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Hecken-Kälberkropf
Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), Illustration

Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), Illustration

Systematik
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Untertribus: Scandicinae
Gattung: Kälberkröpfe (Chaerophyllum)
Art: Hecken-Kälberkropf
Wissenschaftlicher Name
Chaerophyllum temulum
L.
Doppeldoldiger Blütenstand mit vielen weißen Blüten.
Stängel des Hecken-Kälberkropfs. Deutlich zu erkennen der „Kälberkropf“ und die rötlichen Flecken.

Der Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), auch Taumel-Kälberkropf, Taumel-Kerbel oder Betäubender Kälberkropf genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Doldengewächse (Apiaceae) gehört.

Beschreibung

Der Hecken-Kälberkropf wächst als zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu 1,40 Meter. Sie treibt aus einem rübenförmigen „Wurzelstock“ mehrere Stängel. Die verzweigten Stängel sind rund, aber leicht kantig und mit Borsten bedeckt, die bei Berührung für schmerzhaften Hautkontakt sorgen. Zur Basis hin fallen die Stängel durch dunkelrote Flecken auf, und durch keulenartige Verdickungen an den Verzweigungen, die dieser Pflanzengattung den Trivialnamen Kälberkropf eingebracht haben. Die Blätter des Taumel-Kälberkropfes sind rauhaarig und doppelt gefiedert. Der Geruch der Staude ist schwach würzig, an Möhren und Kümmel erinnernd.

Die weißen, nur 2 bis 4 Millimeter breiten Blüten gruppieren sich in sechs- bis zwölfstrahligen, doppeldoldigen Blütenstand. Die Früchte sind etwa 1 Zentimeter lang.

Ökologie

Die Blütezeit ist Mai bis Juli. Die Blüten sind vormännliche „Nektar führende Scheibenblumen“ mit männlichen und zwittrigen Blüten (andromonözisch). Sie werden von Insekten bestäubt.

Die Früchte sind kahle Doppelachänen; sie verbleiben im Winter an der Pflanze (Wintersteher). Die Teilfrüchte werden beim Anstoßen der reifen, trockenen Stängel weit fortgeschleudert (Tierstreuer); vermutlich werden sie auch durch den Wind verbreitet. Die Früchte reifen von Juli bis September.

Vorkommen und Gefährdung

Der Hecken-Kälberkropf wächst an Waldrändern und auf Wiesen. Er wächst bevorzugt auf stickstoffreichen, feuchten Fluren, breitet sich aber durchaus auch in trockenerem Gelände aus. Die Pflanze samt sich reichlich aus, ist aber trotzdem in manchen Gegenden stark zurückgegangen. Im pflanzensoziologischen System ist der Hecken-Kälberkropf eine Kennart der Knoblauchhederich-Saumgesellschaft (Alliario petiolati-Chaerophylletum temuli).

Die Verbreitungsgebiete des Hecken-Kälberkropf liegen im Großteil Europas außer in den nördlichsten und südlichsten Regionen, weiters in den nordwestafrikanischen Staaten Marokko, Algerien und Tunesien, in der nördlichen Türkei und der nördlichen Kaukasusregion[1].

Die österreichischen Vorkommen sind häufig bis selten; in Osttirol ist der Hecken-Kälberkropf ausgestorben; die Kärntner Vorkommen sind unbeständig. Im Alpenbereich Österreichs sowie dem nördlichen und südöstlichen Alpenvorland gilt er als gefährdet.[2]

Systematik

Chaerophyllum temulum wurde 1753 von Carl Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 258 erstbeschrieben[3]. Ein Synonym für Chaerophyllum temulum ist Chaerophyllum temulentum L..[1]

Toxikologie

Tiere, die den Kälberkropf fressen, taumeln und erleiden Lähmungen. Die Giftwirkung ist wahrscheinlich auf den Gehalt am Polyin Falcarinol zurückzuführen. Vermutungen in der älteren Literatur über ein noch nicht isoliertes Alkaloid (Chaerophyllin) ließen sich nicht bestätigen. Für Menschen ist der Taumel-Kälberkropf aufgrund des geringen Toxingehalts nur schwach giftig. Frühere Berichte über starke bis tödliche Vergiftungen sind vermutlich auf Verwechslungen mit dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum) zurückzuführen.

Es gibt noch weitere Kälberkropfarten, wie den Behaarten Kälberkropf, den Knolligen Kälberkropf oder den Gold-Kälberkropf. Diese sind jedoch nicht giftig.

Quellen

Literatur

  •  Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. 93. vollst. überarb. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01413-2.
  • Dietmar Aichele: Was blüht denn da? Der Fotoband, 5. Aufl., Kosmos, Stuttgart, 2004, 446 S., ISBN 3-440-10281-5
  • Eberhard Teuscher, Ulrike Lindequist: Biogene Gifte, Gustav Fischer, Stuttgart 1994, ISBN 3-437-30747-9
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 GRIN Taxonomy for Plants. Taxon: Chaerophyllum temulum L. In: Germplasm Resources Information Network. United States Department of Agriculture - Agricultural Research Service, Beltsville Area, abgerufen am 21. Dezember 2011 (english).
  2.  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verb. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 838.
  3.  Carl von Linné: Species Plantarum. 1. Auflage. 1. Band, Stockholm 1753, S. 258 (Chaerophyllum mit Chaerophyllum temulum eingescannt bei Biodiversity Heritage Library, Online).

Weblinks

 Commons: Hecken-Kälberkropf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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