Boden-Kielschnegel

Boden-Kielschnegel
Boden-Kielschnegel (Tandonia budapestensis)

Boden-Kielschnegel (Tandonia budapestensis)

Systematik
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Limacoidea
Familie: Kielschnegel (Milacidae)
Gattung: Tandonia
Art: Boden-Kielschnegel
Wissenschaftlicher Name
Tandonia budapestensis
Hazay, 1881

Der Boden-Kielschnegel, auch Große Kielnacktschnecke (Tandonia budapestensis) ist eine Nacktschnecke aus der Familie der Kielschnegel (Milacidae) in der Unterordnung der Landlungenschnecken (Stylommatophora).

Merkmale

Das Tier ist ausgestreckt bis etwa 6 cm lang. Der Mantel nimmt etwa 1/3 der Gesamtlänge ein. Die Atemöffnung liegt im hinteren Teil des Mantels auf der rechten Seite. Die Körperfarbe variiert von gelblich über bräunlich bis grau, meist netzförmig mit schwarzen Flecken. Gestreckt ist das Tier relativ schlank. Die Sohle ist weißlich bis gelblich mit einem dunklen Mittelstreifen. Manchmal kommen auch dunkle Seitenstreifen vor. Der deutliche Kiel ist gelb bis orange.

Fortpflanzung

Die Tiere sind Zwitter und befruchten sich gegenseitig. Die Paarung erfolgt im Frühjahr und Herbst. Es werden jeweils mehrere Gelege mit bis zu 30 Eier in der Erde abgelegt. Aus den im Herbst abgelegten Eier schlüpfen erst im Frühjahr die Jungtiere.

Lebensweise und Vorkommen

Die Art kommt vor allem in Parkanlagen, Gärten und Feldern vor. Tagsüber oder auch bei längeren trockenen Perioden graben sich die Tiere bis zu mehreren Zehnerzentimeter tief im Boden ein. Die Art ist heute in West- und Mitteleuropa weit verbreitet. Vermutlich war sie früher auf Südosteuropa beschränkt und wurde nach Mittel- und Westeuropa verschleppt. Sie bevorzugt wärmere Gebiete und fehlt daher in den Mittelgebirgen. In Österreich liegt das höchste Vorkommen bei etwa 530 m über NN.[1] Inzwischen kommt sie anthropochor (durch Menschen verschleppt) auch in Nordamerika[2] und Neuseeland[3] vor. Im Osten hat sich die Art auch in die Türkei ausgebreitet.[4]

Der Boden-Kielschnegel und der Mensch

Der Boden-Kielschnegel wird in England als Schädling eingestuft, der vor allem Tomatenkulturen, Wurzelgemüse und Schnittblumen schädigt. In Mitteleuropa sind Populationsgrößen, die eine spürbare Schadwirkung haben könnten, bisher nicht beobachtet worden.

Sonstiges

Die Haut bzw. der abgesonderte Schleim des Boden-Kielschnegels ist sehr wahrscheinlich giftig. Versuche mit dem von Schnecken lebenden Käfer Pterostichus melanarius (Familie Carabidae) ergaben, dass die meisten Tiere, die an frisch getöteten Boden-Kielschnegeln gefressen hatten, innerhalb weniger Tage starben. [5]. Der gelbe bis orange Kiel könnte somit als Warnfarbe (vergleichbar dem gelb-schwarzen Muster bei Wespen) interpretiert werden.

Systematik

Die Art hat mehrere Synonyme: Amalia ibiniensis Kimakowicz, 1884, Limax gracilis Leydig, 1876 und Milax valachicus Grossu & Lupu 1961.

Einzelnachweise

  1. L. Dvořák, T. Čejka & M. Horsák: Present knowledge of distribution of Tandonia budapestensis (Hazay, 1881) in the Czech and Slovak Republics (Gastropoda: Milacidae). Malalacological Newsletter, 21: 37-43, 2003 PDF
  2. H. Reise, J. M. C. Hutchinspn und D. G. Robinson:. Two introduced pest slugs: Tandonia budapestensis new to the Americas, and Deroceras panormitanum new to the Eastern USA. Veliger, 48: 110-115, Berkeley 2005
  3. New Zealand Mollusca
  4. M. Zeki Yildirim und Ümit Kebapci: Slugs (Gastropoda: Pulmonata) of the Lakes Region (Göller Bölgesi) in Turkey. Turkish Journal of Zoology, 28: 155-160, Ankara 2004.
  5. W. O. C. Symondson: Does Tandonia budapestensis (Mollusca: Pulmonata) contain toxins? Evidence from feeding trials with the slug predator Pterostichus melanarius (Coleoptera: Carabidae). In: Journal of Molluscan Studies. 63: 541-545 London 1997

Literatur

  • Rosina Fechter und Gerhard Falkner: Weichtiere. 287 S., München, Mosaik-Verlag 1990 (Steinbachs Naturführer 10) ISBN 3-570-03414-3
  • Michael P. Kerney, R. A. D. Cameron, Jürgen H. Jungbluth: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. 384 S., Paul Parey, Hamburg und Berlin 1983, ISBN 3-490-17918-8

Weblinks

 Commons: Boden-Kielschnegel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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