Zwergfüßer

Zwergfüßer
Symphyla (unknown species).jpg

Zwergfüßer (Symphyla)

Systematik
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Tracheentiere (Tracheata)
Überklasse: Tausendfüßer (Myriapoda)
Klasse: Zwergfüßer
Wissenschaftlicher Name
Symphyla

Die Zwergfüßer (Symphyla) sind eine Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda) und werden bei den Tausendfüßern (Myriapoda) eingeordnet. Weltweit sind etwa 150 Arten dieser sehr kleinen, pigment- und augenlosen Tiere bekannt. Sie werden maximal 9 mm lang.

Lebensweise der Zwergfüßer

Die Zwergfüßer leben hauptsächlich in der obersten Bodenschicht (Mulm), unter Dunghaufen sowie unter Steinen. Dabei ernähren sie sich von verrottenden und auch von lebenden Pflanzenteilen. Bei Massenauftreten können sie vor allem in Gärtnereien (auch in Gewächshäusern) als Schädlinge wirken.

Bau der Zwergfüßer

Wie alle Angehörigen der Myriapoden zeichnen sich die Zwergfüßer vor allem durch eine einheitliche Gliederung der Körpersegmente aus. Die Zwergfüßer besitzen immer 12 Segmente, die jeweils ein Laufbeinpaar tragen. Betrachtet man sie von oben, kann man allerdings häufig mehr als 12 Rückenplatten erkennen (bei Scutigerella 15, ansonsten bis 25), da einige Segmente zwei dieser als Tergite benannten Strukturen ausbilden. Die Beine sind gleichförmig gebaut, lediglich das erste Beinpaar kann weniger Glieder besitzen oder vollständig fehlen. An den Beinen 2 - 12 besitzen die Tiere ausstülpbare Säckchen (Coxalorgane), an den Beinen 3 - 12 zusätzlich griffelartige Strukturen (Styli).

Der Kopf der Tiere ist flach und besitzt an der Unterseite mehrere flach anliegende Mundwerkzeuge (Mandibeln und zwei Paar Maxillen). Das zweite Maxillenpaar bildet eine Unterlippe. Die Antennen setzen sich aus einer Kette gleichartiger Antennenglieder zusammen und bilden eine so genannte Gliederantenne. Anders als alle anderen Tracheentiere besitzen die Zwergfüßer nur ein einziges Paar Tracheenöffnungen (Stigmen) nahe der Mandibelbasis, von wo aus verzweigte Tracheen bis in das 4. Rumpfsegment ziehen.

Das Hinterende trägt ein Paar Spinngriffel, die mit Spinndrüsen im Körper verbunden sind, sowie ein Paar Mechanorezeptoren (Trichobothrien).

Fortpflanzung und Entwicklung

Zur Begattung bildet das Männchen der Zwergfüßer (beobachtet bei Scutigerella) einen langen Sekretstiel, auf dem es einen Spermatropfen absetzt. Dieser Tropfen wird von den Weibchen aufgenommen und im Mundvorraum gelagert. Danach setzt es einzeln an Blättern von Moosen die Eier ab und befruchtet sie dort mit Hilfe des Spermavorrats.

Die Jungtiere der Zwergfüßer schlüpfen mit einer deutlich verminderten Beinzahl (Scutigerella mit sieben Beinpaaren) und bekommen mit jeder Häutung ein neues Beinpaar hinzu, bis alle Segmente vorhanden sind. Auch dann häuten sich die Tiere weiter.

Systematik der Zwergfüßer

Die Zwergfüßer bilden aufgrund der Darm- und Fettkörperbildung innerhalb des Dotters sowie des Aufbaus der Mechanorezeptoren (Trichobothrien) gemeinsam mit den Dignatha (Doppelfüßer und Wenigfüßer) das Taxon Progoneata. Dieser Gruppe werden gemeinhin die Hundertfüßer als Schwestergruppe gegenübergestellt.

Die europäischen Arten der Zwergfüßer werden in zwei Familien aufgeteilt, die Scolopendrellidae (beispielsweise mit Symphylella vulgaris) und die Scutigerellidae (mit Scutigerella immaculata, S. tusca, S. pagesi, S. remyi und S. silvatica). Aus beiden Familien sind inzwischen Fossilien bekannt. Ein Vertreter der Gattung Scolopendrella aus dem Baltischem Bernstein stellt den einzigen fossilen Scolopendrelliden dar [1]. Innerhalb der Scutigerelliden sind zwei Arten aus dem Baltischem Bernstein [2] und eine aus dem Dominikanischen Bernstein bekannt [3].

Literatur

  • Wolfgang Dohle: Progoneata, in: W. Westheide, R. Rieger (Hrsg.): „Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere“; Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena; Seiten 592–600

Weblinks

 Commons: Symphyla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelnachweise

  1. George O. Poinar, Jr.: Life in Amber. 350 S., 147 Fig., 10 Tafeln, Stanford University Press, Stanford (Cal.) 1992. ISBN 0-8047-2001-0 unter Bezugnahme auf A. Bachofen-Echt: Ueber die Myriapoden des Bernsteins. In Palaeobiologica 7, 1942; A. Bachofen-Echt: Der Bernstein und seine Einschlüsse. Wien, 1949
  2. Scheller, U. & J. Wunderlich (2004): Two fossil symphylan species, Scutigerella baltica n. sp. and Hanseniella baltica n. sp. (Tracheata, Scutigerellidae), in Baltic amber. - Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie B (Geologie und Paläontologie) 351: 1-11
  3. Poinar, G. O. & C. A. Edwards (1995): First description of a fossil symphylan, Scutigerella dominicana sp. n. (Scutigerellidae, Symphyla), in Dominican amber. - Experientia 51: 391-393

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