Loratadin

Strukturformel
Strukturformel von Loratadin
Allgemeines
Freiname Loratadin
Andere Namen
  • IUPAC: 4-(8-Chlor-5,6-dihydro-11H-benzo[5,6] cyclohepta[1,2-b]pyridin-11-yliden)piperidin- 1-carbonsäureethylester
  • Latein: Loratadinum
Summenformel C22H23ClN2O2
Kurzbeschreibung

weißes bis fast weißes, polymorphes, kristallines Pulver [1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 79794-75-5
PubChem 3957
DrugBank DB00455
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Arzneistoffangaben
ATC-Code

R06AX13

Wirkstoffklasse

Systemische Antihistaminika

Wirkmechanismus

Antagonist an Histamin-H1-Rezeptoren

Eigenschaften
Molare Masse 382,88 g·mol−1
Schmelzpunkt

134–136 °C [2]

Löslichkeit
  • praktisch unlöslich in Wasser (0,011 mg·l−1 bei 25 °C)[2]
  • leicht löslich in Aceton und Methanol [1]
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Loratadin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antihistaminika, der zur Linderung der Beschwerden bei Allergien und beim atopischen Ekzem (Neurodermitis) eingesetzt wird. Es wurde 1989 in Deutschland eingeführt und ist seit 1994 nicht mehr verschreibungspflichtig. In Deutschland sind Fertigarzneimittel mit Loratadin als Tablette oder Brausetablette erhältlich, in den USA und Großbritannien gibt es zusätzlich Saft.

Wirkmechanismus

Loratadin ist ein H1-Antihistaminikum der 2. Generation. Es blockiert die speziellen Bindungsstellen für Histamin an den Histamin-H1-Rezeptoren. Histamin findet somit nicht mehr genügend freie Bindungsstellen, um seine Wirkungen (z. B. Hautrötung, Juckreiz, Blutdruckabfall und Bronchospasmen) auszuüben. Als Vertreter der 2. Generation der H1-Antihistaminika ist Loratadin weitgehend frei von Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem, wie z. B. Sedierung. Loratadin wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).[4] Die Plasmahalbwertszeit liegt bei ca. acht Stunden, die der Metaboliten bei 12 bis 24 Stunden.

Nebenwirkungen

Neben unspezifischen Nebenwirkungen wie Kopfschmerz, Müdigkeit und Störungen des Magen-Darm-Traktes treten gelegentlich Mundtrockenheit und in Einzelfällen Haarausfall, Leberfunktionsstörungen und allergische Reaktionen auf. Vereinzelt werden auch Herzrhythmusstörungen beobachtet.

Wechselwirkungen

Loratadin wird über das Enzym CYP3A4 abgebaut.[5] Bei gleichzeitiger Einnahme von Mitteln, die das Enzym CYP3A4 hemmen oder ähnliche Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Ketoconazol, Erythromycin, Makrolid-Antibiotika, HIV-Proteaseinhibitoren, Propafenon und Grapefruitsaft, können die genannten Nebenwirkungen verstärkt werden, insbesondere Herzrhythmusstörungen.[6][7]

Patentstreit

Nach dem Auslaufen der Patentfrist für die Herstellung von Loratadin entstand ein größerer Rechtsstreit: Schering-Plough verklagte Geneva Pharmaceuticals für die Herstellung von Loratadin-Generika basierend auf der Argumentation, dass Schering-Plough ein noch gültiges Patent auf die künstliche Herstellung des Loratadin-Metaboliten Descarboethoxyloratadin (Desloratadin) habe. Da die Einnahme von Loratadin beim Menschen auch zur Bildung von Descarboethoxyloratadin führe, verletze die Herstellung von Loratadin dieses Patent. Das US-Bundesberufungsgericht entschied zugunsten von Geneva, was zu starken Bedenken bei Pharmaunternehmen über die Schutzmöglichkeiten ihrer Produkte führte.[8]

Handelsnamen

Monopräparate

Allernon (A), Claritine (CH), Clarityn (A), Lisino (D) und diverse Generika (D, A, CH)

Kombinationspräparate

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Europäische Arzneibuch-Kommission (Hrsg.): EUROPÄISCHE PHARMAKOPÖE 6. AUSGABE. Band 6.0–6.2, 2008.
  2. 2,0 2,1 Eintrag zu Loratadin in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  3. 3,0 3,1 3,2 Datenblatt Loratadine bei Sigma-Aldrich (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Abruf nicht angegeben
  4. Kornhuber J, Muehlbacher M, Trapp S, Pechmann S, Friedl A, Reichel M, Mühle C, Terfloth L, Groemer T, Spitzer G, Liedl K, Gulbins E, Tripal P: Identification of novel functional inhibitors of acid sphingomyelinase. In: PLoS ONE. 6. Jahrgang, Nr. 8, 2011, S. e23852, doi:10.1371/journal.pone.0023852.
  5. Pharmazeutische-zeitung: Wenn die Abwehr Amok läuft
  6. http://www.uni-leipzig.de/~pharm/phfn/allrufke.pdf.
  7. http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/2002minus/asi-loratadin-qt-verlaengerung.html
  8. A. De La Rosa: A Hard Pill to Swallow- Does Schering v. Geneva Endanger Research and Development within the Pharmaceutical Industry? 6. Juni 2006, bepress Legal Series. Working Paper 1414.

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