Ausdrucksverhalten

Von einem Hund bedrohte Katze (aus Darwin: „Gemütsbewegungen“)

Als Ausdrucksverhalten (früher auch Gemütsbewegungen, in jüngerer Zeit gelegentlich Display) werden in der Verhaltensbiologie jene Verhaltensmuster bezeichnet, „die den Charakter eines Auslösers haben und der innerartlichen (gelegentlich auch der zwischenartlichen) Verständigung dienen.“[1] Diese Verhaltensmuster sind entweder im stammesgeschichtlichen Prozess der (innerartlichen) Ritualisierung entstanden oder haben sich in Auseinandersetzung mit konkurrierenden Arten herausgebildet. Als soziale Signale zeigen sie die Gestimmtheit eines Tieres an und beeinflussen hierdurch das Verhalten von Individuen der gleichen oder einer anderen Art. Das Ausdrucksverhalten eignet sich daher auch, um Befindlichkeiten bei Haustieren situationsabhängig zu bewerten.[2]

Formen des Ausdrucksverhaltens

Ausdrucksverhalten umfasst sowohl visuelle Signale (Ausdrucksbewegungen) als auch akustische (zum Beispiel Warnsignale), ferner Berührungen und Elemente der olfaktorischen Kommunikation. Weithin bekannt ist das Aufschlagen der Schwanzfedern zum „Rad“ beim Pfau, aber auch der Gesang der Nachtigall, das Simulieren eines gebrochenen Flügels in Anwesenheit eines Beutegreifers (woraufhin dieser den scheinbar kranken Vogel verfolgt und nicht dessen Junge), das Paarungsnachspiel, die Tanzsprache der Bienen und der wellenförmig aufsteigende und dann wieder abstürzende Flug des männlichen Steinadlers [3] kann als Ausdrucksverhalten gedeutet werden.

Ausdrucksverhalten in der Literatur: das Verschwinden der Cheshire Cat während des Grinsens

„Zweck“ von Ausdrucksverhalten kann beispielsweise sein:

  • das Werben um eine Partnerin
  • die Einschüchterung von Rivalen
  • das Beanspruchen eines Territoriums
  • die Einleitung der Kopulation
  • das Abschrecken eines Angreifers
  • das Mitteilen von Gefahr an Gruppenmitglieder
  • das Weglocken eines Angreifers von den Jungen.

Siehe auch

Literatur

  • Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren. Eichborn 2000. ISBN 3821841885 (Kritische Edition der Originalausgabe von 1872 von Paul Ekman)
  • Nikolaas Tinbergen: Zur Soziologie der Silbermöwe, Larus a. argentatus Pont. In: „Beiträge zur Fortpflanzungsbiologie der Vögel“, Band 12, 1936, S. 89–96
  • Konrad Lorenz: Hier bin ich – wo bist Du? Ethologie der Graugans. München, Zürich: Piper, 1988
  • Dorit Urd Feddersen-Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund. Mimik, Körpersprache, Kommunikation und Verständigung. Franckh-Kosmos Verlag 2008. ISBN 344009863X

Weblinks

  • rudelberater.de Beispiele für Ausdrucksverhalten bei Dingos (PDF; 871 kB)
  • uni-saarland.de Infos zu einer Vorlesung über Emotionen und Ausdrucksverhalten
  • sueddeutsche.de Joachim Marschall: „Mienenspiel: Angst schärft die Sinne.“ Süddeutsche Zeitung vom 17. Juni 2008, S. 16

Einzelnachweise

  1. zitiert aus: Grzimeks Tierleben, Sonderband Verhaltensforschung. Kindler Verlag, 1974, S. 622
  2. vetline.de „Ausdrucksverhalten zur Beurteilung von Befindlichkeiten bei Pferden“
  3. eaglesatlakemonroe.com

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