Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme

Neues aus der Forschung

Meldung vom 21.08.2018

Der Klimawandel beeinflusst in zunehmendem Maße auch die Ozeane. Temperatur und Meeresspiegel steigen, der Säuregrad des Meerwassers nimmt zu, der Sauerstoffgehalt verringert sich. Diese Prozesse haben auch einen Einfluss auf die marinen Ökosysteme und werden deshalb intensiv untersucht. Eine internationale Gruppe mariner Ökologen warnt aber davor, nur den Einfluss dieser langfristigen Änderungen („Ozeanklima“) zu betrachten. Insbesondere rasche Fluktuationen physikalischer, chemischer und biologischer Faktoren haben einen sehr großen Einfluss auf die Lebewelt im Meer. Dieses „Ozeanwetter“ wird extremer, ist aber in bisherigen Studien kaum berücksichtigt.


180828-1535_medium.jpg
 
Seetang (Fucus) ohne (links) und unter dem Einfluss einer Hitzewelle in einem kontrollierten Benthokosmen-Experiment.
Bates, A., B. Helmuth, M. T. Burrows, M. I. Duncan, J. Garrabou, T. Guy-Haim, F. Lima, A. M. Queiros, R. Seabra, R. Marsh, J. Belmaker, N. Bensoussan, Y. Dong, A. D. Mazaris, D. Smale, M. Wahl, G. Rilov
Biologists ignore ocean weather at their peril
Nature 560, 299-301
DOI: 10.1038/d41586-018-05869-5


Der Klimawandel verändert unseren Planeten, zwar stetig, aber langsam, manchmal kaum wahrnehmbar, insbesondere im Ozean laufen diese Prozesse noch langsamer ab. In den Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels auf marine Ökosysteme stehen diese schleichenden Änderungen im Vordergrund, zwei Grad Erwärmung in 100 Jahren oder das Absinken des ph-Wertes im 0.1-0.2. Dabei gibt es zunehmend starke und schnelle Schwankungen, denen die Meeresumwelt ständig ausgesetzt ist, die aber in den bisherigen Untersuchungen kaum eine Rolle spielen. Dabei haben sie ein beträchtliches Potenzial, die Folgen des Klimawandels zu modellieren – zu puffern oder zu verstärken. Deshalb fordert ein internationales Team von marinen Ökologen, diese rapiden Schwankungen in zukünftigen Studien mit einzubeziehen. Der Beitrag der Gruppe, an dem auch zwei Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel mitwirkten, ist jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Nature erschienen.

Ein Grad höhere Wassertemperatur in den Tropen kann schon darüber entscheiden, ob es zu einer Korallenbleiche kommt oder nicht. Auf der anderen Seite kann die Wassertemperatur innerhalb eines Tidenzyklus in Küstennähe um bis zu 10 Grad schwanken. „Marine Ökosysteme sind auf unterschiedliche Art und Weise an so rasche Schwankungen, die wir das ‚Ozeanwetter‘ nennen, angepasst“, sagt Prof. Dr. Martin Wahl, Leiter der benthischen Ökologie am GEOMAR und Ko-Autor des Beitrags. „Diese Stresstoleranz der Organismen und wie diese sich unter Fluktuationen verschiebt, wird aber bei vielen Experimenten zum Klimawandel nicht berücksichtigt. Zum Teil ist dies auch schwierig, da nutzbare Beobachtungsdaten fehlen und entsprechende Experimente sehr anspruchsvoll sind“, so Professor Wahl weiter. Oft steht nur eine vom Satelliten gemessenes Meeresoberflächentemperatur zur Verfügung, die nur eine Information über den obersten Millimeter der Wassersäule wiedergibt, mit einer groben horizontalen Auflösung. „Die kleinskalige und für Organismen relevante Welt ist ganz anders, und es ist wichtig herauszufinden, welche Auswirkungen die raschen Schwankungen auf Tiere und Pflanzen im Meer haben“, ergänzt Dr. Tamar Guy-Haim vom GEOMAR, ebenfalls Ko-Autorin der Studie.

„Dafür benötigen wir mehr hochaufgelöste Daten zur Umweltvariabilität über möglichst lange Zeiträume, aber auch anspruchsvollere Experimente“, fordert Prof. Wahl. Eine Studie zu einem globalen Temperaturanstieg von zwei Grad sei auch in der Atmosphäre wenig aussagekräftig, wenn die regionalen Veränderungen, aber auch saisonale Schwankungen und Extremereignisse nicht betrachtet werden. So würden sich im langfristigen Trend Dürren, wie wir sie im Moment hierzulande erleben, gar nicht abbilden, diese hätten aber drastische und langfristige Auswirkungen auf die Ökosysteme, so Prof. Wahl abschließend.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 19.01.2019 14:41

Sehen was du fühlst

Gefühle, Motivation und Handlungen entstehen in unserem Gehirn. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Kommunik ...

Meldung vom 19.01.2019 14:29

Wenn für Fischlarven die Nacht zum Tag wird

Biologinnen der Universität Siegen haben herausgefunden, dass Zebrafischlarven Infrarotlicht wahrnehmen könn ...

Meldung vom 19.01.2019 14:22

Süßwasserfische der Mittelmeerregion in der Klimakrise

Viele Süßwasserfische Europas sind durch den Klimawandel zukünftig stark bedroht. Dies gilt insbesondere f ...

Meldung vom 19.01.2019 14:12

Auch künstlich erzeugte Zellen können miteinander kommunizieren: Modelle des Lebens

Friedrich Simmel und Aurore Dupin, Forschende an der Technischen Universität München (TUM), ist es erstmals ...

Meldung vom 19.01.2019 14:05

Insekten lernten das Fliegen erst an Land

Analyse genetischer Daten weist auf Bodenoberfläche als Lebensraum ursprünglicher Fluginsekten hin.

Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung