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Das Synchrotron ist ein Typ des Teilchenbeschleunigers und gehört zu den Ringbeschleunigern. Geladene Elementarteilchen oder Ionen können darin auf sehr hohe (relativistische) Geschwindigkeiten beschleunigt werden, wodurch sie sehr hohe kinetische Energien erhalten.

Die grundlegenden Konzepte für das Synchrotron wurden unabhängig in Russland von Wladimir Iossifowitsch Weksler (1944 am Lebedew-Institut) und von Edwin McMillan (während des Zweiten Weltkriegs in Los Alamos) entwickelt.

Anlage eines Synchrotrons im australischen Clayton.

Eine Sonderform des Synchrotrons ist der Speicherring. Auch eine Gesamtanlage aus Speicherring und Synchrotron zu dessen Füllung wird manchmal einfach als Synchrotron bezeichnet.

Aufbau

Schema des Elektronen-Synchrotrons SOLEIL in Frankreich

Zur Beschleunigung wird ein passend synchronisiertes hochfrequentes elektrisches Wechselfeld (Mikrowellen) verwendet. Die Teilchen werden durch – abhängig von der erreichten Energie – nachgeregelte Magnetfelder auf eine in sich geschlossene Bahn geleitet und erreichen dabei Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit. Damit die Teilchen nicht durch Stöße mit Gasteilchen verlorengehen, liegt die komplette Bahn in einem Röhrensystem, in dem ein Vakuum, genauer Ultrahochvakuum (UHV), herrscht.

Elektronensynchrotron

Beim Elektronensynchrotron erzeugt eine Glühkathoden-Elektronenquelle freie Elektronen, die dann über eine Gleichspannungs-Beschleunigungsstrecke in einen Linearbeschleuniger, ein Mikrotron oder sogar schon in einen ersten Synchrotron-Beschleunigungsring geleitet werden (siehe Bild). In diesem werden die Elektronen bis zu einer Endenergie elektrodynamisch beschleunigt und dann – im Fall einer Speicherringanlage – in einem Elektronenspeicherring gespeichert, der bis zu einigen hundert Metern Umfang haben kann. Die Elektronen werden dort so lange gehalten, bis sie durch Kollisionen mit Restgasmolekülen unter die verwertbare Dichte verringert sind. Bei modernen Synchrotronen wie BESSY oder der ESRF beträgt die Lebensdauer des Elektronenstroms im Speicherring einige Tage; allerdings werden in regelmäßigen Abständen Elektronen zugeführt, um einen ausreichenden Ringstrom für die Experimente und Anwendungen bereitzustellen.

Synchrotronstrahlung

An Elektronensynchrotrons wurde erstmals die intensive und breitbandige elektromagnetische Strahlung (Synchrotronstrahlung) nachgewiesen, die aufgrund der Ablenkung sehr schneller geladener Teilchen entsteht. Sie war 1949 von Julian Schwinger theoretisch beschrieben worden. Sie trat anfangs an Beschleunigern für die teilchenphysikalische Forschung störend in Erscheinung, da ihre Abstrahlung den Teilchen Energie entzieht. Aufgrund ihrer Beschaffenheit eignet sie sich andererseits für Untersuchungen in anderen Bereichen der Physik sowie weiterer Naturwissenschaften, aber auch für industrielle und medizinische Anwendungen. Die Synchrotronstrahlung wird daher inzwischen gezielt produziert, wozu nicht mehr die zur Führung des Teilchenstrahls benötigten Dipolmagneten eingesetzt werden, sondern sogenannte Undulatoren. Ein Undulator hat den Vorteil, dass sein Emissionswinkel schmaler als beim Wiggler ist, es treten allerdings Harmonische der emittierten Photonenenergie auf. Wiggler haben ein breiteres Strahlungsspektrum als Undulatoren und ihre Magnete werden typischerweise in der Anordnung eines Halbach-Arrays gebaut.

Polarisation der Synchrotronstrahlung

Die Synchrotronstrahlung ist in Richtung der Ringebene polarisiert. Sie eignet sich dadurch gut, um magnetische Materialien mittels mikromagnetischer Untersuchung zu charakterisieren. Die lineare Polarisation kann mittels mechanischer Phasenverschiebung der Magnetisierungsregionen in einem Undulator in zirkulare Polarisation umgewandelt werden; dies ermöglicht höhere Kontraste bei der Untersuchung der Magnetisierungsregionen magnetischer Materialien. Die Bestrahlung racemischer organischer Verbindungen mit zirkular polarisierter Synchrotronstrahlung erlaubt es etwa, in chiralen Aminosäuren einen Enantiomerenüberschuss zu erzielen.

