Spiraldarm

Spiraldarm des Karibik-Ammenhaies (Ginglymostoma cirratum), partiell aufgeschniiten. Zugang vom Magen rechts, Abgang zum Enddarm links im Bild.

Der Spiraldarm, auch Intestinum spirale, ist ein Organ niedererer Fische und kommt bei Haien, Rochen, Kurznasenchimären und einigen ursprünglichen Knochenfischen (Nicht-Teleostei) vor. Die zur Verdauung nötige Vergrößerung der inneren Oberfläche des Darms wird bei diesen Wirbeltieren nicht durch eine Darmverlängerung und Schleifenbildung, wie bei Echten Knochenfische und Landwirbeltieren, sondern durch eine wie eine enge Wendeltreppe gewundene Falte im kurzen, zigarrenförmigen und geraden Darm erreicht. Maximal können fast 60 Umgänge vorhanden sein. Es gibt aber auch spindellose und rouladenartig eingerollte Spiralfalten.

Der Name ist (seit Rathke 1824) fest eingebürgert - er ist aber unpräzise, eine echte (Doppel-)Darmspirale wie bei Kaulquappen gibt es nur selten, z.B. beim Bitterling. Bei Campostoma anomalum (Cyprinidae) ist der Mitteldarm ca. achtmal (schraubig) um die Schwimmblase „gewickelt“. Mit dem „echten“ Spiraldarm haben diese Fälle aber nichts zu tun.

Evolutionsgeschichtlich ist der Spiraldarm sowohl Ergebnis einer Vergrößerung der verdauenden und resorbierenden Oberfläche der Schleimhaut, dient durch seine hohe innere Stabilität (im Sinne von Wolfgang Friedrich Gutmann) aber auch der mechanischen Unterstützung der Chorda dorsalis. Diese Funktion konnte bei höher entwickelten Taxa wieder entfallen, da die Wirbelsäule sie mehr und mehr übernahm.

Der Spiraldarm ist zweifellos ein altes (plesiomorphes) Merkmal der Kiefermäuler, vielleicht sogar der Wirbeltiere. Schon von Arthrodira sind schraubige Koprolithen bekannt; Neunaugen haben zumindest eine „Spiral-“(Schrauben-)Falte, die vielleicht eine Rückbildung aus einem Spiraldarm darstellt. (Nur die Schleimaale haben (primär?) nichts dergleichen, sondern lediglich unregelmäßige, grobe Schleimhaut-Falten.) Bei den Haien beginnt der Spiraldarm gleich hinter dem Magen und macht den gesamten Mitteldarm aus. Bei Stören finden wir hingegen bereits eine Mitteldarmschlinge, den „Zwischendarm“; der Spiraldarm ist auf dessen absteigenden Ast beschränkt. Amia hat noch vier Umgänge, Lepisosteus praktisch keine mehr; s. auch Chirocentrus.

Quellen

  • Stichwort Spiraldarm in Lexikon der Biologie. ISBN 3-451-19648-4
  • Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6

Die News der letzten Tage

22.11.2022
Meeresbiologie | Ökologie
Mikro- und Nanoplastik in Foraminiferen: eine Gefahr?
Einzeller mit Kalkgehäuse, Foraminiferen genannt, tragen maßgeblich zur Entstehung von Sand bei, der an Stränden, Inseln und Küstengebieten abgelagert wird.
22.11.2022
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Mikrobiologie | Physiologie
Eine komplizierte Mikrobe: Methanothermococcus thermolithotrophicus
Forschende kultivieren erfolgreich einen Mikroorganismus, der gleichzeitig Stickstoff (N2) fixiert sowie Methan (CH4) und Ammoniak (NH3) produziert und decken spannende Details seines Stoffwechsels auf.
21.11.2022
Klimawandel | Ökologie
Was sagen Regenwurm-Ausscheidungen über das eiszeitliche Wetter aus?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eines internationalen Forschungsprojekts haben eine neue Methode angewendet, um das Klima der Vergangenheit zu rekonstruieren.
20.11.2022
Amphibien- und Reptilienkunde | Genetik | Taxonomie
Jetzt ist es sicher: Die vierte Anakonda-Art wurde verifiziert
Anhand alter noch vorhandener, aber bislang nicht ausgewerteter DNA-Proben gelang es einem Team, den Artstatus der bis über vier Meter lang werdenden Riesenschlange Eunectes beniensis molekulargenetisch abzusichern.
17.11.2022
Biochemie | Immunologie | Zytologie
Neue Einblicke in die Funktion von Mitochondrien
Mitochondrien sind vor allem als die Kraftwerke der Zellen bekannt, diese Zellorganellen sind aber nicht nur für die Energiebereitstellung von Bedeutung.
17.11.2022
Meeresbiologie | Taxonomie
Dornenkronenseesterne aus dem Roten Meer sind endemisch!
Neben dem Klimawandel stellen korallenfressende Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.
17.11.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Eisbedeckung im Südpolarmeer: Auswirkungen auf Meiofauna und Makrofauna
Wissenschaftlerinnen haben erstmals untersucht, wie sich Gemeinschaften von Meiofauna und Makrofauna unter verschiedenen Umweltbedingungen im Südpolarmeer zusammensetzen.
16.11.2022
Biochemie | Physiologie
Pflanzen zwischen Licht und Schatten
In der Forschung werden Pflanzen häufig unter konstantem Licht angezogen, was nicht den natürlichen Bedingungen in der Natur entspricht.