Raubspinnen


Raubspinnen

Listspinne (Pisaura mirabilis)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Lycosoidea
Familie: Raubspinnen
Wissenschaftlicher Name
Pisauridae
Simon, 1890

Die Raubspinnen (Pisauridae) umfassen 336 Arten in 53 Gattungen; die artenreichste Gattung ist Dolomedes. Die mit den Wolfspinnen verwandten Raubspinnen sind vorwiegend in tropischen und subtropischen Gegenden verbreitet. In Mitteleuropa sind nur drei Arten der Familie anzutreffen: Die Gerandete Jagdspinne Dolomedes fimbriatus, Dolomedes plantarius und die Listspinne Pisaura mirabilis. Eine im Katalog von Norman Platnick aufgeführte von Simon 1937 beschriebene vierte Art Dolomedes clercki wurde in der Revision von Franz Renner eindeutig mit der bereits 1757 von Clerck beschriebenen Art Dolomedes plantarius synonymisiert, ist also keine eigenständige Art. Raubspinnen weisen typische Verhaltensweisen der Überfamilie der Lycosoidea auf.

Etymologie

Gerandete Jagdspinne - Weibchen auf der Kinderstube mit Jungen (Dolomedes fimbriatus)

Pisauridae heißen meist Raubspinnen (z.B. Bellmann 1997) als auch Jagdspinnen (Schaefer 1971, Heimer u. Nentwig 1991, Platen und Mitarb. 1995). Im Englischen nennt man sie nursey-web spiders, nursey web weavers, big wolf spiders, fisher spiders (Gertsch 1979,u.a.) oder Pisaurids (Bristowe 1971), im Französischen Les Pisaurids (Simon 1898) oder Pisauridae (Millot 1968, Hubert 1979), im Niederländischen Grote Wolfspinnen (van Katwijk 1976) oder Kraamwebspinnen (Roberts 1998).

Die Bezeichnung Jagdspinnen vermeidet die Silbe "Raub", die im Unterschied zu Greifvögeln gar keinen Sinn ergibt. Dieser Begriff kann jedoch zu Verwechslungen führen, da er auch für andere Familien verwendet wird, z.B. die Riesenkrabbenspinnen. Zum anderen sind die Pisauriden ökologisch gesehen keine Jäger, sondern bauen Fang- und Wohnnetze. Auch die Jugendstadien der heimischen Arten, die als Erwachsene Jäger sind, d.h. auf Beute in der Krautschicht oder am Wasserrand lauern, leben in kleinen Netzen. Da nur einige Arten als Erwachsene Ufer bewohnen und dort meist Beute von der Wasseroberfläche wegfangen und nur selten fischen (d.h. Kaulquappen und Fische fangen), ist Fischerspinnen als Familienname ebenso ungeeignet. Rainar Nitzsche nennt sie nach englischem Vorbild Kinderstubennetzspinnen.

Literatur

  • Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Thieme, Stuttgart 1979.
  • Hänggi, Stöckli und Nentwig: Lebensräume mitteleuropäischer Spinnen. Centre Suisse de cartographie de la faune, Neuchatel, 1995.
  • Dick Jones: Der Kosmos Spinnenführer. Kosmos, 1990.
  • P. Lenler-Eriksen: The hunting-web of the young spider Pisaura mirabilis. - J. Zool. Lond. 157: 391-398
  • Rainar Nitzsche: Die Spinne mit dem Brautgeschenk. Pisaura mirabilis (Clerck, 1757) (Pisauridae) und das Paarungsverhalten verwandter Arten der Familie Pisauridae. Nitzsche, 1999, 2007
  • Franz Renner: Revision der europäischen Dolomedes-Arten (Araneida: Pisauridae). - Stuttgarter Beitr. Naturk. Ser. A (406): 1-15

Weblinks

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