Energie

Die etwa 1 m lange Kette von supraleitenden Hohlraumresonatoren im Teilchenbeschleuniger DESY erzeugt ein periodisches Wechselfeld mit 1,3 GHz, das die Elektronen beschleunigt.

Die maximale Teilchenenergie, die in einem bestimmten Synchrotron erreicht werden kann, ist abhängig von der maximalen magnetischen Flussdichte B, vom Radius r des Rings und von den Teilcheneigenschaften. Es gilt für hohe Energien näherungsweise:

$ E_\mathrm{max} \approx r \cdot q \cdot B \cdot c $

Dabei ist r der Radius des Synchrotronbeschleunigers, q die Ladung des beschleunigten Teilchens, B die magnetische Flussdichte der Ablenkmagneten und c die Lichtgeschwindigkeit. In der Formel ist keine Abhängigkeit von der Masse des Teilchens ersichtlich, allerdings wurde die Abgabe von Synchrotronstrahlung nicht beachtet. Leichtere Teilchen sind bei gleicher Energie schneller (genauer: haben höhere relativistische γ-Faktoren; da die Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit sind, ist der Geschwindigkeitsunterschied sehr klein) als schwerere Teilchen und strahlen daher stärker. Der Energieverlust durch diese Synchrotronstrahlung muss durch die elektrische Beschleunigung ausgeglichen werden. Deshalb erreicht man mit Elektronen in Synchrotronen meist nur ca. 10 GeV, höherenergetische Elektronen kann man leichter mit Linearbeschleunigern erzeugen. Protonenenergien hingegen sind in modernen Synchrotronen hauptsächlich nach obiger Formel durch Radius und Magnetfeldstärke beschränkt.

Verwendung

Die in Synchrotronen beschleunigten Teilchen werden in der Regel dazu verwendet, um Kollisions- oder Targetexperimente durchzuführen (Teilchenphysik). Zur Erzeugung von Synchrotronstrahlung verwendet man in der Regel Elektronen-Speicherringe.

Übersicht über einzelne Synchrotrone

  • ALS (Advanced Light Source), Lawrence Berkeley National Laboratory, Berkeley, USA
  • Advanced Photon Source in den USA
  • ALBA an der Autonomen Universität Barcelona, Cerdanyola del Vallès, Spanien
  • ANKA (Angströmquelle Karlsruhe)
  • BESSY (Berliner ElektronenSpeicherring-Gesellschaft für SYnchrotronstrahlung) in Berlin (am WISTA in Adlershof)
  • CERN (frz. Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire, das Europäische Kernforschungslabor) bei Meyrin im Kanton Genf, Schweiz
  • CLS (Canadian Light Source)
  • COSY (Cooler Synchrotron im Forschungszentrum Jülich)
  • DELTA (Dortmunder Elektronen Speicherring Anlage)
  • DESY (Forschungszentrum Deutsches Elektronen-Synchrotron)
  • Diamond (Diamond Light Source) South Oxfordshire, UK
  • ELETTRA (ELETTRA Synchrotron Light Laboratory) in Triest, Italien
  • Elektronen-Stretcher-Anlage (ELSA) Universität Bonn
  • ESRF (European Synchrotron Radiation Facility) in Grenoble
  • SIS18 und ESR am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, Darmstadt
  • HIT (Heidelberger Ionenstrahl-Therapie, Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ)
  • LNLS (Laboratório Nacional de Luz Síncrotron) in Campinas, Bundesstaat São Paulo, Brasilien
  • MAMI (Mainzer Microtron) Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • MAX-LAB (MAX-LAB Synchrotron Radiation Facility) in Lund, Schweden
  • MLS (Metrology Light Source) in Berlin, Deutschland
  • NSLS (National Synchrotron Light Source) am Brookhaven National Laboratory, Long Island, USA
  • OPTIVUS (Loma Linda University Medical Center in Californien) USA
  • SESAME (Synchrotron-light for Experimental Science and Applications in the Middle East) in Allaan, Jordanien
  • SOLEIL (Synchrotron SOLEIL) in GIF-sur-YVETTE, bei Paris, Frankreich
  • SPring-8 (Super Photon ring-8 GeV) in Japan
  • SSRF in Shanghai
  • SLS (Swiss Light Source) am Paul Scherrer Institut in der Schweiz
  • SSLS (Singapore Synchrotron Light Source an der National University of Singapore)
  • UVSOR II (Ultraviolet Synchrotron Orbital Radiation Facility) in Okazaki, Japan

Weblinks


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