Waldfledermäuse meiden schnell drehende Windenergieanlagen weiträumig



Bio-News vom 05.01.2024

An Windenergieanlagen kommen nicht nur viele Fledermäuse zu Tode, die Anlagen verdrängen auch einige Arten weiträumig aus ihren Lebensräumen. Wenn die Turbinen bei relativ hohen Windgeschwindigkeiten in Betrieb sind, sinkt die Aktivität von Fledermausarten, die in strukturdichten Habitaten wie Wäldern jagen, im Umkreis von 80 bis 450 Meter um die Anlage um fast 80 Prozent.

Das Team der Leibniz-IZW und der Philipps-Universität Marburg vermutet, dass die Ursache dieses Vermeidungsverhaltens unter anderem der Lärm der Rotoren der Anlagen ist, welcher mit zunehmender Windgeschwindigkeit steigt.


Großes Mausohr - Myotis myotis.

Publikation:


Ellerbrok JS, Farwig N, Peter, F, Voigt CC
Activity of forest bats declines with increasing wind speed when wind turbines are operating
Global Ecology and Conservation (2023)

DOI: 10.1016/j.gecco.2023.e02782



Um Klimaschutzziele zu erreichen, boomt in Deutschland der Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere der Windenergie. Knapp 30.000 Anlagen wurden bislang auf dem Festland installiert, jetzt beginnt ein Ringen um weitere geeignete und rarer werdende Standorte. So rücken als Standorte auch Wälder in den Fokus – und damit artenreiche und sensible Lebensräume.

Viele heimische Fledermausarten, etwa das Große Mausohr (Myotis myotis), leben und jagen in Wäldern und sind daher vom Windenergieausbau in oder nahe Wäldern potenziell betroffen. Das betrifft nicht nur das unmittelbare Risiko der Kollision mit den Rotoren, sondern hat auch indirekte negative Auswirkungen auf diese Arten, wie eine neue Untersuchung eines Teams um Christian Voigt vom Leibniz-IZW und Nina Farwig von der Universität Marburg zeigt. Die Forschenden fanden heraus, dass die waldspezialisierten Fledermäuse Windenergieanlagen über eine Entfernung von mehreren hundert Metern meiden – wenn die Anlagen in Betrieb und die Windgeschwindigkeiten relativ hoch sind.



Ellerbrok weiter: „Dabei stellten wir fest, dass die Aktivität von Fledermäusen, die üblicherweise in der Vegetation von Wäldern nach Nahrung suchen, im Umkreis von 80 bis 450 Metern um die Windenergieanlagen mit zunehmender Windgeschwindigkeit um durchschnittlich 77 % abnimmt, wenn die Anlagen in Betrieb sind. Die Fledermausaktivität blieb dagegen von der Windgeschwindigkeit unbeeinflusst, wenn die Anlagen abgeschaltet waren.“ Das Team schlussfolgerte daher, dass für das Vermeidungsverhalten Faktoren verantwortlich sein müssen, die direkt mit dem Betrieb der Anlagen bei relativ hohen Windgeschwindigkeiten zusammenhängen.

„Die Rotorbewegungen der Windenergieanlagen erzeugen nicht nur sogenannte Wirbelschleppen, sondern auch Lärm. Beide Faktoren können sich über mehrere hundert Meter auf Fledermäuse auswirken“, sagt Christian Voigt, Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie am Leibniz-IZW. „Waldfledermäuse, die unter dem Kronendach jagen, kommen vermutlich nicht mit den Wirbelschleppen in Kontakt. Vielmehr könnten sie von den Geräuschemissionen der Anlagen betroffen sein; auch wenn der Frequenzbereich der Geräusche weit unterhalb der Frequenz der Echoortungsrufe liegt. Vermeiden Waldfledermäuse Geräuschemissionen an den Windenergieanlagen, verlieren sie weiträumig wertvollen Lebensraum.“

Insgesamt stellen Windenergieanlagen in Wäldern Fledermäuse vor mehrere Probleme, fassen die Forschenden zusammen: Einerseits verlieren Waldfledermäuse Lebensraum – sowohl durch die Rodung beim Bau der Windenergieanlagen als auch durch die Meidung der laufenden Windenergieanlagen. Andererseits können Fledermäuse, die oberhalb der Baumkronen jagen, potenziell an den sich drehenden Rotorblättern verunglücken.

Um mögliche ökologische Langzeitfolgen für Fledermausbestände durch Windenergieanlagen in Waldgebieten minimal zu halten, sollten Windenergieanlagen nur in strukturarmen und somit fledermausarmen Wirtschaftswäldern aufgestellt werden. Zukünftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, die Auswirkungen von Lärmemissionen an den Windenergieanlagen auf Fledermäuse genauer zu untersuchen, schließt das Team in der Veröffentlichung.


Diese Newsmeldung wurde mit Material des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V. via Informationsdienst Wissenschaft erstellt

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