirkungen der Monokulturen zu verringern, schlagen die Autorinnen und Autoren vor, Wälder nur dann in Ölpalmplantagen umzuwandeln, wenn das geschlagene Holz nicht verbrannt, sondern zum Beispiel für Bauzwecke genutzt werden kann. Zudem sollte eine reichlich vorhandene Schicht aus Pflanzenabfällen auf dem Boden belassen werden, um als natürlicher Dünger zu fungieren und den Oberflächenabfluss zu reduzieren. Abfälle aus Palmölmühlen können als zusätzlicher organischer Dünger in den Plantagen dienen.

Als nachhaltigen Ansatz schlägt Prof. Dr. Stefan Scheu, Projektsprecher und Co-Autor der Studie, vor: „Rückstände von Palmwedeln können als Mulchmaterial und organischer Dünger verwendet werden, um den internen Nährstoffkreislauf zu erhöhen und sowohl Oberflächenabfluss als auch Bodenerosion zu verhindern. Außerdem zeigen die jüngsten Ergebnisse unseres Projekts, dass das Pflanzen zusätzlicher Baumarten auf Ölpalmplantagen dazu beiträgt, die negativen Umweltauswirkungen von Ölpalmmonokulturen zu mildern, ohne die Ölpalmerträge oder das Einkommen der Plantagenbauern zu reduzieren.”


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw


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